Passanten auf der Frankfurter Zeil

Die Corona-Pandemie hat einen anhaltenden Trend umgekehrt: Hessens große Städte verlieren Einwohner - Frankfurt und Darmstadt erstmals seit zwei Jahrzehnten.

Audiobeitrag

Audio

Audioseite Hessens Städte verlieren Einwohner

Die Frankfurter Skyline bei Sonnenuntergang
Ende des Audiobeitrags

Daran dürften sich nur noch die Alteingesessenen in den Statistikämtern erinnern: Erstmals seit 20 Jahren registriert Frankfurt einen Rückgang der Einwohnerzahl. In Darmstadt ist es sogar das erste Mal seit 1998. Auch in anderen hessischen Städten sinkt die Einwohnerzahl. Der wesentliche Grund ist überall derselbe: Corona.

Frankfurt fällt unter 750.000

Hessen größte Stadt Frankfurt hatte zuletzt im Jahr 2001 einen leichten Rückgang der Bevölkerung zu verzeichnen, seitdem ging es steil bergauf - von damals rund 646.000 auf 758.847 Ende 2020. Allein im ersten Halbjahr 2021 sank die Bevölkerungszahl jedoch um 9.426 auf jetzt 749.421 Einwohnerinnen und Einwohner. Damit rutscht die Stadt erstmals seit Februar 2019 wieder unter die Marke von 750.000.

Der Großteil des Rückgangs geht zwar auf im Zuge der Kommunalwahl gelöschte Karteileichen zurück. Der reale Bevölkerungsrückgang im laufenden Jahr beträgt aber immer noch 2.179. "Das ist angesichts der Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte eine hohe Zahl", sagt Wolfhard Dobroschke vom städtischen Statistikamt dem hr. Im Jahr 2019 war noch ein Plus von 10.726 verzeichnet worden, 2020 kamen noch gerade 273 Frankfurterinnen und Frankfurter hinzu.

Dobroschke führt den Rückgang auf die "geringere Mobilität aufgrund der Corona-Pandemie" zurück. Aufgrund von Homeoffice-Angeboten und digitaler Lehre sei es etwa für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Studierende oft nicht mehr notwendig, in die Stadt zu ziehen. Auch Stadtrat Jan Schneider (CDU) sieht die Ursachen in den "Folgen der Corona-Pandemie".

Darmstadt schrumpft erstmals seit 1998

Darmstadt bekam das Schrumpf-Phänomen bereits im vergangenen Jahr zu spüren. Erstmals seit 21 Jahren stand ein Minus unter dem Strich: 161.620 Menschen lebten Ende 2020 in der Stadt – 808 weniger als ein Jahr zuvor. Und der Trend setzt sich 2021 fort: Zum Ende des zweiten Quartals schrumpfte die Stadt nach eigenen Angaben nochmals um 211 Menschen. Das ergibt einen Gesamtverlust von 1.019 Menschen seit Beginn der Pandemie.

Auch hier will die Universitätsstadt nach eigenen Angaben als wesentliche Ursache "vor allem die Corona-Pandemie und ihre dämpfende Wirkung auf den Zuzug von Studierenden" ausgemacht haben. Mangels einer Präsenzpflicht an den Hochschulen seien viele Erst- oder Zweitsemester nicht nach Darmstadt gezogen. Insbesondere in den studentisch geprägten Stadtteilen und Standorten von Studentenwohnheimen sei der Bevölkerungsrückgang deutlich geworden.

Kassel ist seit Beginn der Pandemie um 2.133 Einwohnerinnen und Einwohner geschrumpft. Einen Rückgang gab es dort zuletzt 2008. Anfang 2020 lebten noch 205.481 Menschen in der nordhessischen Stadt, Ende des Jahres waren es noch 204.059. Bis zum 30. Juni 2021 nahm die Zahl noch einmal um 711 auf 203.348 ab.

Trendwende in Wiesbaden?

Wiesbaden bekam den Trend ebenfalls zu spüren, wenn auch deutlich abgemildert. 2020 konnte die Landeshauptstadt noch um 51 auf 291.160 Einwohnerinnen und Einwohner zulegen, in den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres sank die Zahl allerdings auf 291.121.

Wie lange der Schrumpfkurs in Hessens Städten noch anhält, ist unklar. Frankfurts Stadtrat Schneider geht davon aus, dass sich das Wachstum in seiner Stadt "nach Ende der Pandemie" wieder fortsetzen wird. Die jüngste Entwicklung in Wiesbaden deutet sogar darauf hin, dass es noch deutlich schneller gehen könnte: Im Juli stieg die Gesamtzahl der Einwohnerinnen und Einwohner wieder ins Plus - um 84 auf 291.205.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen