Ein Mädchen sitzt lustlos vor ihren Hausaufgaben

Lockern oder nicht - und wenn ja, wie? Kommende Woche muss entschieden werden, wie es für Hessens Schüler nach den Osterferien weitergeht. Über 80.000 User beteiligten sich an unserer Umfrage zu dem heiklen Thema.

Der Präsenzunterricht ruht wegen des Coronavirus seit März in Hessen. Doch wie wird es nach den Ostferien weitergehen? In der kommenden Woche will sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) darüber mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und den anderen Länderchefs abstimmen.

Schulbeginn wäre am 20. April. Das soll auch, so die bisherige Linie, generell der Stichtag für mögliche Öffnungen der bundesweiten Corona-Kontaktsperren sein. Klar scheint: Ein regulärer Betrieb mit allen Schülern wird dann nicht stattfinden. Bouffier hat aber schon laut über andere Strategien nachgedacht. Vielleicht sollten zunächst diejenigen Schüler zurück, die ihre Abschlüsse machen. Denkbar wäre auch eine Art Schicht-Unterricht, "damit nicht so viele auf einen Schlag zusammenkommen", wie der Ministerpräsident erklärte.

Mehrheit der hessenschau.de-Nutzer für Verlängerung

Wie sehr gerade diese Folge des Lockdowns Menschen bewegt, zeigt die außerordentliche Resonanz zum hessenschau.de-Beitrag über die mögliche Öffnung der Schulen. In den vielen Nutzer-Kommentaren bildet sich ein breites Spektrum ab.

An unserem parallel laufenden Voting sind innerhalb von zwei Tagen über 80.000 Stimmen abgegeben worden. Hier war das Ergebnis deutlich. Rund 61 Prozent Prozent sagten: Die Schulen sollen lieber noch geschlossen bleiben. Für die Aufnahme des regulären Betriebs stimmten knapp 12 Prozent. Schichtbetrieb fänden 18 Prozent gut. Für eine Öffnung nur für einen Teil der Schülerschaft waren etwa 8,5 Prozent der Teilnehmer.

Voting

Wie sollte es nach den Ferien an den hessischen Schulen weitergehen?

Platz
Ergebnis (%)
1
Schulen sollten noch zubleiben.
61,3
2
Schulen sollten im Schichtbetrieb wieder öffnen.
18,2
3
Schulen sollten ganz regulär wieder öffnen.
12,0
4
Schulen sollten öffnen, aber nicht für alle.
8,5

Was, wenn die Zahlen wieder steigen?

"Was würde es bringen , wenn wir jetzt wieder die Schulen aufmachen und dann die Zahlen der Infizierten wieder steigen, dann war die ganze Sache vor den Osterferien umsonst", kommentierte ein Nutzer aus Frankfurt, der lieber anonym bleiben wollte. Gesundheit geht vor - eine Ansicht, die von vielen Kommentierenden geteilt wird.

Nutzerin Daniela Blaschke weist auf ein weiteres Problem hin: "Man lässt Kinder wieder in die Schule, ok. Aber wer schützt die Eltern, die zur Risikogruppe gehören?", schreibt Blaschke, die laut eigener Angabe selbst zur Risikogruppe gehört.

Schüler finden Situation nicht toll, aber ...

Doch was ist mit den Schülern selbst? Einige haben ebenfalls kommentiert und sprechen sich wie Magdalena oder Noha häufig dafür aus, die Schulen noch etwas länger geschlossen zu lassen. "Es ist eine Gefahr für Schüler und Lehrer, selbst mit Schichtunterricht. Wir haben viele ältere Lehrer und in meiner Klasse befinden sich schon zwei mit einem Herzfehler und zwei mit Asthma", schreibt Magdalena.

Und das, obwohl sie kurz vor ihren Prüfungen stehe und ihr gerade in Mathe die Vermittlung durch den Lehrer fehle. Ihr Vorschlag: Die Prüfungen um sechs Wochen verschieben.

Für manche ein größeres Problem

Einige Eltern können länger geschlossenen Schulen dagegen nicht ganz so gelassen entgegen sehen. Weil sie trotz Corona zur Arbeit müssen, oder weil sie den Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen können. "Ich persönlich bin an einem Punkt, wo es einfach nur noch nervt. Hilfe!?! Fehlanzeige", schreibt eine Alleinerziehende aus Wetzlar.

Kommentator Michael Gawlytta stimmt ihr zu: "Schulen müssen starten für die Kinder, die sich selbst noch nicht verpflegen können, damit die Eltern ARBEITEN gehen können." Er fragt: "Woher der Urlaub, woher die Überstunden und woher die finanziellen Mittel, um die Familie zu ernähren bei Aktuell 67 Kurzarbeitergeld ?“

Dauerhaften Heimunterricht erlauben?

Auch der hessische Landeselternbeirat hat auf Probleme mit dem Homeschooling hingewiesen, von dem er wenig hält. Es vertiefe bestehende Bildungsungleichheiten.

Das sehen nicht alle so. Der ein oder andere User wünscht sich sogar eine gesetzliche Verankerung von Heimunterricht - auch über die Coronazeit hinaus. Unterricht darf regulär nicht zuhause stattfinden. "Deutschland sollte mal akzeptieren, dass Bildung auch ohne einen 'Pädagogen des Schulamtes' funktioniert", schreibt Iris Matusik aus Limburg. Homeschooling sei zwar gewiss nicht für jeden geeignet. "Aber sollte trotzdem eine Alternative sein", findet sie.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.04.2020, 19.30 Uhr