Eine Rollstuhlfahrerin und eine pflegerin begrüßen sich mit einer Fußberührung.

Einmal pro Woche für eine Stunde Besuch. Für viele Bewohner in Alten- und Pflegeheimen ist diese Regelung eine Erlösung. Doch die Lockerung stellt die Heime auch vor große Herausforderungen.

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Kein Besuch, kaum Ablenkung, wenig Körperkontakt - in der Corona-Krise leiden Menschen in Alten- und Pflegeheimen besonders stark. Das belastet nicht nur die Patienten selbst, sondern auch diejenigen, die sie betreuen und versorgen. "Das Pflege- und Betreuungspersonal muss sämtliche zwischenmenschlichen Kontakte, die es sonst zwischen den Angehörigen gibt, auffangen." Das sei keine leichte Aufgabe, sagt Heimleiterin Annemarie Ottmann aus Kassel im hr-fernsehen.

Ein bisschen besser könnte die Situation für alle Beteiligten jetzt aber werden. Seit Montag sind in Hessen Besuche in Alten- und Pflegeheimen wieder erlaubt, wenn auch nur sehr eingeschränkt: Einmal pro Woche darf für eine Stunde ein Angehöriger in die Einrichtung kommen und mit Abstand und Mundschutz - aber immerhin persönlich - Kontakt aufnehmen. Da gibt es zwar keine Umarmungen, kein Handhalten und schon gar keine Küsschen, aber immerhin sieht man sich mal wieder, kann sich in die Augen schauen und reden.

Lockerungen ja, aber nicht "überstürzt"

Doch so schön das für die Bewohner der isolierten Heime und ihre Partner und Kinder oder Enkel auch ist, die Lockerungen sind ein Kompromiss und der wird nicht von allen nur positiv bewertet. Die Liga der Freien Wohlfahrtspflege hat in einem offenen Brief an Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) Kritik an den Öffnungen geäußert. "Wir halten die Lockerungen für überstürzt und hätten mindestens zwei Wochen Vorbereitungszeit gebraucht", sagt Liga-Vorstand Michael Schmidt.

Dass es Lockerungen geben müsse, sei jedoch unstrittig. Der Brief enthält auch Forderungen nach mehr Corona-Tests in den Heimen und einer besseren Ausstattung mit Schutzkleidung für Mitarbeiter und Besucher.

Lockerungen müssen aufwändig organisiert werden

Abstandsregeln einhalten, Besuchszimmer zur Verfügung stellen, Besuchstermine koordinieren, die gesamte Lockerungslogistik bedeutet für die Heime massiv mehr Arbeit in sehr kurzer Zeit. Jede Einrichtung muss ein individuelles Schutzkonzept erstellen. "Das ist höchst anspruchsvoll, das alles zu koordinieren", so Heimleiterin Ottmann, die ihre Erfahrungen mit den neuen Regeln sammelt.

Und wie lange dieser Modus dann beibehalten werden kann, ist auch unklar. "Durch die Öffnung der Ladengeschäfte muss man ja mit neuen Krankheitsfällen rechnen", sagt Peter Grundwald, Geschäftsführer des Heimes in Kassel. "Wir wissen also im Moment nicht, ob wir mit den ganzen Maßnahmen nicht wieder zurückrudern müssen. Das finde ich am schlimmsten."

Im Odenwaldkreis muss weiter auf Besuch gewartet werden

Und nicht überall in Hessen wird die Landesverordnung mit den Lockerungsmöglichkeiten derzeit auch schon umgesetzt. Im von Corona besonders stark betroffenen Odenwaldkreis etwa überwiegen derzeit noch die Bedenken gegen Lockerungen, die Pflegeheime bleiben für Besuche gesperrt, der Landrat hat eine abweichende Verfügung erlassen. "Bei uns waren ja Pflegeheime ganz massiv betroffen und mussten auch unter Quarantäne gestellt werden", sagt Saskia Hofmann, Sprecherin des Kreises. "Für das Pflegepersonal wäre die Belastung derzeit noch zu hoch, jetzt auch noch Angehörigenbesuche zu organisieren."

Gesundheitsamt, Rechtsamt und der Landrat entscheiden derzeit von Woche zu Woche aufgrund der Entwicklung der Zahlen, ob Lockerungen zugelassen werden. Sobald das möglich sei, wolle man auch im Odenwaldkreis an die Vorgaben des Landes aufschließen - falls dann nicht schon wieder neue Lockerungen beschlossen wurden. "Wir behalten uns auch Zwischenlösungen vor", so die Kreissprecherin.

Weitere Informationen

Regeln für Besuche in Heimen (seit 4. Mai)

  • Die Einrichtungen müssen ein individuelles Schutzkonzept haben. Maßgeblich sind Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts, des hessischen Sozialministeriums und die jeweiligen Hygienepläne der Heime.
  • Besuche sind nur nahen Angehörigen und engen Bezugspersonen gestattet.
  • Erlaubt ist lediglich ein einziger Besucher pro Woche. Dauer: maximal eine Stunde.
  • Der Mindestabstand von eineinhalb Metern muss eingehalten werden.
  • Ein Mund-und-Nasen-Schutz ist Besuchern vorgeschrieben. Alltagsmasken aus Stoff, wie sie in Geschäften sowie Bussen und Bahnen zulässig sind, reichen laut Minister Klose nicht. "Standard ist mindestens eine sogenannte OP-Maske", sagte er.
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