Diverse Lebensmittelkisten mit Tafellogo

Der Betrieb der Lebensmittel-Ausgabestellen läuft nach der Corona-Pause unter erschwerten Bedingungen. Etliche ältere Helfer haben sich verabschiedet. Zugleich gibt es mehr Bedürftige.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Tafeln suchen nach Helfern

ein Mitarbeiter der Tafeln transportiert Lebensmittelkisten
Ende des Audiobeitrags

Sie sind für die Armen und Bedürftigen eine wichtige Versorgungsquelle: die Tafeln. Dort gibt es kostenlos Lebensmittel. Doch die 57 Einrichtungen mit ihren mehr als 200 Ausgabestellen in Hessen haben mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen. Sie suchen ehrenamtliche Helfer.

Der Vorsitzende der Tafeln in Hessen, Willi Schmid, sagt zu hessenschau.de: "Es gibt Personal-Engpässe, die sich zuletzt weiter zugespitzt haben." Seinen Angaben zufolge fehlen mehr als 500 Mitarbeiter. Also ein Zehntel der insgesamt rund 5.000 Helfer.  

Ältere Helfer fürchten Corona-Infektion

Etliche Helfer bleiben weg, weil sie älter sind als 70 Jahre. Sie zählen in Pandemie-Zeiten zur Risikogruppe. "Viele haben Angst, sich mit Corona zu infizieren und bleiben deswegen weg", sagt Schmid.

Verschärft wird die Situation, weil sich andererseits junge Helfer wieder anderen Beschäftigungen widmen. Zu Beginn der Corona-Krise engagierten sich auch Studenten bei den Tafeln und Menschen, die wegen der verordneten Kurzarbeit Zeit hatten. Nun gehen sie wieder ihren Jobs und Studiengängen nach.

Zupackende Fahrer dringend gesucht

"Wenn an einem Ort drei Leute nicht mehr mitmachen und woanders fünf Mitarbeiter fehlen, kann das für den jeweiligen Betrieb massive Auswirkungen haben", sagt Schmid. Wenn Schlüsselstellen nicht besetzt seien, könne der ganze Betriebsablauf ins Stocken geraten. So würden Fahrer, die beim Lebensmitteltransport kräftig mitanpacken können, händeringend gesucht.

Verschiedene Lebensmittel in Kästen der Tafel zwei

Die Personal-Knappheit bei den Tafeln hat für die bedürftigen Besucher Folgen. "Die Wartezeiten werden automatisch länger", sagt Schmid. Schwerer wiege, dass die Tafeln Lebensmittel-Großspenden derzeit nur begrenzt annehmen könnten, weil die Kapazitäten zur Verarbeitung und Verteilung fehlten. So verknappt das Angebot. Eine zügige Verteilung ist wichtig wegen der Haltbarkeit der Lebensmittel.

Weitere Informationen

Tafeln

Die Tafeln retten Lebensmittel, die noch gut erhalten sind, aber nicht mehr verkauft werden können. Den Hauptteil der kleineren und mittleren Lebensmittel- und Warenspenden sammeln sie regelmäßig bei Supermärkten und Discountern ein.
Ziel der Tafeln ist es, qualitativ einwandfreie Nahrungsmittel, die im Wirtschaftsprozess nicht mehr verwendet werden können, an Menschen in Not zu verteilen, wie die Tafeln in einer Grundsatzerklärung beschreiben. Nach Angaben der Tafeln wurden im Vorjahr 20 000 Tonnen Lebensmittel von ihnen in Hessen verteilt.

Ende der weiteren Informationen

100.000 Menschen erhalten Nahrungsmittel von Tafeln

Die Tafeln in Hessen bedienen laut Landesverband rund 100.000 Menschen. Hinzu kommt die soziale Funktion der Ausgabestellen: Bei den Tafeln können die Einsamen und Abgehängten der Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommen. Vielerorts gebe es auch Tafel-Cafés, die normalerweise gut besucht seien, betont Schmid. Derzeit sind sie coronabedingt noch geschlossen.

Auf dem Höhepunkt der Corona-Krise hatten 50 von 57 Tafeln geschlossen, wie Schmid berichtet. Mittlerweile seien alle wieder geöffnet. Und der Zuwachs an Neu-Anmeldungen von Nutzern beträgt rund 15 Prozent, wie Schmid erklärt. Die meisten Tafeln in Hessen hat Frankfurt mit zwölf Ausgabestellen. Dahinter folgen Wiesbaden, Darmstadt, Kassel und Wetzlar.

Sendung: hr4, 14.09.2020, 12.30 Uhr