Blick auf die Wiesbadener Marktkirche bei Nacht

Im Kampf gegen steigende Corona-Infektionen hat die Stadt Wiesbaden weitere Maßnahmen ergriffen. Wenn sie nicht greifen, sollen nächtliche Sperrstunden verhängt werden.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Verschärfte Corona-Regeln für Wiesbaden

Mund-Nasen-Schutz in der Hand
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Die Stadt Wiesbaden hat mit neuerlichen Maßnahmen auf den rasanten Anstieg der Corona-Infektionen im Stadtgebiet reagiert. Der Verwaltungsstab der Landeshauptstadt beschloss am Mittwoch folgende Bestimmungen, die ab Freitag (28. August) zunächst bis zum 21. September gelten:

  • Alkohol darf zwischen Mitternacht und 6 Uhr morgens nicht mehr verkauft und ausgeschenkt werden
  • an Bushaltestellen muss ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden

Bereits zuvor hatte die Landeshauptstadt private Veranstaltungen mit mehr als 50 Menschen verboten. Das lag unter anderem an den Nachwehen einer Hochzeitsfeier eines Paares am 15. August in einer Halle in Mainz-Mombach, das sich im Nachhinein als sogenanntes Superspreader Event erwiesen hatte. "Die Lage wird ernst", sagten Oberbürgermeister Gert-Uwe Mende (SPD) und Bürgermeister Oliver Franz (CDU) am Mittwoch.

Wiesbaden denkt über weitere Einschränkungen nach

Deshalb denken die Stadtverantwortlichen auch schon laut über mögliche weitere Schritte zur Eindämmung der Pandemie nach. Dazu zählt auch eine mögliche Maskenpflicht im Unterricht der weiterführenden Schulen, wie sie andernorts in Hessen bereits praktiziert wird. Auch ein generelles Alkoholverbot im Stadtgebiet sei "im Gespräch", heißt es. Und als drittes Drohszenario nennt die Stadt eine Sperrstunde zwischen Mitternacht und 6 Uhr.

Was damit genau gemeint ist, blieb am Mittwoch allerdings unklar. Laut Mitteilung würde eine solche Sperrstunde "sowohl die Gastronomie als auch öffentliche Anlagen betreffen". Auf Nachfrage erklärte ein Stadtsprecher, diese Option sei "noch nicht näher definiert". Fest steht bislang wohl nur: Sollte es zu einer Sperrstunde in Wiesbaden kommen, wären nächtliche Kneipenbesuche und Treffen in Parks vorerst passé.

7-Tage-Inzidenz steigt auf 44,9

Die Stadt verzeichnete am Mittwoch 44,9 Corona-Neuinfizierte in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner und hat damit bereits Grenzwerte des Landes überschritten. Höher ist die Inzidenz landesweit nur in Offenbach: Die Stadt hat mit einem Wert von 59,0 (Stand Mittwoch) deutschlandweit gar die meisten Fälle. Dementsprechend gelten in Offenbach noch strenge Corona-Regeln. In der hessenweit zuletzt am stärksten betroffenen Stadt Hanau sank die Inzidenz nach Angaben des Main-Kinzig-Kreises von 70 am Vortag auf 58,2.

Die Wiesbadener Rathauschefs fürchten derweil einen Domino-Effekt durch Reiserückkehrer, die das Virus in sich tragen. Daher kündigten OB Mende und Bürgermeister Franz an, einen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zu schicken. Darin wollen sie "darauf drängen, dass sich Reiserückkehrer in eine Quarantäne zu begeben haben". Zudem solle ein verpflichtender Coronatest erst wenige Tage nach der Rückkehr nach Deutschland absolviert werden, um zu verhindern, dass Menschen, die sich kurz vor der Rückreise angesteckt haben, das Virus im falschen Bewusstsein weitergeben.

Sendung: hr-iNFO, 26.8.2020, 17.40 Uhr