Hände, bekleidet mit Schutzhandschuhen, halten ein Teströhrchen, welches zum Coronatest genutzt wird.

Seit Tagen ist klar: Auch in Hessen haben sich Menschen mit dem veränderten Coronavirus infiziert, zuletzt in einem Limburger Altenheim. Gewissheit gibt es aber oft erst nach Wochen.

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Corona-Mutation still
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Stutzig wurden die Verantwortlichen im Limburger Altenheim St. Georg schon Mitte Dezember. Ungewöhnlich viele Menschen infizierten sich in dieser Zeit mit dem Coronavirus, darunter auch eine Person, die die Erkrankung eigentlich schon überstanden hatte. Der Verdacht lag nahe, dass eine mutierte Variante des Virus in der Einrichtung grassiert.

Also wurden einige Proben an das Labor der Uniklinik in Frankfurt geschickt, wie das Altenheim auf hr-Anfrage mitteilte. Dort bestätigte sich in drei Proben der Verdacht. Die Frage, ob es sich um die zunächst in Großbritannien festgestellte Mutation handelt oder womöglich doch um jene aus Südafrika, wird wohl erst Ende Januar beantwortet. Dafür müssen die Proben in einem weiteren Labor in der Berliner Charité untersucht werden. Es handele sich um eine "aufwändige Sequenzierung", hieß es zur Begründung. Und die könne trotz der eigentlich gegebenen Voraussetzungen in Frankfurt besser in der Hauptstadt durchgeführt werden.

Neue Verordnung für mehr Untersuchungen

Ein organisatorischer Aufwand, der Zeit kostet. Das soll sich nach einer neuen bundesweiten Verdordnung aus dieser Woche nun ändern. Sie besagt, dass mehr Labore Virusproben auf Mutationen untersuchen sollen. Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer kritisiert: Die Regierung habe zu spät erkannt, wie wichtig es ist, die Mutationen häufiger und genauer zu untersuchen.

Dabei sei diese sogenannte Sequenzanalyse sehr wichtig, um einen Überblick über die verschiedenen Virusformen zu bekommen: "Das Virus mutiert immer weiter und wir müssen sicherstellen, dass sich nicht Virusformen entwickeln und verbreiten, die gegen die Impfungen immun werden", sagt der Experte dem hr.

Dass diese Analyse, wie im Limburger Fall, zum Teil mehrere Wochen dauert, hält er aber für nachvollziehbar: "Das liegt daran, dass die Sequenzanalyse viel aufwendiger ist als die üblichen Corona-PCR-Tests. Sie schneller als innerhalb einer Woche durchzuführen, ist im Durchschnitt kaum möglich."

Frankfurter Virologe warnt vor weiteren Mutationen

Das hessische Sozialministerium hofft darauf, dass durch die neue Testverordnung bald mehr und schneller getestet werden kann. Das wäre wichtig, um besser auf neue Mutationen reagieren zu können. Auch wenn die bisher entdeckten Corona-Varianten, nach allem was bis jetzt bekannt ist, nicht tödlicher sind: Es spricht vieles dafür, dass sie ansteckender sind und sich schneller verbreiten.

Der Frankfurter Virologe Stürmer erklärt das so: "Wenn das Virus in die Zellen unseres Körpers will, braucht es eine Art Schlüssel, um rein zu kommen. Bei der originalen Corona-Variante, die vom Tier auf uns Menschen gesprungen ist, knarzt der Schlüssel etwas im Schloss und passt nicht immer. Bei der Mutation passt der Schlüssel sich besser an das Schloss an, das Virus kann also besser in die Zellen gelangen und wir können uns schneller infizieren."

Wie das in der Realität aussehen kann, hat sich in dem betroffenen Limburger Altenheim gezeigt. Dort sind seit dem intensiven Ausbruchsgeschehen noch immer Bewohner in Quarantäne. Auf die Bestimmung der Virus-Mutation müssen sie hoffentlich nicht mehr lange warten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 18.01.2021, 19.30 Uhr