Symbolbild: Kreideschrift "COVID-19" auf Tafel mit Inzidenzkurve

Mitte Februar sollte das Schlimmste bei der Omikron-Welle vorbei sein. Stattdessen erreichen die Infektionszahlen neue Höchststände. Eine Prognose für den weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ist schwierig.

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So stehen die Hessen zum Ende der Corona-Maßnahmen

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Es war Anfang Februar, da wehte ein Hauch von Corona-Frühling durch die sonst oft so düstere Pressekonferenz des Bundesgesundheitsministers und des Präsidenten des Robert-Koch-Instituts. "Ich bin optimistisch, dass wir die Omikron-Welle bald überstanden haben", war von RKI-Chef Lothar Wieler zu vernehmen. RKI-Modellrechnungen sagten auch für Hessen voraus: Mitte Februar würde der Scheitelpunkt der Welle überschritten, die Zahl der Neuinfektionen dann schnell sinken.

Das trat auch ein - allerdings nahmen die Infektionszahlen Anfang März wieder eine neue Richtung: Sie gingen deutlich nach oben. Die mittlerweile sechste Corona-Welle führt in Hessen wieder zu hohen Inzidenzen, im Rest der Republik gar zu Rekordzahlen.

Was war schief gelaufen? Warum lagen die Prognosen so daneben?

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Szenarien, keine Prognosen - und ein neuer Mitspieler

Eine Antwort steckt im Wort "Prognosen" - genau das war die Modellrechnung eben nicht. Um den möglichen Verlauf der Omikron-Welle vorherzusagen, rechneten die Forscher eine Reihe von "Was wäre, wenn"-Szenarien durch: Wie würde es sich auswirken, wenn wir im Januar erneut einen harten Lockdown gehabt hätten? (Überraschende Antwort: Das hätte möglicherweise zu einer erneuten Welle im März geführt.) Wie würde es sich auswirken, wenn die Menschen weniger zurückhaltend bei den Kontakten wären? Wie, wenn das Omikron-Virus mehr oder weniger gut darin ist, den Impfschutz auszuhebeln?

Die Frage nach der Impfung konnten die Wissenschaftler später beantworten. Bei anderen Variablen waren sie auf Spekulation angewiesen - und gingen für das wahrscheinlichste Szenario davon aus, dass sich an den Ausbreitungschancen nichts ändert. Ein alternatives Szenario berechnete, was passieren würde, wenn die Infektionstätigkeit nach einer Pause Mitte Februar wieder zunähme - das Ergebnis sieht dem späteren, tatsächlicheren Verlauf ziemlich ähnlich.

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Mitte Februar begann die Omikron-Virenvariante BA.2 ihren Siegeszug - wie ihr nächster Omikron-Verwandter kann sie den Immunschutz von Genesenen und Geimpften häufig aushebeln, ist aber noch ein wenig infektiöser. Das sorgte dafür, dass aus den fallenden Infektionszahlen wieder steigende wurden - unterstützt von karnevalsbedingt zunehmender Kontaktfreude.

Gegen die Ausbreitung des Virus wirkt, dass immer mehr Menschen eine Corona-Infektion überstanden haben und als Wirte für das Coronavirus wegfallen. Thorsten Lehr, der an der Universität des Saarlandes ein Rechenmodell namens "Covid-Simulator" betreut, vergleicht das mit einem Fischteich, in dem irgendwann nichts mehr zu fangen ist. "Aber wir wissen schlichtweg nicht, wann das der Fall ist", räumt er ein.

Balanceakt zwischen Beschleunigern und Bremsern

Wie geht es jetzt weiter? Lehr tut sich schwer mit einer Einschätzung - wie übrigens auch die Modellierer des Robert-Koch-Instituts. Das hängt damit zusammen, dass derzeit verschiedene Faktoren gegeneinander wirken, die sich ungefähr die Waage halten.

Diese Balance könne sich schnell in die eine oder andere Richtung ändern, betont Thorsten Lehr: "Kleine Änderungen können leicht zum Ansteigen oder Abfallen der Zahlen führen." Dabei könnten schon kleine Ausschläge schnell drastische Folgen haben.

Gipfel der Welle in wenigen Wochen

In wenigen Wochen dürfte auch der Gipfel der sechsten Welle überschritten sein, schätzt Lehr - ob das nun in zwei oder vier Wochen der Fall sein dürfte, könne er nicht sagen.

Dass die Politik die Maskenpflicht und die Kontakt-Beschränkungen gelockert hat, hilft der aggressiven Omikron-Variante, sich noch ein wenig besser zu verbreiten. Auf der anderen Seite stehen der Frühling, der Treffen ins ungefährliche Freie verlagert, und die steigende Herdenimmunität bei den Gruppen, die die Infektion mehrheitlich überstanden haben.

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Bei Inzidenz 2.000 ist Schluss

Wie auch immer sich die Infektionsdynamik entwickelt - viel höher als 2000 werden die Inzidenzen in Hessen nicht steigen können. Die PCR-Testlabore arbeiten hart an den Kapazitätsgrenzen, obwohl PCR-Tests seit Februar schärfer rationiert werden. Da nur ein PCR-bestätigter Corona-Fall in die Inzidenz miteinfließt, ist die Kapazitätsgrenze der Labore zugleich eine Grenze dafür, wie hoch die Werte steigen können.
Eine Folge: Eine Trendwende zum Besseren könnte man zunächst nicht an fallenden Inzidenzen bemerken, sondern am Sinken der Positivquote - dem Anteil der PCR-Tests, in denen sich der Corona-Verdacht bestätigt hat. Je höher diese Quote, desto höher die Dunkelziffer.

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Schülerinnen und Schüler sind wohl bald durch, Arbeitnehmer nicht

An den Schulen, die zu Beginn des Jahres hart vom Coronavirus getroffen wurden, gehen die Inzidenzen jetzt zurück - darauf weist Lars Koppers hin, Datenwissenschaftler beim gemeinnützigen Science Media Center. Dort hätten inzwischen so viele Menschen das Virus überstanden, dass ihm die Nahrung ausgehe.

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In den mittleren Altersgruppen wird das Virus dagegen durchaus noch Opfer finden, was zum Problem am Arbeitsplatz werden kann - wenn viele Arbeitnehmer infektionsbedingt zu Hause bleiben müssen. "In Köln hat der Karneval beispielsweise zu einer merklichen Welle beim Klinikpersonal geführt", berichtet Koppers. Der Krankenstand an den städtischen Krankenhäusern war kurzzeitig auf etwa fünf bis sieben Prozent der Beschäftigten geklettert.

Auch in der Altersgruppe der über 60-Jährigen gebe es noch keine hohen Durchseuchungsquoten, erinnert Koppers. Dass die Älteren sich in der Omikron-Welle seltener angesteckt haben und zudem gut durch die Boosterimpfungen geschützt sind, hat dafür gesorgt, dass die Sterbezahlen zwar wieder gestiegen, aber noch nicht explodiert sind. Für sie besteht weiter Grund zur Vorsicht.

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