Auf einer Mundschutzmaske liegt der Schriftzug "Alle Jahre wieder".

Für die Weihnachtszeit setzt die Politik eher auf Vernunft als auf Regeln. Die Modellrechnung zeigt: Wenn die Menschen über Weihnachten wieder mehr Kontakte haben, steht Hessen nach dem Fest deutlich schlechter da als vor dem Teil-Lockdown.

Es wird eng auf den Intensivstationen. "Wir sehen, dass die Kapazitäten in der Intensivmedizin ausgereizt sind. Wir haben hier keine Spielräume mehr, weder bei den Testkapazitäten, noch haben wir es in der Klinik," sagt John Ziebuhr, Leiter der Medizinischen Virologie an der Justus-Liebig-Universität Gießen, der hessenschau.

Ende November ist die Corona-Herbstwelle in den Kliniken angekommen. Hessen gehört mit einer Auslastung von rund 85 Prozent zu den Bundesländern, in denen die Intensivstationen derzeit am stärksten belastet sind. Die Modellrechnung auf Basis der derzeitigen Infektionslage zeigt: erst im Laufe des Dezembers wird der Scheitelpunkt der Welle erreicht. Immerhin: die tatsächlichen Intensivpatienten-Zahlen liegen derzeit am unteren Rand der Prognose; die derzeitige Kapazitätsgrenze wird nicht erreicht.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Dass der Teil-Lockdown Corona zunächst ausgebremst hat, wirkt sich erst mit mehreren Wochen Verzögerung auf die Intensivstationen aus. Knapp 60 Prozent aller Covid-Intensivpatienten werden künstlich beatmet. Solche Patienten bleiben im Schnitt knapp drei Wochen auf der Intensivstation. Betten bleiben also lange belegt, während neue Covid-Patienten nachrücken.

Weihnachten kann die Erfolge zunichte machen

Wie kritisch die Lage im neuen Jahr auf den Intensivstationen wird, das entscheidet sich an Weihnachten. Es ist zu erwarten, dass die Anzahl der Kontakte und die Reisetätigkeit über Weihnachten kurzzeitig zunehmen - und damit auch das Virus mehr Möglichkeiten hat, sich auszubreiten. Und schon eine kurzzeitige Erhöhung der Infektionstätigkeit schafft erhebliche Probleme.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Mit dem COVID-Simulator der Universität des Saarlandes haben wir uns ein Szenario rechnen lassen, das (optimistisch) davon ausgeht, dass die Inzidenz bis Weihnachten sinkt - und dann die Neuinfektionen für kurze Zeit in dem Umfang ansteigen, die wir in der Zeit vor dem Lockdown hatten. Die Modellrechnung zeigt: Schon die eine Woche reicht aus, um die Erfolge des Teil-Lockdowns zunichte zu machen - und ganz Hessen über eine Grenze von 200 Neuinfektionen auf 100.000 Menschen je Woche rücken zu lassen.

Teil-Lockdown hat die Infektionszahlen stabilisiert

Tatsächlich deutet bis jetzt nichts auf einen deutlichen Rückgang der Infektionszahlen in Hessen hin - auch wenn möglich ist, dass die Appelle der Politik dazu führen, dass die Bürger ihre Kontakte weiter einschränken.

Externer Inhalt

Externen Inhalt von Datawrapper (Datengrafik) anzeigen?

An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Datawrapper (Datengrafik). Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Ende des externen Inhalts

Zuletzt hatte Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier Zweifel geäußert, ob mit dem Teil-Lockdown das angepeilte Ziel einer Neufall-Inzidenz unter 50 zu erreichen sei - hatte aber verkündet, an den Lockerungen zu Weihnachten und Silvester unbedingt festhalten zu wollen. Die Analyse zeigt: Ohne Disziplin und Vernunft unterm Weihnachtsbaum wird es kaum gehen. Der Virologe Ziebuhr hält die Lockerungen an Weihnachten und zwischen den Jahren jedenfalls für eine fatale Fehlentscheidung. "Wir müssen davon ausgehen, dass das definitiv Menschenleben kosten wird", sagt er.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 29.11.2020, 19.30 Uhr