Foto aus einer Kirche. Auf eine Bank ist ein Zettel mit der Aufschrift "Diese Reihe muss frei bleiben" geklebt.

An Weihnachten darf es trotz Corona-Lockdown Präsenzgottesdienste geben - allerdings mit Auflagen. Das hat Ministerpräsident Bouffier klargestellt. Ausgangssperren in Hotspots werden dann auch gelockert, am Silvesterabend bleibt es bei der 21-Uhr-Grenze.

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Bouffier bei der Pressekonferenz in der Staatskanzlei
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Präsenzgottesdienste sollen an Weihnachten generell möglich sein. Das hat Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) am Mittwoch in einer Pressekonferenz klargestellt.

Bei Gottesdiensten sind Hygienekonzepte einzuhalten, Teilnehmer müssen sich vorher anmelden und ihre Adressdaten angeben. Weitere Einzelheiten zur Ausgestaltung regeln die Gemeinden vor Ort selbst.

Es wird nicht gesungen

Bouffier hatte zuvor mit den Leitungen der katholischen und evangelischen Kirchen in Hessen gesprochen. Dabei wurde auch geklärt: Es wird bei den Gottesdiensten nicht gesungen. Dies gelte sowohl in den Kirchen wie auch bei Messen im Freien. Obergrenzen für Gottesdienstbesucher gebe es nicht.

Der Ministerpräsident geht davon aus, dass kirchliche Weihnachtsfeiern in den unterschiedlichsten Formen stattfinden werden. So solle es auch Autogottesdienste geben. "Da ist der Phantasie keine Grenze gesetzt", so Bouffier.

Die alleinstehende Nachbarin darf dazukommen

Für private Zusammenkünfte bleibt es bei der bisherigen Regelung. Demnach darf man sich vom 24. bis zum 26. Dezember neben dem eigenen Hausstand mit vier weiteren Personen aus mehreren Haushalten treffen. Kinder bis 14 Jahre werden nicht mitgezählt. Die Teilnahme solle auf den engsten Familienkreis beschränkt bleiben, sagte Bouffier. Allerdings sagte er auch, dass die "alleinstehende Dame aus der Nachbarschaft" ebenfalls eingeladen werden könne. Davon war bislang nicht die Rede gewesen.

Man solle die Regeln nicht ausreizen, appellierte Bouffier. Er setze auf die Vernunft der Bürgerinnen und Bürger, auch in deren eigenem Interesse. Die Vorgaben seien als dringliche Empfehlung zu verstehen. Es sei nicht vorgesehen, sie polizeilich durchzusetzen.

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Ausgangssperren nur an Weihnachten gelockert

Die Ausgangssperren in den Hotspots mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 200 werden an Weihnachten etwas gelockert. So sollen sie an Heiligabend erst ab 24 Uhr gelten, an den beiden Weihnachtsfeiertagen jeweils ab 22 Uhr. Der Besuch der Christmette beziehungsweise das Weihnachtsessen mit der Familie sind nach Ansicht von Bouffier so gut möglich.

An Silvester wird es keine Lockerungen geben. Hier gilt weiterhin: Es dürfen sich maximal fünf Personen aus zwei Haushalten treffen, die Ausgangssperren in den Hotspots gelten von 21 bis 5 Uhr. Bouffier verwies noch einmal darauf, dass man Verletzungen durch Feuerwerkskörper unbedingt vermeiden möchte, um das Gesundheitssystem nicht zusätzlich zu belasten und Engpässe in Kliniken zu verschärfen. Die rauschende Silvesterparty müsse dieses Jahr ausfallen.

SPD: Zu schwammig, zu unklar

Auf Bouffiers Erklärung zu den Weihnachtsregeln reagierte die SPD im Landtag mit der Kritik, er und seine Regierung ließen Klarheit und Mut vermissen. "Die Landesregierung setzt ein falsches Signal, wenn sie für die Weihnachtstage nur schwammig an die Vernunft appelliert", heißt es in einer Mitteilung der Fraktionsvorsitzenden Nancy Faeser vom Mittwoch.

Angesichts der erschreckende Zahl an Neuinfektionen und Todesfällen im Zusammenhang mit Corona brauche es "Führungsstärke und den Mut, auch zu unpopulären Maßnahmen zu stehen". Beides hätten Bouffier und sein Kabinett nicht gezeigt.

Kirchen wollen ansprechbar bleiben

Die Evangelischen Kirchen erklärten gemeinsam, sie wollten auch an Weihnachten ansprechbar bleiben. Gerade in der durch die Pandemie belastenden Situation sei die Seelsorge besonders wichtig. Die Seelsorge als "Muttersprache der Kirche" solle auch über Weihnachten zu hören sein, sagte Beate Hofmann, Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck (EKKW).

Laut Mitteilung sollen Gottesdienste bei hohen Inzidenzzahlen abgesagt werden können. Wichtig sei, die Gemeinden in ihren Entscheidungen zu unterstützen. "Es kann vor Ort gute Gründe für eine Absage ebenso wie für das Feiern der Weihnachtsgottesdienste geben", sagte der Präsident der Evangelischen Kirche von Hessen und Nassau (EKHN), Volker Jung.

Sendung: hessenschau, 16.12.2020, 19.30 Uhr