Foto von einem Zettel, der an der Eingangstür zu einer Kneipe hängt und worauf steht: "Achtung: Bei uns gilt die 2G-Regel!".

Es ist die große Frage für Gastwirte im Herbst: 2G oder 3G? Welche Corona-Regeln angewendet werden sollen, ist sowohl bei Gastgebern als auch bei Gästen umstritten - und führt in Einzelfällen schon zu Verbal-Attacken von Kritikern.

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hessenschau vom 20.09.2021
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2G oder 3G - unter welchen Corona-Bedingungen sollen Gastwirte künftig am klügsten für ihre Kundschaft da sein? An dieser Frage scheiden sich nicht nur bei Gästen, sondern auch in den Gastro-Betrieben die Geister.

Seit dem 16. September haben Gastronome und etwa auch Kultur-Veranstalter die Möglichkeit, ihre Betriebe nicht mehr nach den 3G-Regeln, sondern unter 2G-Bedingungen weiterzuführen. Das ging zwar auch vorher schon per sogenanntem Hausrecht, doch neu ist nun: Dort, wo 2G angewendet wird, müssen keine Masken mehr getragen und keine Abstände eingehalten werden. Zutritt gibt es dann nur noch für Geimpfte und Genesene; ein negativer Test reicht nicht zum Eintritt.

Wie sich nun die Mehrheit der Betriebe aktuell und perspektivisch verhält, ist selbst für den hessischen Landesverband des Hotel- und Gastronomieverbands Dehoga unklar. Doch es zeigt sich: Die Branche ist hin- und hergerissen und sucht einen Weg aus der Corona-Krise. Der Spagat: rentabel arbeiten, aber keine Gäste vergraulen.

Gastgeber zerrissen: 40 Prozent für 2G und 40 Prozent für 3G

Anfang September hatte die Dehoga ihre Mitglieder befragt, ob sie 2G für ihre Betriebe einführen würden. 40 Prozent sagten ja - genauso viele, wie bei 3G bleiben wollten. 20 Prozent waren noch unentschieden. In zwei Wochen soll eine abschließende Umfrage ermitteln, wie viele Betriebe nun tatsächlich das 2G-Modell bevorzugen.

Dehoga-Hessen-Chef Julius Wagner betont, die Gastwirte stünden vor zwei Herausforderungen: Zum einen müsse jeder, der sich für 2G-Einlass entscheidet, auch sicherstellen, dass sämtliche Mitarbeiter genesen oder geimpft sind.

Zum anderen müsse man sich darüber im Klaren sein, dass man Familien mit Kindern oder Jugendlichen Schwierigkeiten bereitet, wenn die 12- bis 17-Jährigen noch nicht den vollen Impfschutz erreicht haben. Diese müssten nämlich geimpft sein, während für Sechs- bis Zwölfjährige das Testheft maßgeblich ist und nur die ganz Kleinen ohne Einschränkungen mitkommen dürfen.

Wilde Diskussionen in der Branche

Dehoga-Hauptgeschäftsführer Wagner erklärt, dass es jüngst "wilde Diskussionen unter den Hoteliers, Gastwirten und Clubbetreibern" gegeben habe. Nicht immer sei es dabei um unternehmerische Fragen gegangen, oft auch um Gesinnungsfragen. "Es ging vor allem um den sozialen Moment: Ob ich als Gastgeber mit 2G ungeimpfte Gäste ausschließe", sagt Wagner. Er hofft, dass der Impffortschritt die Probleme mit Blick auf den Winter löse.

Diese Diskussionen seien nun abgeebbt. In der Branche selbst werde wieder sachlich diskutiert, die unternehmerische Entscheidung wieder in den Vordergrund gerückt – denn mit einem 2G-Einlass erhöhen Wirte ihre Kapazitäten und Umsätze. Außerhalb der Branche aber, vor allem in sozialen Netzwerken, wird die Diskussion zum Teil nicht nur emotional, sondern auch brutal überhitzt geführt.

Shitstorm für Gastwirte

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Audioseite Anfeindungen für Fuldaer Wirt wegen Umsetzung der 2G-Coronaregel

Fuldaer Kneipenwirt Robert Hofmann
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"Wir haben einen gewaltigen Shitstorm abbekommen", sagt Robert Hofmann, Wirt der Fuldaer Kult-Kneipe "Spitzbub im Fässchen". "Mir wird gewünscht, dass ich pleite gehe – aber da stehe ich drüber." Hofmann hat sich für 2G entschieden und gute Erfahrungen gemacht. Bei den Kneipen-Gästen komme 2G "mega-gut" an.

Der 2G-Effekt für ihn und seine Gäste: "Ich mache mehr Umsatz und kann so viele Gäste einlassen wie üblich. Und es gibt keine Einschränkungen: kein Abstand, keine Maske, keine Dokumentationen – wobei ich die eigentlich gut finde, falls sich mal jemand ansteckt."

Zurück zur Gastronomie wie vor der Pandemie

Bei einer stichpunktartigen Umfrage unter Hofmanns hessischen Kolleginnen und Kollegen ergibt sich ein ähnliches Bild. "Für uns war von Anfang an klar, dass wir 2G einführen werden", sagt etwa Hans Gensert vom Hotel Odenwaldblick in Rödermark (Offenbach). "Wir wollen so schnell wie möglich zurück zur Gastronomie, wie sie vor der Pandemie war." Da sei die 2G-Regel der logische nächste Schritt, man müsse als Gast ja nur einen Nachweis vorzeigen. "Das merkt man den Gästen auch an", sagt Gensert, "sie sind wieder viel offener und freundlicher."

Auch Ingrun Hamel, Wirtin der Weinstube Zimtkorken in Trebur (Groß-Gerau), hebt den Austausch mit ihren Gästen hervor. "Durch viele Gespräche wussten wir schon vor der Regel-Einführung, dass eigentlich alle unsere Gäste geimpft sind", sagt Hamel. Deswegen seien die Reaktionen auf ihre 2G-Ansage durchweg positiv ausgefallen. Trotzdem wolle sie niemanden ausschließen. Sie ermöglicht im überdachten Außenbereich den Einlass ohne Beschränkungen, in einem separaten Bereich die 3G-Regel und im Innenbereich eben 2G.

Das funktioniert. "Pro Tag kommen vielleicht zwei Menschen, die nur getestet sind", sagt Hamel. "Pro Woche müssen wir vielleicht zwei weiteren Menschen den Einlass verwehren, weil sie weder Nachweis noch Test vorlegen können." Viel weniger, als sie gedacht hätte.

"Wer getränkeorientiert arbeitet, wird sich wohl für 2G entscheiden"

Steffen Ackermann, der Fuldaer Kreisvorsitzende im Branchenverband Dehoga, sagt: Auch enttäuschte Gäste müssten Verständnis aufbringen, dass Gastwirte einen Weg finden müssen, rentabel zu arbeiten. Wenn man eine kleine Gaststube oder Kneipe habe und dann pro Gast fünf Quadratmeter einplanen müsse, sei die Kapazität arg begrenzt. "Wer getränkeorientiert arbeitet, wird sich wohl eher für 2G entscheiden."

In der Speisegastronomie werde sich die 3G-Regel wohl erstmal durchsetzen, glaubt Ackermann. Denn eine 2G-Regel sei beispielsweise für einen Landgasthof, den zum Beispiel Familien besuchen wollen, nicht praktikabel.

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