Schülerinnen und Schüler sitzen am Schreibtisch im Klassenzimmer und targen Masken.

Die Schulen bleiben offen, auch bei steigenden Infektionszahlen: Mit dieser Ansage des Kultusministers hat das neue Schuljahr begonnen. Erst einmal müssen sich die Schüler auf strengere Corona-Regeln einstellen. In einem Punkt wird aber auch gelockert.

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Präsenzunterricht trotz vierter Welle

Am Montag hat für rund 760.000 Schülerinnen und Schüler in Hessen das neue Schuljahr begonnen - im Präsenzunterricht und mit voller Klassenstärke. Wechselunterricht oder gar komplett geschlossene Schulen soll es nicht mehr geben, wie Kultusminister Alexander Lorz (CDU) kurz vor Ferienende noch einmal bekräftigte. Das sehe das Eskalationskonzept nicht mehr vor.

Dabei ist die pandemische Lage zum Start nach den Ferien keineswegs entspannt. Die vierte Welle hat begonnen, warnte das Robert-Koch-Institut vor wenigen Tagen. Auch in Hessen steigt die Inzidenz rapide an: Vor zwei Monaten noch lag sie unter 10, nun hat sie wieder die 70er Marke geknackt - und das, obwohl Herbst und Winter erst noch bevorstehen.

Kritik an den Beschlüssen kommt unter anderem von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Hessen (GEW). Es sei zu befürchten, dass der Schulbetrieb weiterhin deutlich durch die Corona-Pandemie beeinträchtigt werde, erklärte die Landesvorsitzende Birgit Koch am Montag in Wiesbaden. Die Entscheidung zur Förderung von mobilen Luftfilteranlagen sei zu spät getroffen worden. Die bestehenden Probleme wegen des Lehrkräftemangels seien nicht gelöst. Die IT-Ausstattung der Schulen komme nur schleppend voran.

Strengere Regeln zum Schulstart

Reiserückkehrer könnten die Infektionszahlen weiter in die Höhe treiben, vor allem in den ersten Wochen nach den Ferien. Das Kultusministerium hat deswegen für den Schulstart strengere Regeln beschlossen. In den zwei sogenannten Präventionswochen müssen Schülerinnen und Schüler während des Unterrichts am Platz eine medizinische Maske tragen. Bei Einschulungsfeiern und ähnlichen Veranstaltungen soll sie auch im Freien getragen werden, so lautet die Empfehlung des Ministeriums.

Außerdem wird die Testfrequenz erhöht: Schülerinnen und Schüler - ebenso wie die Lehrkräfte - müssen in dieser Zeit drei Mal pro Woche vor Ort einen Corona-Selbsttest durchführen. Das Ergebnis wird in das neu eingeführte Testheft eingetragen.

Testheft: Erleichterung für Schüler?

Das Testheft solle vor allem den Alltag der Kinder und Jugendlichen erleichtern, hatte Lorz gegenüber der hessenschau erklärte: "Damit erspart man, dass die Kinder sich an einem Tag zweimal testen müssen, weil sie nach der Schule zum Beispiel noch mal zum Sport gehen." Auch für den Kino- oder Restaurantbesuch sollen sie, wenn nötig, genutzt werden können. Einschränkung: Es müsse natürlich von der dortigen Stelle akzeptiert werden, es sei eben ein Selbsttest, so Lorz.

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) ist wenig begeistert von dieser Idee. Dass das Kultusministerium das neue Testheft als "Erleichterung in Schule und Alltag" anpreist, mache ihn "fassungslos", erklärte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann am Freitag in einer Mitteilung. "Für die Schulen bedeutet das Testheft weiteren Verwaltungsaufwand", vor allem wenn sie auch die Ergebnisse von Bürgertests dokumentieren sollen. "Das ist so sinnlos wie überflüssig und zeigt wieder einmal, wie abgehoben vom Schulalltag das Kultusministerium arbeitet."

Quarantäne: Regeln gelockert

Fällt der Tests bei einer Schülerin oder einem Schüler positiv aus, hat das nicht mehr so große Auswirkungen wie bisher. Laut dem Kultusminister sollen bei einem einzelnen Corona-Fall keine ganzen Klassen in Quarantäne geschickt werden. Lediglich Sitznachbarn oder andere unmittelbare Kontaktpersonen müssen sich demnach zu Hause isolieren. Darauf habe man sich mit dem Gesundheitsministerium verständigt.

"Die wissenschaftlichen Erkenntnisse, die wir über das Virus und seine Verbreitung haben, erlauben jetzt präzisere und punktgenauere Maßnahmen", erkärte Lorz. Die übrigen Klassenmitglieder müssten sich nach einem Infektionsfall dann zum Beispiel über zwei Wochen täglich testen.

Maskenpflicht: Nach zwei Wochen die Ausnahme

Nach den beiden Präventionswochen werden die Corona-Regeln wieder gelockert. Statt drei Tests pro Woche sind wieder nur zwei Pflicht. Außerdem müssen die Schülerinnen und Schüler am Platz keine Maske mehr tragen - es sei denn, die Inzidenz im Kreis liegt über 100. Dann sieht das Eskalationskonzept des Landes eine Maskenpflicht im Unterricht vor.

Schon jetzt haben einige Städte diesen Grenzwert überschritten: Am Montag lagen Offenbach (119,9) und Frankfurt (111,8) laut Angaben des Robert-Koch-Instituts darüber, die Stadt Kassel mit einem Inzidenzwert von 99 nur knapp darunter. Eine Übersicht über die Inzidenzwerte in allen hessischen Kreisen und Städten finden Sie hier.

Luftfilter: Vielerorts noch in Arbeit

Ärger gibt es auch weiterhin um Luftfilter-Anlagen in den Schulen. So kritisiert die GEW, dass Bund und Länder zwar Gelder bereitgestellt hätten. Aber, so die Vorsitzende Birgit Koch: "Sie fehlen in den Schulen, sie sind nicht in den Klassenräumen." Das Land habe versäumt, für die Schulträger Handlungsempfehlungen herauszugeben, welche Modelle überhaupt sinnvoll seien und gefördert würden.

Mehrere Städte hatten in der letzten Ferienwoche angekündigt, zumindest mobile Luftreinigunsgeräte zügig in den Schulen - und auch in Kitas - zu verteilen. Offenbach hat nach eigenen Angaben 800 Geräte gekauft, Darmstadt rund 400. Elf Darmstädter Grundschulen sollen außerdem fest eingebaute Lüftungsanlagen erhalten. In Frankfurt dagegen dauert es länger als geplant: Die ersten Luftfilter für die Räume der Klassen 1 bis 6 sollen erst zum Ende der Herbstferien kommen. Insgesamt sollen in 2.500 Räumen an 140 Schulen Luftfilter aufgestellt werden.

Eine Schule in Griesheim (Darmstadt-Dieburg) steht vor einem weiteren Problem: Aufgrund von Bauarbeiten findet der Unterricht vollständig in Containern statt. Luftfilter gibt es nicht und Lüften ist wegen des Baustellenlärms nicht möglich.

Impfung: Großteil noch ohne erste Dosis

Einen weiteren Baustein für einen sicheren Schulalltag sieht der Kultusminister in der Impfung - und freut sich deshalb über die Entscheidung der Ständigen Impfkomission (Stiko): Mitte August hatte die Stiko beschlossen, die Impfung auch generell für Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren zu empfehlen. Doch bislang haben nur rund 30 Prozent dieser Altersgruppe das Angebot angenommen und eine erste Spritze erhalten.

Für Schülerinnen und Schüler kündigte Lorz spezielle Angebote in den Kommunen und auch an den Schulen an. "Wir sollten uns jedoch immer wieder bewusstmachen, dass nach einhelliger Auffassung der Wissenschaft Unterricht in den Schulen dann am sichersten ist, wenn sich möglichst viele Erwachsene impfen lassen und so eine Übertragung des Virus auf Kinder und Jugendliche erschweren", erklärte Lorz zum Ferienende.

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