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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Corona-Studie an hessischen Kitas startet

Ein Kind spielt auf dem Spielplatz

In einer neuen Studie an 60 hessischen Kitas testen die Eltern ihre Kinder über drei Monate auf das Coronavirus. Studienleiterin Sandra Ciesek erklärt, was sich die Wissenschaftler von der Untersuchung erhoffen.

Die Rolle von Kindern in der Corona-Pandemie ist noch unklar. Wie ansteckend sind sie, wie leicht infizieren sie sich selbst, und welche Rolle spielen sie insgesamt im Infektionsgeschehen? Das sind Fragen, die die Wissenschaft aber auch die Politik interessieren. Und nicht zuletzt die Eltern.

Ein Team des Frankfurter Uniklinikums führt von Mittwoch an eine freiwillige Studie an 60 hessischen Kitas durch. Auftraggeber der "Safe-Kids-Studie" ist das Land Hessen. Ziel dahinter: Mögliche Infektionen in den Einrichtungen sollen Rückschlüsse auf die Ausbreitung von Sars-CoV-2 in den einzelnen Regionen bringen. Die Studie wird geleitet von der Virologin Sandra Ciesek und ihrem Kollegen Sebastian Hoehl.

hessenschau.de: Was genau erhoffen Sie sich von der Studie?

Virologin Sandra Ciesek

Sandra Ciesek: Unsere Studie hat zwei Ziele: Zum einen wollen wir anhand repräsentativer Kitas herausfinden, wie häufig SARS-CoV-2-Infektionen in hessischen Kitas bei den Kindern und ihren Erzieherinnen und Erziehern nachweisbar sind. Dies lässt dann Rückschlüsse zu, wie gefährdet die Kinder und das Personal sind, dort mit dem Virus in Kontakt zu kommen. Wir haben hierzu einen Ablauf entworfen, bei dem die Eltern zu Hause selbst Abstriche bei Ihren Kindern durchführen. Herauszufinden, wie gut das funktioniert, ist unser zweites Ziel.

hessenschau.de: Wird man von den Ergebnissen auch darauf schließen können, wie infektiös Kinder sind und wie leicht sie sich anstecken?

Ciesek: Nein, das wird man aus den Daten, die wir erheben wollen, allein nicht direkt ableiten können.

hessenschau.de: Auf welchen Zeitraum ist die Studie angelegt, und wie ist der Ablauf?

Ciesek: Die Studie ist für eine Dauer von drei Monaten geplant. Während dieser drei Monate werden die teilnehmenden Kinder einmal pro Woche per Abstrich auf SARS-CoV-2 untersucht.

hessenschau.de: Wie genau werden diese Tests ablaufen?

Ciesek: Der "Goldstandard" der Testung, also die bevorzugte Methode, ist ein tiefer Nasenabstrich oder Rachenabstrich. Beides ist für Kinder sehr unangenehm, und kann nur von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt werden. Deshalb werden die Eltern angeleitet, selbst Abstriche bei Ihren Kindern durchzuführen, die für das Kind weniger unangenehm sind, von denen wir uns aber auch eine hohe Zuverlässigkeit erhoffen. Es handelt sich um einen PCR-basierten Test, der das Virus-Genom – also eine akute Infektion – nachweist. Der Test ist freiwillig.

hessenschau.de: Werden auch Antikörpertests durchgeführt?

Ciesek: Nein. Wir wollen Kinder auf SARS-CoV-2 testen, ohne ihnen schmerzhafte oder unangenehme Untersuchungen zuzumuten, und Antikörpertests kann man nur aus Blutprobe durchführen. Kindern wöchentlich Blut abzunehmen, halten wir für nicht vertretbar. Zudem kann man mit Antikörpertests nur bereits durchgemachte Infektionen mit einigermaßen guter Zuverlässigkeit erkennen – uns geht es aber um die Erkennung aktiver Infektionen.

hessenschau.de: Wird auch das Umfeld - also zum Beispiel die Eltern selbst - getestet?

Ciesek: Nein, unserer Studie konzentriert sich auf die Kinder und ihre Erzieherinnen und Erzieher, die in den Kita-Gruppen zusammenkommen. Sollte hierbei ein Kind positiv getestet werden, wird auch eine Untersuchung von dem Umfeld des Kindes in die Wege geleitet werden.

hessenschau.de: Wie passiert mit den Daten?

Ciesek: Wir werden die Daten zusammen mit Experten im Bereich der Statistik und Biomathematik auswerten. Hierbei erfolgt auch ein Vergleich mit den Infektionszahlen in der jeweiligen Region.

hessenschau.de: Das Land Hessen finanziert die Studie mit 270.000 Euro. Reicht das aus, oder gibt es noch weitere Finanzierung?

Ciesek: Wir am Institut für Medizinische Virologie am Universitätsklinikum Frankfurt haben die Studie wissenschaftlich geplant und führen sie durch. Auftraggeber ist das Land Hessen, das die Studie auch finanziert. Zudem hat sich die Firma Roche Diagnostics bereit erklärt, uns die benötigten Testkits für diese Studie kostenfrei zur Verfügung zu stellen.

hessenschau.de: Wann gibt es Ergebnisse?

Ciesek: Wir rechnen damit, in vier oder fünf Monaten erste Ergebnisse präsentieren zu können.

Die Fragen stellte Hanna Immich

Sendung: hr3, 10.6.2020, 8 Uhr