In Hessen sind inzwischen über 660 Altenheimbewohner mit dem Corona-Virus infiziert. Die Zahl steigt, ebenso wie die der Toten. Seniorenvertreter fordern einen besseren Schutz der Bewohner vor Ansteckung.

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Ob Frankfurt, Bad Vilbel oder zuletzt Wiesbaden - die Meldungen über Corona-Ausbrüche in hessischen Altenheimen häufen sich. Der Frankfurter Gesundheitsdezernent Stefan Majer (Grüne) sprach zuletzt im hr von einer "Katastrophe, die auf uns zurollt". Auf jeden Fall eine beunruhigende Situation: Denn bei älteren Menschen nimmt eine Covid-Erkrankung vergleichsweise häufig einen schweren Verlauf.

Derzeit sind laut Regierungspräsidium Gießen 666 Altenheimbewohner infiziert (Stand: 4. November). Die Behörde hat die Aufsicht über die mehr als 800 Alten- und Pflegeheime in Hessen. Insgesamt leben dort rund 60.000 Menschen. Und unter denen breitet sich der Erreger aus.

Noch am Montag hatte die Behörde erst 538 infizierte Bewohner erfasst. Das bedeutet einen Zuwachs von rund 24 Prozent innerhalb von zwei Tagen.

Aktuell rund 370 Mitarbeiter infiziert

Bei der Frage, wie der Erreger in die Heime kommt, könnten die Mitarbeiter eine wichtige Rolle spielen. Nach den Zahlen des Regierungspräsidiums sind derzeit (Stand: 4. November) über 370 Heimmitarbeiter als infiziert gemeldet, gut 20 Prozent mehr als noch vor zwei Tagen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Altenheime werden zu Corona-Hotspots

Altenheimbewohnerin in ihrem Zimmer
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Viele Heimbewohner sterben im Zusammenhang mit Covid-19. Seit Beginn der Pandemie hat das Regierungspräsidium 306 verstorbene Heimbewohner verzeichnet. Damit entfallen über 40 Prozent aller Corona-Toten in Hessen auf Einrichtungen der Altenhilfe.

Allein von Montag bis Mittwoch dieser Woche hat die Behörde 34 weitere Tote in Heimen gezählt, bei denen der Erreger nachgewiesen wurde.

Schnelltests gefordert

Die Landesseniorenvertretung in Hessen zeigt sich besorgt über die Entwicklung. Vorsitzende Helga Engelke fordert einen besseren Schutz von älteren Menschen, insbesondere von Heimbewohnern. Sie möchte, dass Heimmitarbeiter - genau wie Fußball-Bundesligaspieler - regelmäßig auf Covid-19 getestet werden, am besten mit Schnelltests. Damit kein infizierter Mitarbeiter den Erreger unbemerkt ins Heim trage.

Die Stadt Frankfurt arbeitet an solchen Testkonzepten. Die für Beschaffung zuständige Branddirektion sei schon beauftragt, tausende Schnelltests zu besorgen, heißt es aus dem Frankfurter Gesundheitsamt.

Angst vor Vereinsamung

Städte außerhalb Hessens gehen sogar noch weiter: So will Bremen kostenlos sogenannte FFP2-Masken an Ältere und Menschen mit Vorerkrankungen verteilen. Diese Masken sollen nicht nur die Umgebung, sondern auch den Maskenträger selbst vor Ansteckung schützen.

Für Seniorenvertreterin Engelke können solche Masken durchaus Teil eines Schutzkonzeptes sein - etwa, wenn ältere Menschen in Bus und Bahn oder im Supermarkt unterwegs seien. Auf jeden Fall müsse den Heimen mehr einfallen, als die Bewohner einzusperren und keinen Besuch mehr zuzulassen. Denn auch Vereinsamung könne Menschen krank machen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes schrieben wir, dass die Zahl der infizierten Altenheimbewohner innerhalb von zwei Tagen von 573 auf 666 stieg. Sie stieg aber von 538 auf 666. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 05.11.2020, 19.30 Uhr