Eschwege Impfzentrum

Unter dem Basketballkorb entsteht das Wartezimmer, überall wird noch gespachtelt: In Eschwege baut das THW unter Hochdruck eine Turnhalle in ein Impfzentrum um. Ein Werkstattbericht.

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In der Turnhalle des Oberstufengymnasiums in Eschwege spachteln Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) Gipsplatten zurecht. Sie bauen die Wände, die die sogenannten Impfstraßen begrenzen sollen. Möglichst bald soll hier die Massenimpfaktion gegen das Coronavirus anlaufen.

Sobald der Impfstoff da ist, würden in der Sporthalle rund 100 Menschen pro Stunde durchgeschleust, 1.000 am Tag, erklärt der Leiter des Katastrophenschutzes, Christian Sasse. Die Halle in der Werra-Meißner-Kreisstadt ist eines von 30 Impfzentren im Land. Die Landesregierung strebt an, dass sich wenigstens 60 bis 70 Prozent der rund 6,2 Millionen Hessen freiwillig impfen lassen - vermutlich jeweils zweimal binnen weniger Wochen.

Warten, zuhören, spritzen lassen, ruhen

Das Neonlicht in der Eschweger Turnhalle leuchtet jede Ecke der quadratisch aufgebauten Gipswände aus, die am Ende die zehn Impfstraßen bilden sollen. Jeder der provisorischen Gänge hat drei Abteile.

Wer zum Impfen aufgerufen wird, muss erst in den Wartebereich, bisher die Fläche unter einem der Basketballkörbe. Dann geht es in die erste Kabine zur Aufklärung, in die nächste zum Spritzen und dann fünf bis zehn Minuten in eine Ruhekabine unter Beobachtung von Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes.

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Wer den Impfstoff nicht verträgt, bekommt so gleich Hilfe. Die Ruhephase nach dem Impfen ist eine Vorsichtsmaßnahme und gilt auch für andere Impfungen, wie Sasse betont. Jeder Impfpatient brauche 15 bis 20 Minuten für den Durchlauf.

Suche nach Kühlschränken mit Schloss

Bis zum 11. Dezember soll die Turnhalle fertig sein, dann übernimmt sie das Deutsche Rote Kreuz. Für das Technische Hilfswerk eine Routineaufgabe, sagt Einsatzleiter Michael Kuß-Schönzart. Als 2015 in kurzer Zeit tausende Flüchtlinge versorgt werden mussten, habe das THW Erfahrungen mit dem Aufbau von provisorischen Räumen in Turnhallen gemacht.

Wände zu bauen sei deutlich einfacher als die geeigneten Kühlschränke für die Impfdosen zu finden, berichtet Kuß-Schönzart: Aktuell laufe im ganzen Land die Suche nach abschließbaren Kühlschränken, die auf die erforderlichen tiefen Temperaturen herunterkühlen könnten.

Der Biontech-Impfstoff etwa, der auch in Marburg produziert wird, muss bei minus 70 Grad transportiert und aufbewahrt werden, eine eiskalte logistische Herausforderung. Wenn der Impfstoff in der Eschweger Turnhalle angekommen sei, müssten die restlichen Dosen am Ende jedes Zehn-Stunden-Impftags an einen sicheren Ort gebracht werden, sagt Kuß-Schönzart, damit nichts gestohlen werde.

Rund 100.000 Menschen leben im Werra-Meißner-Kreis. Wann und wie sie zum Impfzentrum kommen können, ist noch nicht klar - derzeit legt das Land die Reihenfolge fest, wer wann geimpft werden soll. Klar scheint, dass zuerst die Risikogruppen und danach Menschen mit pflegerischen und systemrelevanten Berufen den Schutz erhalten. Menschen, die in Pflegeeinrichtungen leben, werden von mobilen Impfteams besucht.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 27.11.2020, 16.45 Uhr