Öffentliche Toilette U-Bahn Frankfurt
Kaum lesbar, aber immer noch aktuell: "Zweckfremde Benutzung, unberechtigter Aufenthalt und Sachbeschädigung werden... verfolgt". In den öffentlichen Toiletten an der Bockenheimer Warte und der Alten Oper trifft sich die "Cruising"-Szene. Bild © Tobias Lübben

Bei sexueller Belästigung denken wohl die meisten an die Belästigung von Frauen. Aber auch Männer fühlen sich manchmal sexuell belästigt - zum Beispiel auf einigen Herrentoiletten in der Frankfurter U-Bahn. Die werden auch als erotische Treffpunkte der "Cruising"-Szene genutzt.

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Pissoirs

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found "Cruising" verstört nichtsahnende Besucher öffentlicher Toiletten

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Wer die öffentlichen Toiletten in der Frankfurter U-Bahnstation Alte Oper eine Weile beobachtet, dem fällt auf: Die Damentoilette wird fast gar nicht genutzt, auf der Herrentoilette herrscht dagegen reger Betrieb. Männer kommen, Männer gehen, und viele bleiben länger, als es für das kleine oder große Geschäft nötig wäre. Ein Grund: Die Toilette ist ein Treffpunkt der sogenannten "Cruising"-Szene. Männer suchen dort erotische Begegnungen mit anderen Männern.

Auch Bertram H. (Name von der Redaktion geändert) nutzt die Toilette gelegentlich zu diesem Zweck. Er findet nichts dabei: "Es ist eine schnelle Nummer", sagt er. Das gebe es in Frankfurt seit Jahrzehnten auf öffentlichen Toiletten, früher sogar mehr als heute. Inzwischen seien viele Toiletten geschlossen oder bewacht, deshalb balle sich die Szene in wenigen U-Bahn-WC.

Verstörende Begegnung am Pissoir

Manche Toilettennutzer reagieren auf die Kontaktsuche am Pissoir allerdings regelrecht verstört. Bei hr-Interviews an der Alten Oper geben manche an, die Toilette deswegen zu meiden. Andere wissen nicht recht, wie ihnen geschieht. "Ich fühle mich dort seltsam", sagt ein Büroangestellter, der beschreibt, wie seine Nebenmänner am Pissoir seinen Intimbereich in den Blick nahmen und sich dabei befriedigten.

Ungefragtes Begaffen des Intimbereichs und Selbstbefriedigung sind im öffentlichen Raum nicht statthaft. Nach Auskunft der Polizei kommen zwei Straftatbestände in Betracht: Erregung öffentlichen Ärgernisses und sexuelle Belästigung.

Toiletten-"Cruiser" sieht erzieherische Wirkung

Toiletten-"Cruiser" Bertram H. räumt ein, dass dies auf manche störend wirkend kann. Er aber sieht in diesen sexuellen Belästigungen eine "erzieherische Wirkung" für die betroffenen Männer:

"Vielleicht fühlen sie dann mal, wie eine Frau sich fühlt, wenn die Männer ihr auf den Busen schauen." Der große Unterschied zur sexuellen Belästigung von Frauen sei: Niemand werde am Pissoir von kontaktsuchenden Männern angefasst und begrapscht.

Neun Fälle in diesem Jahr angezeigt

Zwar wurden in diesem Jahr bereits neun Fälle von sexuellen Handlungen auf öffentlichen Toiletten beim Ordnungsamt angezeigt aber der Polizei Frankfurt sind nach eigenen Angaben keine handfesten sexuellen Übergriffe durch Toiletten-"Cruiser" bekannt. Möglicherweise ist auch das ein Grund dafür, dass die "Cruising"-Szene in der öffentlichen Wahrnehmung kaum eine Rolle spielt.

Während der hr-Recherchen ließen auch zwei Streifen der Stadtpolizei das Treiben in der Männer-Toilette unbeachtet. Zuständig für die Überwachung der U-Bahntoiletten ist das Ordnungsamt. Und das wehrt sich gegen den Vorwurf der Untätigkeit: "Natürlich wird eine zweckwidrige Nutzung öffentlicher Toilettenanlagen von der Stadtpolizei des Ordnungsamtes nicht geduldet, sondern jeder Fall zur Anzeige gebracht." Wird ein Toiletten-Cruiser erwischt, droht ihm ein Bußgeld von 70 Euro plus 28,50 Euro Bearbeitungsgebühr.

Sendung: hr-iNFO, 26.07.2019, 9:29 Uhr