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Audioseite Darmstadt tritt wieder auf die Corona-Bremse

Zettel für die Gästeregistrierung liegen im Vordergrund auf einem Tisch in einem Café. Im Hintergrund ist - unscharf - die Bar und der Barmann zu sehen.

In der Ferienzeit steigt die Zahl der Corona-Infizierten in Hessen weiter an, vor allem in den Städten. Nun verschärft auch Darmstadt seine Regeln. OB Partsch sieht vor allem eine Gruppe von Reiserückkehrern in der Verantwortung.

15 neu registrierte Corona-Fälle alleine an diesem Sonntag, die Inzidenz der Neuentdeckungen pro 100.000 Einwohnern in einer Woche mit 49,4 nur noch minimal unter dem Schwellenmarke 50: Der Covid-19-Krisenstab von Darmstadt kam angesichts dieser Lage zu einer Sondersitzung zusammen. Er beschloss, mit weiteren Beschränkungen gegen eine erneute Ausbreitung der Infektion anzugehen.

Zunächst wird Stufe 1 des Hessischen Eskalationskonzeptes für Kommunen umgesetzt, wie Oberbürgermeister Jochen Partsch (Grüne) ankündigte. Die neuen Beschränkungen umfassen unter anderem eine Testpflicht für Kunden in der Innengastronomie sowie die Beschränkung von Teilnehmerzahlen bei Veranstaltungen. Sie gelten vom kommenden Dienstag, 17. August an.

Ursache laut OB "ganz klar"

"Leider machen die derzeit kontinuierlich steigenden Fallzahlen ein schnelles Handeln unbedingt notwendig", sagte Partsch. Ende vergangenen Woche hatte man zunächst von einer Verschärfung der Beschränkungen abgesehen. Da bestand noch Hoffnung, dass die Ansteckungen weitgehend auf Reiserückkehrer beschränkt bleiben. Nun habe sich aber eine "neue und kritischere Einschätzung der Situation" ergeben.

Die kontinuierliche Zunahme der Fälle macht nach Angaben des städtischen Gesundheitsamtes die Nachverfolgung der Kontakte und Infektionsketten wieder schwieriger. Zurückzuführen sei der Anstieg derzeit "ganz klar auf zum großen Teil ungeimpfter und infizierter Reiserückkehrer im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, insbesondere aus der Türkei", heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Tests, Quarantäne, Impfung

Das daraus resultierende diffuse Infektionsgeschehen in der Stadt betreffe ebenso vor allem nicht geimpfte Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren. Oberbürgermeister Partsch appelliert ausdrücklich an das Verantwortungsbewusstsein der Betroffenen: "Wer aus Risikogebieten zurück nach Darmstadt kommt, hat die Verpflichtung sich auch entsprechend vorsichtig zu verhalten. Dazu zählen Tests und Quarantäne und dazu zählt auch eine Impfung."

Die Stadtverwaltung will in den kommenden Wochen in "bestimmten Bevölkerungsgruppen und Communities" für Impfungen werben und niedrigschwellige Angebote machen. Denn mit den Corona-Ansteckungsfällen nehme auch die Belegung in den Krankenhäusern wieder zu.

Montag die nächste Sondersitzung

Auch das Klinikum rechne nun wieder mit steigenden Zahlen auf den Normal- und Intensivstationen. Derzeit ist die Lage noch vergleichsweise ruhig. Laut Stadt befinden sich auf Normal- und Intensivstation im Klinikum Darmstadt sechs und im Elisabethenstift vier Covid-19-Patienten. In den Kinderkliniken werde ein Patient behandelt.

Die Sorge, dass es nicht lange so bleibt, ist groß: Der Krisenstab kommt deshalb bereits am Montag erneut zu einer unplanmäßigen Sitzung zusammen. Denn Anfang der Woche dürfte die maßgebende 50er-Inzidenz überschritten werden. Dann dürften weitere Einschränkungen fällig sein.

Auch andere Städte und Kreise verschärfen Regeln

Darmstadt hat das Problem nicht exklusiv. Als erster Stadt in Hessen liegt die Inzidenz in Offenbach seit Donnerstag über der Marke 50. Seit diesem Sonntag gelten deshalb strengere Regeln. Um in den Innenbereich von Restaurants, in Theater, Museen oder Fitnessstudios zu dürfen, brauchen Kunden zum Beispiel wieder einen Negativtest oder einen Impf- oder Genesenen-Nachweis. Auch in Frankfurt wächst die Sorge angesichts einer Inzidenz von 49,8. Auch hier wurden die Regeln bereits verschärft.

Seit Samstag gelten wegen der gestiegenen Zahl an Neuinfektionen auch in der Stadt Wiesbaden, dem Kreis Offenbach und dem Main-Taunus-Kreis neue Corona-Maßnahmen: Die Sieben-Tage-Inzidenz in den zwei Kreisen und in der Landeshauptstadt hatte zuletzt mehrere Tage die 35er-Marke überschritten.

Sendung: hr-iNFO, 15.08.2021, 15 Uhr