Asgardia-Kongress in Darmstadt

Es geht um nichts weniger als um die Besiedlung des Weltraums: Drei Tage lang haben in Darmstadt "Asgardia"-Anhänger über dieses Ziel diskutiert. Ein Kongress rund um Weltraumstrahlung, Schutzkonzepte und Raumschiff-Design.

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Ein bisschen skurril mutet das Fernziel der Veranstalter schon an: Die Geburt des ersten Space-Babys in einem Raumschiff oder in einer Siedlung abseits der Erde. Hinter dieser Idee steckt Asgardia. Eine Organisation, die sich "The space nation" nennt und deren Kopf Igor Ashurbeyli ist, ein russischer Wissenschaftler und Geschäftsmann.

Vor zwei Jahren hat er Asgardia ausgerufen - als weltumfassende Nation ohne Territorium. Dafür aber inzwischen mit Regierung, Parlament und sogar eigener Verfassung. Darin steht unter anderem, dass im All der Frieden gesichert werden soll, gleiche Möglichkeiten für Asgardianer und Erdbewohner gelten sollten und die gesamte Menschheit geschützt werden muss. Außerdem gilt für die Asgardianer völlige Gleichberechtigung. Es gibt eine Flagge, eine Hymne und seit knapp zwei Jahren auch einen Satelliten im All. Nach Angaben der Organisation gibt es inzwischen mehr als eine Million Menschen, die Asgardia beigetreten sind.

Umzug nach Kritik von ESOC-Mitarbeitern

Leben im All funktioniert aber nicht einfach so: Es gibt Strahlung, Schwerelosigkeit, die Atmosphäre fehlt. Insgesamt scheint der Weltraum also eher lebensfeindlich. Aber auch etablierte Raumfahrtagenturen wie die NASA planen dauerhaft besetzte Stationen auf dem Mond. Geforscht wird dazu seit Jahren. Und viele dieser Wissenschaftler waren auch beim Kongress in Darmstadt, um über ihren aktuellen Forschungsstand zu berichten: Was passiert im All mit menschlichen Knochen, was mit dem Gehirn? Wie kann man künstliche Gravitation herstellen, wie reagiert der Körper darauf? Es ging um Design-Konzepte für Raumschiffe, um Weltraumarchitektur und Weltraumrecht.

Die Forscher, in der Regel keine Asgardianer, kommen aus seriösen und renommierten Einrichtungen aus der ganzen Welt: von Universitäten, der Gesellschaft für Schwerionenforschung oder der Deutschen Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt. Und wie es aus Kreisen der Europäischen Raumfahrtagentur heißt, hätte der Kongress auch fast auf dem Gelände des Europäischen Raumfahrtkontrollzentrums ESOC in Darmstadt stattgefunden. Zumindest hatte das ESOC-Leiter Rolf Densing geplant. Weil Mitarbeiter aber Kritik geäußert hatten, ist die Konferenz dann doch in ein nahe gelegenes Kongress-Hotel umgezogen.

Forscherdrang in der DNA

Bleibt die generelle Frage: Wozu der ganze Aufwand? Auf unserer Erde ist es doch im Vergleich zum All ganz schön? Floris Wuyts, der Organisator des Kongresses hat darauf eine klare Antwort: "Wir werden den Weltraum erforschen, wie wir vor vielen hundert Jahren die Kontinente entdeckt haben. Das ist menschliches Verhalten, Forscherdrang steckt einfach in unserer DNA. Überlegen Sie sich, wohin Ihre Großeltern in den Urlaub gefahren sind und was für Sie heute normal ist. Vielleicht machen wir in 100 Jahren Urlaub auf dem Mond?“

Sendung: hr-fernsehen, maintower, 16.10.2019, 18 Uhr