Miljenko Mrkonjic hilft krebskranken Kindern

Als Jugendlicher erkrankte Miljenko Mrkjonjic schwer an Krebs. Ärzte in Frankfurt retteten sein Leben. Jetzt - zehn Jahre später - geht der Darmstädter Student auf eine lange Fahrradtour, um Spenden für krebskranke Kinder zu sammeln. Was ihn bewegt, erklärt er im Interview.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Darmstädter Student radelt für krebskranke Kinder nach Kroatien

1.500 Kilometer, in 11-14 Etappen
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Mit 16 Jahren erkrankte Miljenko Mrkjonjic an Lymphknotenkrebs. Nach einem Jahr Behandlung - Chemotherapie, Bestrahlung und Reha - konnte er wieder in die Schule gehen. Inzwischen ist der 26-Jährige gesund und studiert Medizintechnik.

Jetzt will der Darmstädter Student anderen Betroffenen Mut machen und während einer zweiwöchigen Radtour nach Kroatien Spendengelder sammeln. Unter dem Titel "Werideagainstcancer" (Wir fahren gegen den Krebs) startet er am 4. Oktober mit zwei Freunden eine rund zweiwöchige Radtour nach Imotski (Kroatien). Weil Miljenkos Eltern aus Kroatien kommen und er sich mit beiden Ländern tief verbunden fühlt, spendet er die gesamten Erlöse an Initiativen in Deutschland und Kroatien. Uneigennützig zu helfen sei schon immer ein großer Traum von ihm gewesen, so der 26-Jährige. Während der Corona-Einschränkungen habe er immer intensiver trainiert und sich getraut, seine Idee in die Öffentlichkeit zu tragen.

Im hessenschau.de-Interview erklärt Miljenko Mrkjonjic, wie er seine Krankheit überwand, an wen die Spenden gehen sollen und wie er sich auf die Reise vorbereitet hat.

hessenschau.de: Sie haben als 16-Jähriger Lymphknotenkrebs überlebt, wie haben Sie die Krankheit erlebt?

Miljenko Mrkjonjic: Ich hatte damals geschwollene Lymphknoten. Die Ärzte dachten zuerst, das sei Mumps oder eine Infektion und haben mir ein Antibiotikum gegeben. Auf das Antibiotikum habe ich zum Glück allergisch reagiert und kam ins Krankenhaus. Dort hat ein Arzt eine Gewebeprobe genommen und das Hodgkin-Lymphom festgestellt. Dann ging alles ganz schnell: Ich kam in eine Kinderkrebsstation nach Frankfurt-Niederrad, wurde bestrahlt, bekam Chemo, fiel ein Jahr vom Schulunterricht aus und wurde zu Hause und im Krankenhaus unterrichtet. Am Ende musste ich auch zur Reha in den Schwarzwald.

hessenschau.de: Haben Sie damals an eine Heilung geglaubt?

Miljenko Mrkjonjic: Ein direkter Schock war die Diagnose damals für mich nicht, weil ich mit 16 die Welt mit anderen Augen gesehen habe und die Überlebenschancen relativ gut waren. Aber meiner Familie gingen natürlich negative Gedanken durch den Kopf. Ich selbst habe aber nie daran gedacht, dass was schief gehen könnte. Ich war psychisch sehr stabil und habe immer daran geglaubt, wenn die Chemoblocks vorbei sind, dann bin ich wieder gesund. Meine positive Art hat mir im Endeffekt geholfen und so ist es auch gekommen und jetzt will ich helfen, dass andere den gleichen Weg gehen können.

hessenschau.de: An wen gehen die Spenden?

Miljenko Mrkjonjic: Vor allem bei Kinderkrebs ist nie nur der Patient betroffen, sondern die ganze Familie. Die Eltern sind da und betreuen einen während der Therapien. Wenn sie berufstätig sind, können sie nicht zur Arbeit. Da können Familien schnell in finanzielle Not kommen. Meine gesamten Spenden gehen zur einen Hälfte an den Verein "Hilfe für krebskranke Kinder e.V.". Dort wird ein Ansatz verfolgt, der mich sehr überzeugt und "Helfen-Heilen-und Forschen" lautet.

Der Verein arbeitet eng mit dem Uniklikum Frankfurt zusammen und der Frankfurter Stiftung für krebskranke Kinder. Außerdem wird viel für Forschung getan. Der andere Teil meiner Spenden geht an einen kroatischen Verein in Split, der sich um krebskranke Kinder und ihre Familien kümmert. Dort gibt es zum Beispiel mehrere Wohnkomplexe in denen die Eltern kostenlos unterkommen, wenn Kinder in Behandlung sind. Ich hab derzeit keine Sponsoren, die Spenden sammle ich ich gemeinnützig über eine Online-Website.

hessenschau.de: Wie haben Sie sich auf die Tour vorbereitet?

Miljenko Mrkjonjic: Ich studiere eigentlich Medizintechnik, hab mich aber währenddessen ein halbes Jahr lange auf verschiedene Arten vorbereitet. Prinzipiell bin ich so oft wie möglich Rad gefahren, vor allem auf den Feldberg und habe Ausdauersport gemacht. Zwei Freunde begleiten mich auf der Tour. Wir wollen die 1.500 Kilometer in 11-14 Tagen schaffen und jeden Tag bis zu 150 Kilometer fahren. Wir haben ein Zelt dabei und übernachten vielleicht auch in Ferienwohnungen. Imotski in Kroatien ist unser Ziel, dort ist mein Vater geboren. Jetzt hoffen wir nur noch, dass uns Corona keinen Strich durch die Rechnung macht.

Weitere Informationen

Krebskranke Kinder in Hessen

Nach Angaben des Deutschen Kinderkrebsregisters in Mainz erkranken jährlich rund 1.800 Kinder und Jugendliche unter 15 an Krebs. Die häufigsten Krebserkrankungen sind demnach Leukämien, Tumore am Zentralnervensystem und Lymphome. Für an Krebs erkrankte Kinder in Hessen liegen laut dem Sozialministerium keine umfassenden Daten vor, da Meldepflicht für Krebserkrankungen an das Hessische Krebsregister zurzeit nur für Erwachsene besteht. Laut den Daten der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen waren in Hessen zuletzt 1.855 Kinder und Jugendliche an Krebs erkrankt, die über eine gesetzliche Krankenkasse versichert waren.

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Das Gespräch führte Anna Dangel.


Sendung: hr4, 28.09.2020, 12:15 Uhr