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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Michaela Willhardt: "Fühle mich oft müde und abgeschlagen"

Michaela Willhardt mit Immundeffekt

Die Blutplasmazentren in Hessen suchen gerade in Coronazeiten nach Spendern. Warum das unter Umständen überlebenswichtig ist, weiß Michaela Willhardt. Sie leidet an einem seltenen Immundefekt, der sie fast das Leben kostete.

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Michaela Willhardt mit Immundeffekt
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Vor 18 Jahren fängt alles an. Viele Tage kämpft Michaela Willhardt aus Bebra (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) mit starken Kopfschmerzen. Bei dem Einkauf im Supermarkt kippt sie schließlich um. Im Krankenhaus stellen die Ärzte fest, dass mit ihrem Blut etwas nicht stimmt. Sie vermuten Leukämie. Mit Kortison bekommt Michaela Willhardt die Beschwerden zunächst in den Griff.

Doch über Jahre häufen sich ihre Krankheiten: Darmbeschwerden, Lungenentzündungen, Gelenkprobleme, Erkältungen, Bindehautentzündungen. Die Liste wird immer länger. 20 Ärzte sucht sie in der Zeit auf. Ernst genommen fühlt sie sich oft nicht.

Zusätzlich nimmt sie immer mehr ab, wiegt schließlich nur noch 48 Kilogramm bei einer Größe von 1,72 Meter. "Mir ging es wirklich schlecht. Ich hab' gedacht, ich mach nicht mehr lang", sagt Willhardt.

Nur noch Haut und Knochen

Sie ist verzweifelt. Deshalb sucht sie im Oktober 2014 einen weiteren Arzt auf, dieses Mal in Mainz. "Ich war nur noch Haut und Knochen", erinnert sie sich. Der Arzt kann ihr tatsächlich helfen. Nach über 13 Jahren erfährt die damals 41-Jährige ihre finale Diagnose: CVID, das Variable Immundefektsyndrom - ein angeborener Immundefekt, bei dem das Blut nur wenige oder gar keine Antikörper enthält. Betroffene leiden unter einer hohen Infektionsgefahr.

Die Krankheit ist selten und tritt bei etwa einem von 25.000 Menschen auf. In Deutschland gibt es zwischen 5.000 und 6.000 diagnostizierte Fälle eines angeborenen Immundefekts. Die Dunkelziffer ist nach Informationen der Patientenorganisation dsai aber um einiges höher. Das Medikament, das Michaela Willhardt und viele andere nach ihrer Diagnose erhalten, besteht aus Blutplasma.

Logistische Herausforderung

Das Problem: In der Coronazeit geht die Zahl der Blutplasmaspender in manchen Regionen zurück. So beklagt das CSL Plasma Center in Frankfurt einen Rückgang von ungefähr 300 Spenden pro Monat. Ansonsten bekomme das Center ungefähr 3.000 Spenden. "Wir waren auch vorher stetig auf der Suche nach Spendern, aber die Corona-Situation hat das Ganze verschärft", sagt Aleksandr Fabian vom CLS Plasma Center.

Die Spendenbereitschaft sei zurückgegangen, auch bei den Stammspendern. Menschen mit einem Immundefekt seien auf durchschnittlich 130 Spenden im Jahr angewiesen. "Die Spenden reichen dann einfach nicht", sagt Fabian. Fast 500 Spender monatlich könnte das Center zusätzlich gebrauchen. Neben angeborenen Krankheiten wie dem Immundefekt, werde das Plasma für die Intensivmedizin und Impfstoffe verwendet.

Engpässe noch unklar

Laut der zuständigen Bundesoberbehörde für Blutzubereitungen, dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI), ist die grundsätzliche Spendenbereitschaft in der Bevölkerung deutschlandweit weiterhin gut. Ein größeres Problem stelle die logistische Lage bei der Blutspende dar. Durch die getroffenen Hygiene- und Schutzmaßnahmen würden sich die Spendenvorgänge verlangsamen. Darunter könne dann auch die Versorgung leiden, vor allem in Regionen mit hohen Infektionszahlen wie Frankfurt und Offenbach.

Ob es zu Engpässen bei Medikamenten kommen könnte, sei jetzt noch unklar. "Wir werden die Auswirkungen erst zeitverzögert merken", sagt Fabian vom CSL Plasma Center. Denn die Produktionszeit der Medikamente dauere zwischen sieben und zwölf Monaten.

Auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in Hessen ist auf Blutspenden angewiesen. Anders als kommerzielle Anbieter wie das CSL Plasma Center, führe das DRK in Hessen nur Vollblutspenden durch, sagt DRK-Pressesprecher Eberhard Weck.

Vollblut oder Blutplasma?

Der Unterschied: Bei einer Vollblutspende wird das Blut erst nach der Spende in seine Bestandteile aufgetrennt und weiterverarbeitet. Die eigentliche Spende dauert ungefähr zehn Minuten. Bei einer Blutplasmaspende wird nur das separierte Blutplasma behalten. Die restlichen Blutbestandteile gelangen zurück in den Körper. Diese Spende nimmt bis zu 45 Minuten in Anspruch.

Gefrorenes Blutplasma

Da dem Körper bei der Plasmaspende lediglich das Plasma entnommen wird, kann sich dieser davon deutlich schneller erholen als von einer Vollblutspende. Deshalb darf die Plasmaspende auch ungefähr zehn Mal so häufig durchgeführt werden. Eine Vollblutspende dürfen, nach Informationen des DRK, Männer sechsmal jährlich und Frauen vier- bis fünfmal jährlich machen. Plasma spenden können Menschen in Deutschland bis zu 60 Mal im Jahr.

"Blutplasma wird dringend benötigt, um Medikamente herzustellen, die für Therapien wichtig sind", sagt DRK-Pressesprecher Eberhard Weck. Das DRK gebe seine Blutspenden aber in erster Linie an Krankenhäuser ab. Nur die nicht-benötigten Spenden würden an pharmazeutische Unternehmen verteilt werden, um Medikamente herzustellen.

"Manchmal habe ich einfach keine Energie"

Michaela Willhardt ist durch ihren Immundefekt im Alltag teilweise eingeschränkt. Ab und an noch sitze sie stundenlang auf der Toilette, habe entzündete Augen und fühle sich ausgelaugt. "Ich habe Tage, da lege ich mich einfach aufs Sofa", sagt die 46-Jährige.

Zuhause gibt es klare Regeln: Schuhe ausziehen und Händewaschen. Außerdem muss die ganze Familie ihre Kleidung wechseln, wenn sie das Haus betritt. Daran muss sich auch ihr neunjähriger Sohn halten. "Der sagt schon, wenn wir Besuch bekommen: 'Kannst du dir bitte die Hände waschen? Mama hat einen Immundefekt'", erzählt Michaela Willhardt.

Trotz der bestehenden Beschwerden - das Medikament habe ihr ein neues Lebensgefühl gegeben. "Dank der Medikamente aus Plasma lässt es sich mit der Krankheit leben", sagt sie. Sie sei dankbar für die Menschen, die spenden gehen.