Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Keine Prüfung für Fahrschüler

Sujetbild Fahrschule

Wer derzeit in Hessen den Führerschein macht, braucht Geduld. Es gibt weniger Termine für die praktische Prüfung als benötigt. Das hat mehrere Gründe; einer davon ist Corona.

Pünktlich zum 16. Geburtstag sollte es losgehen - eigentlich. Jonas Brähler aus Eiterfeld (Fulda) ist begeistert von Motorrädern. Er wollte seinen Führerschein machen und fing deswegen schon mit 15 Jahren an, Fahrstunden zu nehmen und für den Schein zu sparen. Anders als in anderen Bundesländern waren die Fahrschulen im vergangenen Lockdown in Hessen auch nicht geschlossen.

Doch aus dem "Geburtstagsgeschenk" wurde erst mal nichts. Der Prüftermin musste über den Geburtstag hinaus verschoben werden. Das hatte nicht nur Auswirkungen auf die Vorfreude: Um sein erworbenes Wissen nicht zu verlernen, musste er Extra-Fahrstunden nehmen, erzählt Brähler. "Das hat am Ende auch mehr gekostet - ich denke so 400 Euro." Viel Geld für einen Jugendlichen. So wie ihm geht es derzeit vielen Fahrschülern in Hessen. Sie müssen auf die Prüfung länger warten, als gedacht.

"Bugwelle an nicht durchgeführten Prüfungen"

Einer der Gründe für die Verschiebung: Um die hohen Unfallzahlen bei Fahranfängern zu verringern, wurden zu Jahresbeginn die Prüfzeiten im praktischen Teil erhöht. Statt 45 Minuten dauern sie wie in Jonas' Fall nun 70 Minuten. Und je länger die Fahrzeit ist, desto weniger Prüfungen kann der TÜV am Tag durchführen. Die Folge: Prüfungs-Stau. "Alle nachfolgenden Fahrschüler müssen jetzt auch auf ihre Prüfungen warten", sagt Fahrlehrer Markus Mihm aus Bad Hersfeld.

Zahlen zu betroffenen Fahrschülern will der TÜV auf hr-Anfrage nicht nennen. Nur so viel: Es habe sich in der Tat ein Rückstau gebildet, der seit "einigen Wochen, aber und nur in einzelnen Regionen" des Landes bestehe.

Das sieht die hessische Fahrlehrervereinigung etwas anders: "Der TÜV versucht jetzt, die Prüfer mit 125 Prozent Leistung laufen zu lassen", sagt Markus Mihm, stellvertretender Vorsitzender. Und doch kriege der TÜV die "Bugwelle an nicht durchgeführten Prüfungen" nicht abgebaut, um die drei Wochen müssten die Prüflinge durchschnittlich warten, sagt Mihm.

Rhein-Main: Wartezeiten bis in den Herbst

Besonders eng ist es im Rhein-Main-Gebiet. Dort stellen sich Fahrschulen auf Wartezeiten bis in den Herbst ein. Eine Fahrschule aus Frankfurt, die ihren Namen nicht hier lesen will, bestätigt das. Sie berichtet auf hr-Anfrage, dass sie 20 Prüflinge angemeldet, aber nur eine Zusage bekommen habe.

Ähnliches ist aus dem Raum Darmstadt zu hören. "Wir haben für die Kalenderwoche 26 neun Prüfungen beantragt - und diese wurden auf zwei für uns heruntergekürzt", berichtet Claus Reibold von der Fahrschule Reibold. "Der TÜV gab mir die Auskunft, dass diese Probleme noch das ganze Jahr andauern werden. Wir sprechen da von zwei, drei Monaten, bis die Prüflinge ihre praktischen Prüfungen ablegen können."

Eine Fahrschule aus Kassel ergänzt: "Es liegt nicht nur am TÜV, sondern auch an den Prüflingen selbst, weil sie Corona-bedingt Schwierigkeiten bei der Abgabe der erforderlichen Papiere haben. Passbilder, Erste-Hilfe-Kurs - das dauert in Corona-Zeiten alles länger."

Umplanungen nach Corona-Infektion

Stichwort Corona: Nach Angaben des TÜVs liegt da tatsächlich ein weiterer Grund für den Stau. Erst vor einigen Tagen habe ein Fahrlehrer Corona-Symptome entwickelt und sei dann positiv getestet worden, berichtet der TÜV in seiner Stellungnahme. "Dies waren dann, vom einen Tag auf den anderen, 30 Prüftage die umgeplant werden mussten.” Zu alldem komme die "saisonbedingte Zunahme an Zweiradanmeldungen."

Die Prüfer versuchten, dem Stau mit Sonderschichten oder Urlaubsverzicht beizukommen, wirbt der TÜV um Verständnis. Doch nach monatelangem Warten wollen das nicht mehr alle Fahrschulen aufbringen.

Die hessische Fahrlehrervereinigung fordert mehr Personal und mehr zugelassene Prüforganisationen - bislang liegt das Monopol beim TÜV. "Die mittelfristige Lösung muss lauten, dass wir eine zweite Prüforganisation zur Unterstützung und Entlastung des TÜV kriegen", sagt Mihm. Nur durch mehr Wettbewerb werde sich etwas ändern. Da dieser nicht in Sicht ist, heißt es für die Fahrschüler vermutlich erst einmal weiter warten.

Weitere Informationen Ende der weiteren Informationen