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Audioseite Aus Grau mach Rosa: Marburger Elisabethkirche wird saniert

Elisabethkirche Marburg von außen

Die wichtigste evangelische Kirche Hessens ist in die Jahre gekommen, eine Sanierung gab es seit 80 Jahren nicht. Nun erhält sie im Inneren eine neue Farbe. Korrigiert werden Fehler aus der Bauhaus-Zeit.

In Marburg steht mit der Elisabethkirche die älteste rein gotische Kirche Deutschlands. Ein einmaliges Bauwerk. Doch Architekturfans kommen derzeit wenig auf ihre Kosten. Der Innenraum ist düster, die steinernen Wände stehen bräunlich und fleckig. Zuletzt bröckelte auch noch der Putz von der Decke, wie Anne Kuppe aus dem Kirchenvorstand bei einem Rundgang zeigt. "Ein eindeutiges Zeichen, dass die Sanierung losgehen muss."

Die Vorbereitungen dafür laufen. Seit 20. September sind die Gerüstbauer am Werk, um eine der umfassendsten Sanierungsarbeiten an der Pilgerstätte der heiligen Elisabeth seit mehr als 80 Jahren vorzubereiten. Die Gräber der hessischen Landgrafen sind schon in Spanplatten eingekleidet. Ende des Jahres geht es dann richtig los. Rund sieben Millionen Euro gibt das Land dafür aus. 

Besucher stehen vor einem Schrein. Während der Großteil der Kirche düster ist, gibt es neben den Menschen bereits einen hellen, pinken Farbstreifen

Marburger sind teils noch skeptisch

Die evangelische Kirche im Herzen Marburgs wird nicht nur wieder in Schuss gebracht, sie wird auch: rosa. Beziehungsweise hellrot - oder pink, je nachdem, wen man fragt. Die düsteren Steinfassaden im Inneren der Kirche sollen jedenfalls passé sein. Dazu kommen weiße Fugen.

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Hl. Elisabeth

Die evangelische Elisabethkirche in Marburg wurde 1235 bis 1283 über dem Grab der Hl. Elisabeth erbaut. Sie gilt als einer der bedeutendsten Wallfahrtsorte Deutschlands.
Elisabeth von Thüringen machte sich zu Lebzeiten einen Namen als Helferin von Kranken und Armen, unter anderem gründete sie Hospitäler und stieß Speisungen von Hungernden an. An ihrer Grabstätte sollen sich Wunderheilungen ereignet haben.

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Eine pinke Kirche? Dieses Signalwort löste bei einigen Marburgerinnen und Marburgern Skepsis aus. Eine kurze hr-Umfrage in der Stadt zeigt: So ganz vorstellen können sich das vor Ort noch nicht alle. "Pink, das muss nicht sein", sagt eine Frau dem hr, während sie aus der Kirche geht. Ein weiterer Kirchenbesucher ist aufgeschlossener. Er nahm gerade an einer Führung teil, in der es auch um die Sanierung ging. Er sagt: "Dann wird es freundlicher. Das finde ich sehr gut."

Links die fleckigen Steine jetzt in der Elisabethkirche, rechts der helle Rosaton, der bald an alle Wände kommt

Nicht ganz der ursprüngliche Farbton

Tatsächlich werden die Innenwände der Kirche nicht pink gestrichen, sondern in einem deutlich weniger kräftigen, zarten Rosa - aber warum? Dafür hat Bernhard Buchstab vom Landesamt für Denkmalpflege eine einfache Erklärung parat: "Den Farbton hatte die Kirche ganz ursprünglich einmal gehabt." Im Mittelalter sei bei Kirchen Rosa oder Hellrot ein sehr beliebter und gängiger Ton gewesen, sagt Buchstab.

Dass überhaupt Leute argwöhnen, die berühmte Kirche solle pink werden, liegt am evangelischen Dekan des Kirchenkreises Marburg, Burghard zur Nieden, der zuerst davon gesprochen hat. In der ersten Zeit nach Erbauung der Kirche im Mittelalter leuchteten die Wände wohl auch in diesem kräftigen Ton, der freilich nach Jahren verblasste. Vielleicht auch um Skeptikern den Wind aus den Segeln zu nehmen, hat man sich nun dann gleich für Rosa entschieden. "Wir wollen hier nicht den Eindruck erwecken, als wären wir ein Disneyland", sagt zur Nieden.

Dekan: "Ich liebe es jetzt schon"

Historisch gedeckt ist die Entscheidung für den helleren Ton trotzdem. Die Farben im Mittelalter waren nicht farbecht und verblassten schnell, erklärt Denkmalexperte Buchstab. Er hebt die Vorteile der Sanierung hervor: "Es wird viel heller werden als bisher. Und diese Gestaltung entsprach der Idee der Erbauer." Auch die bunten Kirchenfenster würden durch die Farbe besser zu Geltung kommen, verspricht er.

Die Gräber der hessischen Landgrafen - in Spanplatten verpackt für die Sanierungsarbeiten

Burghard zur Nieden ist jedenfalls schon restlos begeistert: "Ich liebe es jetzt schon", sagt er freudestrahlend: "Es wird hell sein, freundlicher, viel offener, noch lebendiger."

Düsterkeit kam zur Bauhaus-Zeit

Schuld an dem aktuell düsteren Erscheinungsbild der Kirche haben übrigens ausgerechnet die sonst so geschätzten Bauhaus-Architekten. "Sie wollten den ursprünglichen gotischen Kern der Kirche herausarbeiten und dachten, dass dazu auch gehört, dass man die nackten Steine sieht", erklärt Buchstab. Dumm nur, dass die Kirche für diese Steinsichtigkeit nie konstruiert war. Im Zuge der brachialen Bürstenaktion in den 1930er Jahren kamen graue Steine zum Vorschein. Sie wurden mit einer Lasur übertüncht.

Drei Jahre soll die Sanierung dauern. Einen ersten Eindruck von der neuen Wandfarbe können Besucherinnen und Besucher schon vorher bekommen: Die Kirche soll während der Malerarbeiten die ganze Zeit offen bleiben, auch die Gottesdienste finden weiter statt.

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