Welt-Aids-Konferenz 2018

Die Corona-Pandemie hat Aids in den Hintergrund gedrängt. Doch es gibt wieder mehr HIV-Neuinfektionen, vor allem bei Heterosexuellen. Ein Mitarbeiter der Aidshilfe Frankfurt erklärt, woran das liegt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kampf gegen Aids ist schwierig in Corona-Zeiten

Der Schriftzug "Gib Aids keine Chance", umgeben von Aids-Schleifen
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Carsten Gehrig arbeitet im Fachbereich Psychosoziales und Prävention der Aidshilfe in Frankfurt. Er könne nicht verstehen, dass viele Aids immer noch als eine "Schwulenkrankheit" ansähen, sagt er. Jeder Mensch mit einem aktiven Sexualleben sei potenziell von der Krankheit bedroht, nicht nur Homosexuelle. Auffällig im Coronajahr 2020 sei gerade, dass die Zahl der Neuinfektionen bei Heterosexuellen gestiegen sei, sagt der Experte anlässlich des Welt-Aids-Tags, den die Weltgesundheitsorganisation auf den 1. Dezember gelegt hat.

Zwar hat das Robert-Koch-Institut für dieses Jahr für Hessen noch keine Zahlen veröffentlicht. Doch aus einer Antwort auf eine Anfrage der SPD-Landtagsfraktion geht hervor, dass bis Mitte Juli knapp 100 HIV-Neuinfektionen registriert wurden. Schon 2019 stiegen laut RKI die Zahlen auf 220, nachdem es im Jahr zuvor 190 waren.

Schneller Sex statt Social Distancing

Gehrig führt das auf die Zunahme von HIV bei Heterosexuellen zurück. Die Tendenz gehe auch für dieses Jahr nach oben. Grund dafür könnten Dating-Apps für schnellen, unverbindlichen Sex sein, sagt der Mitarbeiter der Aidshilfe.

Mitarbeiter der Aidshilfe Frankfurt

Dabei sei Social Distancing nicht möglich, und auch auf Verhütung werde offenkundig weniger geachtet, sagt Gehrig: "Wir bei der Aidshilfe kriegen Lebensrealitäten mit: Sex findet auch in der Pandemie oft anonym statt,  weil man sich vor dem Freundeskreis nicht als Single outen will, der Lust auf Sex hat." Mit dem entsprechenden Risiko einer HIV-Infektion.

Hoffnung auf Depotspritzen

Womöglich ist Aids auch nicht mehr das Schreckgespenst, das es einmal war. Zwar ist die Krankheit noch immer nicht heilbar, und auch einen Impfstoff gibt es nicht. Doch während die Immunschwächekrankheit in den 1980er und 1990er Jahren praktisch immer tödlich verlief, haben Forschung und Pharmaindustrie das HI-Virus inzwischen gut im Griff.

Bei der Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) erlaubt es die sogenannte Pille davor HIV-negativen Menschen, mit Infizierten Sex ohne Kondom zu haben, ohne sich selbst anzustecken. Gehrig ist guter Dinge, dass es in den nächsten zwei Jahren Depotspritzen geben werde, die eine Prophylaxe für zwei Monate leisten. Auch bei der Therapie von Erkrankten gab es massive Fortschritte, so dass Infizierte lange mit HIV leben können.

Weniger Aufklärung wegen Corona

Zu schaffen macht der Aidshilfe die alles bestimmende Pandemie dieses Jahres, Corona. So sagt es zumindest Carsten Gehrig. Die Aidshilfe habe sich der Aufklärung und Präventionsarbeit verschrieben, das sei in persönlichen Gesprächen in diesem Jahr kaum möglich gewesen. 

"Dadurch, dass Corona so im Vordergrund steht, ist die Aufmerksamkeit natürlich noch mehr zurückgegangen", bedauert Gehrig. Die Aidshilfe habe auch keine Veranstaltungen durchführen können.

Hinzu komme, dass viele Spenden ausblieben, sagt der Mitarbeiter der Aidshilfe. Zwar förderten Land und Stadt den Verein, doch zu einem großen Teil sei man auf Spenden angewiesen. "Deswegen ist es für uns auch ein sehr, sehr schwieriges Jahr mit Corona", sagt Gehrig.

Sendung: YOU FM, 01.12.2020, 8.20 Uhr