Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Programm des 3. Ökumenischen Kirchentags

Eine Frau steht auf einem überdimensionalen Stuhl, welcher an einem überdimensionalen Tisch platziert ist. Das Ensemble ist von unten fotografiert, so dass neben der Frau der ein Kirchturm und die Spitzen einiger Hochhäuser zu sehen sind.

Geplant war ein spirituelles Volksfest mit zehntausenden Teilnehmern und rund 2.000 Veranstaltungen. Coronabedingt kommt der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt jedoch deutlich abgespeckt daher. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt, globale Verantwortung und der Glaube sollen im Zentrum des 3. Ökumenischen Kirchentags in Frankfurt stehen. Wegen der Corona-Pandemie findet er vom 13. bis 16. Mai fast ausschließlich digital und dezentral statt.


Worum geht es beim 3. Ökumenischen Kirchentag?

Veranstaltet vom Deutschen Evangelischen Kirchentag und dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken, ist der Ökumenische Kirchentag in Frankfurt mit dem biblischen Leitwort "Schaut hin" überschrieben. Katholiken und Protestanten wollen auf dem Kirchentag deutlich machen, dass sie sich um den Zusammenhalt der Gesellschaft, um soziale Gerechtigkeit und weltweite Solidarität kümmern, wie der Limburger Bischof Georg Bätzing erläutert, der auch Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz ist. Außerdem wollten die Kirchen das Signal aussenden, "dass sie für ein Gottes- und Menschenbild einstehen, das wichtig für die aktuellen Debatten ist".

Kirchenpräsident Volker Jung von der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau (EKHN) sagt, gerade jetzt brauche es Gelegenheiten, um hochrelevante Themen zu diskutieren. Er nennt etwa die Auswirkungen der Pandemie, den Klimawandel und die Veränderungsprozesse in den Kirchen. Außerdem gebe es bei vielen Menschen den Wunsch nach seelischer Stärkung und geistlicher Orientierung.

Wie läuft der Kirchentag ab, wenn sich große Versammlungen wegen Corona verbieten?

Am ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin 2003 hatten mehr als 200.000 Menschen teilgenommen, beim zweiten in München 2010 waren es mehr als 130.000. Wegen der Pandemie hat der Kirchentag für Frankfurt in diesem Jahr eine weitgehend neue Programmstruktur entwickelt. Es wird einen zentralen Livestream, ein Kirchentagsstudio, Workshops und On-Demand-Angebote geben.

Statt der ursprünglich geplanten mehr als 2.000 Veranstaltungen sind nun etwa 80 geplant, beginnend an Christi Himmelfahrt bis zum darauffolgenden Sonntag. Das digitale Programm ist hier einsehbar und ebenfalls in der kostenlosen ÖKT-App verfügbar. Alle Videostreams können ohne vorherige Anmeldung kostenlos abgerufen werden. Menschen aus der Region können an einzelnen Gottesdiensten teilnehmen, soweit es die Corona-Auflagen erlauben.

Die einzigen Veranstaltungen, die wie bislang geplant mit Teilnehmern stattfinden, sind die konfessionellen Gottesdienste am Samstagabend und der Abschlussgottesdienst am Sonntag. Alle anderen Veranstaltungen finden ohne Publikum vor Ort statt. Pfarreien und Gemeinden, Vereine, Verbände und andere Institutionen sind eingeladen, den Kirchentag am jeweiligen Heimatort mit eigenen Angeboten zu feiern.

Weitere Informationen

Eröffnungsgottesdienst

Das hr-fernsehen und Das Erste übertragen den Eröffnungsgottesdienst zum 3. Ökumenischen Kirchentag von einer Dachterrasse inmitten der Frankfurter Skyline am 13. Mai (Christi Himmelfahrt) um 10 Uhr. hessenschau.de zeigt ihn im Livestream.

Ende der weiteren Informationen

Kirchentage sind normalerweise große, spirituelle und intellektuelle Volksfeste. Kann das digital klappen?

Den Kirchentag ganz abzusagen, "wäre in mehrfacher Hinsicht eine Kapitulation vor großen Herausforderungen", findet Kirchenpräsident Jung. Trotzdem sehe er der ursprünglich mit mehreren zehntausend Teilnehmerinnen und Teilnehmern geplanten Veranstaltung mit gemischten Gefühlen entgegen, etwa was die digitale Beteiligung angehe. Bischof Bätzing sagt, obwohl der Kirchentag fast ausschließlich im Netz stattfinden müsse, solle von ihm die Botschaft ausgehen, "dass wir als Christinnen und Christen gemeinsam die Welt gestalten und zusammenstehen".

Welche Politiker und Prominenten treten bei den Diskussionsrunden auf?

Am 3. Ökumenischen Kirchentag werden etliche Spitzenpolitikerinnen und -politiker teilnehmen. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht am 16. Mai vor dem Open-Air-Schlussgottesdienst auf der Weseler Werft am Frankfurter Mainufer vor Ort. Steinmeier will auch gemeinsam mit Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Frankfurts Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei der Festveranstaltung am 14. Mai auftreten.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) diskutiert mit der "Fridays for Future"-Aktivistin Luisa Neubauer und anderen über den Klimaschutz. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) spricht mit Vertretern von Hilfsorganisationen über die soziale und medizinische Versorgung Südamerikas, Afrikas und des Nahen Ostens. Erstmals kommt Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg zu einem Christentreffen nach Deutschland und diskutiert mit Friedensforschern über "Friedenssicherung in einer unsicheren Welt".

Wer kommt noch?

Bundesfinanzminister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz sucht mit Vertretern von Wohlfahrtspflege, Wirtschaft und Wissenschaft nach Antworten auf die Frage "Wer zahlt die Rechnung der Corona-Pandemie?". Die Grünen-Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock spricht mit dem Sozialethiker Johannes Wallacher und der Konzernchefin Marie-Luise Wolff über Wege aus der Klimakrise. Der CDU-Bundesvorsitzende und Kanzlerkandidat Armin Laschet stellt sich Fragen zum Thema Wirtschaft und Finanzen.

Zu Wort melden sich auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Josef Schuster, und die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor. Dazu kommen Bibelarbeiten mit Prominenten wie Eckart von Hirschhausen, Margot Käßmann oder dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann (Grüne).

Was ist in theologischer Hinsicht interessant?

Ein besonderes Augenmerk liegt in diesem Jahr auf den Gottesdiensten am Samstagabend. Dort dürfen Teilnehmer auch an Abendmahlfeiern der jeweils anderen Konfession teilnehmen. Das wurde im Vorfeld theologisch diskutiert. Der Vatikan erklärte seine Ablehnung dieser Praxis.

Wird im Stadtbild von Frankfurt etwas vom Ökumenischen Kirchentag zu spüren sein?

Die gastgebenden Kirchen machen mit einer Installation im Zentrum von Frankfurt auf das weitgehend digitale Großereignis aufmerksam. Sie bauten an der Hauptwache einen 28 Meter langen und acht Meter breiten blauen Tisch auf. Die übergroße Installation soll Passanten zu einem Perspektivwechsel anregen und zugleich einladen, mit Abstands- und Hygieneregeln Platz zu nehmen.

Verschiedene Initiativen und Verbände gestalten bis zum 16. Mai den Tisch und wollen so Impulse setzen. Unter anderen beteiligen sich den Angaben der Veranstalter zufolge die Initiative Maria 2.0 und der Hotel- und Gastronomieverband Hessen. Mit seinem blauen Anstrich soll der Tisch auf den Himmel anspielen, wo "nach christlichem Verständnis Größenverhältnisse und Hierarchien keine Rolle mehr spielen", so die Kirchen.

Sendung: hr-iNFO, 30.03.2021, 15.40 Uhr