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Audioseite Debatte über Selbsttests unter Lehrern

Corona Schnelltest

Lehrer dürfen sich alle zwei Wochen auf das Coronavirus testen lassen. Wären ein dichterer Takt und Selbsttests sinnvoll? Betroffene sind uneins, das Land winkt erst mal ab.

Petra Leyser, Konrektorin an einer Grundschule in Rodgau (Offenbach), nahm im Herbst an einer Corona-Selbsttest-Studie teil. Sieben Wochen lang testete sie sich jeden zweiten Morgen vor dem Frühstück mit einem Antigen-Schnelltest selbst auf das Coronavirus - und mit ihr fast das gesamte Kollegium an ihrer Schule.

Die Studie hatten das Kultus- und das Sozialministerium in Auftrag gegeben. 711 Lehrkräfte in Hessen machten mit, ein Team um die Frankfurter Chef-Virologin Sandra Ciesek leitete die Studie und wertete sie aus. Die Frage dahinter: Wie gut und sicher sind Antigen-Schnelltests, wenn Laien sich selbst testen?

Studienteilnehmer sind zufrieden

Petra Leysers Fazit: Sie sei mit den Selbsttests "sehr gut zurechtgekommen" und habe keine Probleme mit dem Nasen- und Rachenabstrich gehabt. Wie sie beim Abstrich vorgehen müsse, habe ihr ein Video des Virologen-Teams verständlich erklärt. Für Rückfragen seien die Wissenschaftler immer erreichbar gewesen.

Grundschullehrerin Petra Leysers aus Rodgau hat sich im Rahmen der "Safe-School-Studie" selbst auf das Coronavirus getestet

Das Feedback der restlichen 710 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fällt auch positiv aus, wie die Uniklinik Frankfurt mitteilt. Aus den Ergebnissen lasse sich ableiten, "dass der Einsatz von Antigen-Tests mit hoher Frequenz dazu beitragen kann, das schulische Umfeld während der Pandemie sicherer zu machen". Vor allem dann, wenn es viele Infektionsfälle in der Bevölkerung gebe - so wie derzeit.

Kultusministerium will Teststrategie nicht ändern

Auch das Kultusministerium bewertet die Ergebnisse der Studie grundsätzlich positiv. "Mit Anleitung können Selbsttests funktionieren", sagt Ministeriumssprecher Philipp Bender. Die Anzahl der falsch positiven Tests in der Studie sei gering.

Dennoch sieht das Haus von Minister Alexander Lorz (CDU) derzeit keinen Bedarf, seine Teststrategie zu ändern. Die Lehrkräfte seien bislang sehr zufrieden mit dem Angebot, sich alle zwei Wochen freiwillig per Schnelltest in Arztpraxen auf das Coronavirus testen zu lassen, berichtet Bender. Nicht alle Lehrer trauten sich einen Selbsttest zu. Die Testkits in die Schulen zu liefern, sei außerdem aufwändig.

Sozialministerium: Selbsttests eine Option

Seit Dezember dürfen sich Lehrkräfte und Erzieher selbst auf das Coronavirus testen. Das Bundesgesundheitsministerium änderte eine entsprechende Verordnung. In Sachsen-Anhalt verteilte das Sozialministerium in der ersten Januarwoche 40.000 Antigen-Schnelltests an Lehrkräfte und Erzieher mitsamt Erklärvideo, damit sie sich selbst und ohne medizinisches Personal testen können.

Selbsttests für Lehrkräfte wie in Sachsen-Anhalt seien in Hessen "derzeit nicht geplant", teilt auch das Sozialministerium auf hr-Anfrage mit. Auch eine Kooperation mit einem Dienstleister wie in Pflegeheimen sei für die Schulen nicht geplant. "Selbsttestungen als eine Option für die Zukunft" seien allerdings denkbar.

Befürworter unter Lehrern

Unbefriedigend findet Kai von Känel die Situation in Hessen. Der 49-jährige Musik- und Englischlehrer an einem Frankfurter Gymnasium würde sich gerne wöchentlich auf das Coronavirus testen oder testen lassen. Einen zweiwöchigen Test-Takt findet er zu lang, da die meisten Infektionen sich nach vier bis sieben Tagen nachweisen ließen.

Auch Petra Leyser aus Rodgau wünscht sich die Sicherheit zurück, die ihr die Selbsttests im Abstand von zwei Tagen während der Studie gaben, wie die 63-Jährige sagt: "Das ist sicherer als ein Test alle zwei Wochen."

Vorbehalte bei Lehrern

Nicht alle sind Corona-Selbsttests gegenüber aufgeschlossen. Schulleiterin Silke Mühl von der Heinrich-Seliger-Schule in Frankfurt zum Beispiel befürchtet zu viele falsch negative Ergebnisse, falls die Tests nicht richtig angewandt würden. Auch Manfred Drach, Leiter der Johannes-Vatter-Schule in Friedberg, sagt, sein Kollegium bevorzuge Tests durch Fachpersonal. Mehr als die Hälfte der Lehrer an seiner Schule nehme das bestehende Angebot an und halte es für ausreichend.

Auch die Bildungsgewerkschaft GEW Hessen hält Corona-Selbsttests aktuell nicht für notwendig. Die Landesvorsitzende Maike Wiedwald sagt, man könne sicher darüber diskutieren, ob man Schnelltests häufiger als alle zwei Wochen anbiete. Jedoch überwiege der Anteil der Lehrerinnen und Lehrer, die sich wünschen, dass Fachpersonal die Tests durchführt.

Ciesek: Überprüfung durch PCR-Test nötig

Das Vertrauen in Corona-Selbsttests könnte also nicht unterschiedlicher ausgeprägt sein. Auch Virologin Ciesek ordnet ihre Studienergebnisse differenziert ein und betont: "Wenn Selbsttests von Laien durchgeführt werden, muss es hierfür eine Anleitung geben und medizinischer Rat verfügbar sein. Außerdem muss jeder positive Antigen-Schnelltest mit einem PCR-Test überprüft werden."

Sendung: hr-iNFO, 18.01.2021, 9.15 Uhr