Demo von Corona-Skeptikern und Gegendemo am Opernplatz in Frankfurt

Einige hundert Menschen haben in Frankfurt gegen die Corona-Politik demonstriert. Aber sehr viel mehr haben sich ihnen entgegengestellt. Eindrücke von einem fast wieder normalen Samstagnachmittag.

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Die Sonne lacht an diesem Samstagnachmittag über der Frankfurter Innenstadt. Die Cafés haben wieder auf, sehr viele Plätze sind besetzt, nicht immer halten die Gäste den Corona-Sicherheitsabstand von 1,50 Metern ein. Vor den Parkhäusern stauen sich wie einst die dumpf dröhnenden Porsches, und auf der Einkaufsmeile Zeil ist wieder was los - wenn auch noch nicht so viel wie früher.

Zwischen den Menschen, die zum Shoppen kamen, stehen an den zentralen Plätzen Hauptwache, Roßmarkt, Goetheplatz und Opernplatz Menschen mit Plakaten, Schildern oder bedruckten T-Shirts. Mit einem Anliegen. Demonstranten. Auch das ist ganz normal an einem Samstag in der Frankfurter Innenstadt. Ein Dutzend Kundgebungen sind angemeldet.

Leicht zu unterscheiden

Nicht ganz so normal sind die wiederkehrenden Hinweise von den an vielen Straßenecken rund um die Hauptwache in Vierergruppen stehenden Polizisten und aus deren Einsatzwagen, man möge doch bitte den vorgeschriebenen Mindestabstand zu den Nebenleuten einhalten.

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Weitere Demos

In Kassel gingen am Samstag etwa 100 Kritiker der Corona-Politik auf die Straße, in Fulda etwa zwei Dutzend. In Wiesbaden waren nach Angaben der Polizei 30, in Limburg und in Bad Homburg jeweils 60 Corona-Skeptiker unterwegs. Zu größeren Zwischenfällen kam es auch hier nicht. Insgesamt waren in elf Städten sogenannte Hygienedemos oder "Spaziergänge" gegen die Maßnahmen der Regierung angemeldet.

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Symptomatisch für die Corona-Zeit ist auch, dass man Demonstranten und Gegendemonstranten leicht unterscheiden kann: jene, die sich gegen Freiheitsbeschränkungen und Infektionsschutzmaßnahmen von Regierung und Robert-Koch-Institut auf die Straße stellen, von denen, die diese Corona-Skeptiker oder -Leugner kritisieren. Man erkennt sie daran, ob sie Nase-Mund-Schutz tragen oder nicht.

Ab wann ist der Kritiker ein Nazi?

Es geht hin und her zwischen den Plätzen. Kurz nach 14 Uhr. Einem Aufruf der Linken zur Hauptwache folgten etwa 500 Menschen. Redner und Plakathochhalter unterstützen im Grundsatz die deutsche Anti-Corona-Politik. Dass die Krankenhäuser nicht übergelaufen seien und die Zahl der Toten hierzulande vergleichsweise gering, sei ein Erfolg. Sie kritisieren allerdings die Privatisierung im Gesundheitswesen und noch mehr die im Internet und auf Hygiene-Demos grassierenden Corona-Verschwörungstheorien - und die zunehmende Vereinnahmung der Angst vor Ansteckung durch rechte Hetzer.

Demo der Linken an der Hauptwache in Frankfurt

Aber ist man gleich ein Nazi, wenn man "Grundgesetz, Grundgesetz" ruft und findet, die Regierung habe mit ihrer Anti-Corona-Politik die Freiheit der Bürger unzulässig beschnitten? Wenn man glaubt, Microsoft-Mitgründer und Milliardär Bill Gates habe das Coronavirus in die Welt gebracht und wolle alle zwangsimpfen? Manche finden: ja.

Inhaltliche Untiefen

Vielleicht 100 Corona-Skeptiker stehen gegen 15 Uhr ohne Nase-Mund-Schutz auf dem Opernplatz und schauen sich amüsiert an, fragen: "Bin ich ein Nazi?" Sie sind eingekreist von Polizisten und etwa 500 Gegendemonstranten aus dem linken Spektrum, die ihnen immer wieder "Alerta, Antifascista", "Nazis raus" und "Haut ab" entgegenschreien. Sie selbst sagen nichts. Außer: "Grundgesetz!" Hüben wie drüben beherrscht eine inhaltliche Untiefe die Auseinandersetzung.

Den Gegendemonstranten von der Antifa, die an diesem Tag ausnahmsweise völlig ungeahndet ihre Gesichter bedecken dürfen (dann aber nicht gleichzeitig auch noch Sonnenbrille tragen, das ist eine Auflage), geht es vor allem darum, den Corona-Leugnern im Weg zu stehen. Vor einer Woche zogen diese noch ungestört durch die Innenstadt.

Ex-Occupy-Aktivist gegen Corona-Politik

Am Roßmarkt, wo um 14.45 Uhr noch ein versprengtes Grüppchen stumm gegen die Anti-Corona-Politik demonstrierte, sind eine gute Stunde später um die 300 Menschen zusammengekommen, um Hajo Köhn zuzuhören. Köhn war früher beim kapitalismuskritischen Bündnis Occupy Frankfurt und wettert nun gegen die zwischenzeitlichen Freiheitsbeschränkungen zur Eindämmung der Pandemie. Er fordert: "Hände weg vom Grundgesetz!", aber auch "Beachtet die Abstandsregel!"

Demo von Corona-Skeptikern und Gegendemo in Frankfurt

Beschränkungen, die an diesem Samstagnachmittag mit so viel Bewegung und so viel Volk in der Frankfurter Innenstadt wie seit langem nicht mehr, wieder aufgehoben sind oder sich kaum bemerkbar machen - außer am allgegenwärtigen Nase-Mund-Schutz. Die Polizei meldet später, dass sie einen Demo-Teilnehmer festnahm. Er hatte den Hitlergruß gezeigt. Sonst bis auf ein paar Wortgefechte alles ruhig.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.05.2020, 19.30 Uhr