Vili Viorel Paun

Alptug Sözen und Vili Viorel Paun starben jung. Der eine wollte einen Obdachlosen retten, der andere einen rassistischen Attentäter stoppen. Jetzt ehrt eine Initiative die beiden Hanauer.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Posthume Ehrung für zwei Hanauer

Trauergebinde nach dem Anschlag in Hanau
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Es waren zwei denkbar unterschiedliche Situationen, in denen Alptug Sözen und Vili Viorel Paun äußerste Zivilcourage zeigten. Der 17-jährige Sözen versuchte im November 2018 einen bewusstlosen Mann aus dem Gleisbett einer S-Bahn-Station zu ziehen. Der 20-jährige Vili Viorel Paun verfolgte den Attentäter des rassistisch motivierten Anschlags von Hanau im Februar 2020 mit seinem Wagen und versuchte, die Polizei zu informieren.

Beide jungen Männer stammen aus Hanau. Beide bezahlten ihren Mut mit dem Leben. An diesem Wochenende sollen sie posthum ausgezeichnet werden.

Künftig jährliche Ehrung für Zivilcourage

Um die Zivilcourage der beiden jungen Männer zu würdigen, werde man ihre beiden Familien an diesem Samstag zu Hause besuchen und posthume Ehrungen überreichen, teilte das Institut für Toleranz und Zivilcourage mit. Das Institut ist Teil des Vereins "19. Februar Hanau", der sich um die Belange der Hinterbliebenen der Opfer des Hanauer Anschlags kümmert.

Zudem soll an einem Infostand auf dem Marktplatz am Abend mit Bürgern über Zivilcourage ins Gespräch diskutiert werden. Geplant ist auch eine Mahnwache für die Opfer des Anschlags.

Weitere Informationen

Die Geehrten

Alptug Sözen hatte im November 2018 einem betrunkenen Obdachlosen helfen wollen, der auf den Gleisen der Frankfurter S-Bahnstation Ostendstraße lag. Dabei bemerkte der Jugendliche zu spät einen herannahenden Zug, von dem er erfasst und tödlich verletzt wurde. Im Gedenken an den 17-Jährigen wurde der Name der Station um seinen Vor- und Nachnamen ergänzt. An seiner ehemaligen Schule in Hanau erinnert eine Gedenkplakette an Sözen. Seinen Eltern wurde die Ehrenplakette der Stadt in Gold überreicht.
Vili Viorel Paun war am Abend des 19. Februar 2020 mit seinem Auto auf dem Nachhauseweg, als der Attentäter Tobias R. - der im Laufe des Abends neun Menschen mit Migrationshintergrund und schließlich noch seine Mutter und sich selbst erschoss - einen Schuss in Richtung seines Wagen abfeuerte. Nach derzeitigem Erkenntnisstand verfolgte Paun Tobias R. daraufhin in seinem Wagen von der Hanauer Innenstadt bis zum zweiten Tatort in Kesselstadt. Dort wurde er in seinem Auto sitzend von Tobias R. erschossen. Mehrere Versuche Pauns, den Polizeinotruf telefonisch zu erreichen, scheiterten aus ungeklärtem Grund.

Ende der weiteren Informationen

Künftig soll die Ehrung für Zivilcourage jährlich jeweils am 19. September im Rahmen eines entsprechenden bundesweiten Aktionstages vergeben werden, erklärte der Verein. Ausgezeichnet werden sollen Personen und Institutionen, "die sich in besonderer Weise mutig für unsere Gesellschaft und für ein besseres Miteinander" einsetzen.

Sendung: hr-iNFO, 17.09.2020, 18 Uhr