Verdient weniger brutto als früher, hat aber trotzdem mehr netto: Lehrer Florian Bonvissuto
Verdient weniger brutto als früher, hat aber trotzdem mehr netto: Lehrer Florian Bonvissuto Bild © hr

Dienst nach Vorschrift, kaum Aufstiegschancen, das war gestern. Der Beamtenjob ist attraktiv. Gerade unter Studenten. Da trifft es sich gut, dass gerade eine Verbeamtungswelle durchs Land geht. Doch das wird richtig teuer für Hessen.

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Noch ein paar Semester fehlen Mike Zehner bis zum Diplom. Doch der BWL-Student im 5. Semester an der Frankfurter Goethe-Universität hat schon eine feste Vorstellung von seinem Traumjob. "Als Beamter weiß man, was man hat und später eine gute Pension, das passt", sagt er.

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Der Beamtenreport, Montag 03.12.18 | 22.45 Uhr im Ersten

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Mit seinem Berufswunsch steht er nicht allein. 41 Prozent der Studenten wünschen sich nach einer aktuellen Umfrage der Beratungsfirma Ernst&Young den Staat als Arbeitgeber - so viele wie noch nie. Warum das so ist, versteht man, wenn man sich eine weitere Zahl anschaut: Mehr als jeder Zweite - nämlich 57 Prozent - nennt in der Umfrage die Sicherheit als wichtigsten Faktor bei der Wahl des Arbeitgebers. Nur für 44 Prozent ist das Gehalt ausschlaggebend.

Es sind die historisch gewachsenen Privilegien der Beamten, die junge Menschen heute offenbar wieder attraktiv finden. Die Altersversorgung gilt dabei als größtes Beamten-Privileg. Das ergab eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Beamtenreports. 83 Prozent der Befragten sahen hier Beamte vor anderen Arbeitnehmern privilegiert.

Lehrer Bonvissuto: "Geld verdienen ist nicht alles"

Erst seit wenigen Monaten ist Florian Bonvissuto verbeamtet. Er ist Lehrer an der Werner von Siemens Berufsschule in Frankfurt, er unterrichtet dort Sport und Wirtschaft. Dafür hat er einen gut bezahlten Job als Projektmanager in der Privatwirtschaft aufgegeben. "Geld verdienen ist nicht alles. Ich habe viel Zeit für meine Beziehung. Ich bin glücklich", sagt er.

Obwohl er jetzt brutto weniger verdient, hat er netto mehr. Als Beamter hat er kaum Abzüge. Er muss keine Beiträge zur Rentenversicherung und zur Arbeitslosenversicherung zahlen. Für die private Krankenversicherung gibt's Zuschüsse vom Staat, die sogenannte Beihilfe. Und auch bei der Altersversorgung steht der Lehrer jetzt besser da. Er wird einmal fast 40 Prozent mehr Pension bekommen, als er bei gleichem Durchschnittsverdienst als Rentner bekommen hätte.

Beamtenstatus als Lockmittel für begehrte Fachkräfte

Für Florian Bonvissuto hat sich der Wechsel an die Berufsschule gelohnt, für den Schulleiter der Frankfurter Berufsschule auch. Es herrscht Lehrermangel, von acht freien Lehrerstellen hat Tilmann Stoodt nur drei wieder besetzen können.

"Wir haben große Probleme, den berufsbezogenen Unterricht abzudecken und sind auf Quereinsteiger angewiesen", sagt der Schulleiter. Mit dem Beamtenstatus könne er aber immerhin ein attraktives Angebot machen. Tatsächlich ist der Wettstreit um Fachkräfte der Auslöser für eine neue Verbeamtungswelle. Der Beamtenstatus als Lockmittel, das gilt nicht nur für den Bildungsbereich. Auch in Behörden, wo gerade die Babyboomer-Jahrgänge in den Ruhestand gehen.

Kaum Vorsorge für Pensionslasten in Hessen

Doch die Entwicklung ist nicht unproblematisch. Schon jetzt sind es vor allem die Pensionslasten, die Sorge machen. Rentenexperte Bernd Raffelhüschen warnt: "Das Problem ist gewaltig. Die Beamtenversorgungslast ist das Problem, das uns als erstes erwischen wird, vor der Rentenversicherung, vor der Pflegeversicherung."

Entwicklung der Rücklagen und Pensionslasten für die hessischen Landesbeamten
Entwicklung der Rücklagen und Pensionslasten für die hessischen Landesbeamten Bild © hr

Rund 98.000 Landesbeamte hat Hessen. Polizisten und Lehrer bilden die größte Gruppe. Die Personalausgaben von rund 9,2 Milliarden Euro machten im Jahr 2017 fast ein Drittel des Landeshaushaltes aus. Für seine Pensionäre überwies Hessen im vergangenen Jahr rund 2,6 Milliarden Euro. Wer Beamte verpflichtet, muss sie ein Leben lang versorgen, auch im Ruhestand. Doch die Rücklagen dafür sind nicht wirklich hoch.

Für die insgesamt aufgelaufenen Lasten für Pensionen und Beihilfen von 73 Milliarden Euro sind laut Finanzministerium gerade mal knapp 4 Prozent gedeckt. Im gerade beschlossenen Alterssparbuch, eine Art Pensionsfonds für hessische Beamte, soll so viel Geld angespart werden, dass bis 2030 wenigstens knapp 10 Prozent der Pensionslasten abgedeckt sind. Heißt im Klartext, die Rücklagen reichen gerade mal für jeden zehnten Beamten.

Die geplante Entwicklung der Rücklagen im Verhältnis zur gesamten Pensionslast
Die geplante Entwicklung der Rücklagen im Verhältnis zur gesamten Pensionslast Bild © hr

Fazit: Neue Verbeamtungen kommen künftigen Generationen teuer zu stehen. Die Politik geht den bequemen Weg und verlagert die Kosten in die Zukunft, für die es kaum Rücklagen gibt. Weniger Beamte? Bei Lehrern ist der Status nicht im Grundgesetz vorgeschrieben. Faire Gehälter und unbefristete Verträge für Angestellte könnten den Bildungsbereich trotzdem attraktiv machen.