Podcast Verurteilt Heike Borufka und Basti Red

Freispruch oder lebenslänglich? Mord oder Totschlag? Im neuen Justiz-Podcast "Verurteilt!" beleuchtet hr-Gerichtsreporterin Heike Borufka das Rechtssystem. Im Interview erklärt sie die Idee dahinter und verrät, warum Fußball-Experte Basti Red an ihrer Seite sitzt.

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Verurteilt! Folge 1
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Wie funktioniert unser Rechtssystem? Warum ist es notwendig, dass im Gerichtssaal dem gefühlten Recht eindeutige Paragrafen gegenüberstehen? Die Gerichtsreporterin des Hessischen Rundfunks, Heike Borufka, und der Frankfurter Podcaster Basti Red sprechen im neuen Podcast "Verurteilt!" über echte Kriminalfälle, echte Urteile, das echte Leben und die deutsche Justiz. Im Interview erklärt Heike Borufka, warum sie etwas für den Rechtsstaat tun möchte.

hessenschau.de: Heike, wie kamst du auf die Idee zu einem Justiz-Podcast?

Heike Borufka: Ich bin ja immer ein bisschen missionarisch unterwegs. Wir leben in Zeiten, in denen sich die Menschen offenbar nach Schwarz-Weiß sehnen. Deswegen habe ich das Gefühl, dass man etwas für diesen Rechtsstaat tun muss. Und ich habe das Gefühl, dass man etwas mehr Raum dafür braucht, denn der Rechtsstaat ist manchmal wirklich schwer verständlich. Und juristische Entscheidungen sind manchmal schwer erträglich - auch für mich.

hessenschau.de: Wie kam Basti Red dazu? Er ist ja sonst als Fußball-Experte, der unter anderem im Eintracht-Frankfurt-Podcast "Fußball 2000" auftritt.

Borufka: Ich bin ja Eintracht-Fan und höre den Eintracht-Frankfurt-Podcast. Zunächst habe ich mich von der Idee leiten lassen: Ach Gott, das sind junge Typen, die im erwartbaren Jargon über Fußball reden. Bis mich eine sehr gute Freundin darauf hingewiesen hat, vielleicht ein bisschen genauer hinzuhören.

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Der Podcast

Der hr-Podcast "Verurteilt!" startet am 23. Mai 2019 auf hr-inforadio.de. Alle zwei Wochen erscheint eine neue Folge, die zeitunabhängig gehört werden kann. Die erste Staffel umfasst zehn Folgen, auch verfügbar in der ARD-Audiothek und auf vielen Podcast-Plattformen. Als Video ist der Podcast auf hessenschau.de, in der hr-Mediathek und bei YouTube zu sehen.

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Und da fiel mir tatsächlich auf, dass Basti Red ein unglaublich intelligenter, sehr differenzierter Mensch ist, der genau das nicht macht, was ich für so gefährlich halte: die Welt in Schwarz und Weiß aufzuteilen. Und dann lief in der ARD-Themenwoche "Gerechtigkeit" ein Porträt über mich und die Frage "Was hat die Justiz mit Gerechtigkeit zu tun?" Da habe ich wohl für ihn zum Teil schwer verdauliche Dinge gesagt und er hat mich angeschrieben und wollte wissen, wo er dazu mehr erfahren kann. Da dachte ich, er wäre genau der Richtige für einen solchen Podcast.

hessenschau.de: Kannst du einen kleinen Überblick über die Themen geben?

Borufka: Wir nehmen immer einen Fall und daran versuchen wir, das Rechtssystem zu erklären. Ich glaube, es ist nicht sinnvoll, das abstrakt zu machen. Natürlich suchen wir Fälle aus, von denen wir glauben, dass sie die Menschen interessieren. Es sind Fälle, über die ich berichtet habe, bei denen ich in den Prozessen anwesend war. An diesen Fällen versuchen wir zum Beispiel zu erklären, was der Unterschied zwischen Revision und Berufung ist. Vor allem aber versuchen wir zu erklären, warum Entscheidungen so gefallen sind, wie sie gefallen sind.

Denn wenn ich über Fälle lese oder sie im Fernsehen sehe, habe ich selbst oft auch den Reflex zu fragen: Wie können die nur so entschieden haben? Dann muss ich mich ermahnen und mir sagen: Ich war nicht dabei und ich weiß doch selbst aus zig Prozessen, dass vieles oft nicht so ist, wie es zunächst erscheint. Das versuchen wir zu transportieren.

hessenschau.de: Wie oft erscheint der Podcast und wie lang wird er?

Heike Borufka

Borufka: Wir erscheinen alle zwei Wochen. Wir haben keine feste Länge. Mich freut das, weil ich mal umfassend erklären kann. Das ist im beruflichen Alltag oft nicht möglich, Podcasthörer dagegen lieben Länge. Wir haben also keine Beschränkung nach oben, werden aber meistens so bei mindestens 40 Minuten liegen.

hessenschau.de: Warum macht ihr zum Audio- noch einen Videopodcast?

Borufka: Das Video machen wir vor allem, weil wir versuchen, crossmedial zu denken und weil wir testen wollen, ob die Leute auch da so lange dranbleiben. Es ist auch kein "normales" Fernseh-Video, es ist nicht gut ausgeleuchtet und ich gehe nicht vorher in die Maske. Ich glaube, das Format ist auch ganz gut gelungen.

hessenschau.de: Es klingt nicht, als hättet ihr eine bestimmte Zielgruppe - oder doch?

Borufka: Mein Wunsch ist, alle zu erreichen. Aber wir haben uns auch quasi eine Person ausgedacht, für die wir das machen. Und natürlich ist die Idee, Menschen zu gewinnen, die nicht mehr das Radio oder den Fernseher einschalten. Meine Hoffnung ist, auch jüngere Leute zu gewinnen, weil ich das Gefühl habe, dass Rechts- und Staatskunde in Schule und Medien immer zu kurz kommen. Dabei ist sie so wichtig. Es ist so wichtig, dass man versteht, warum dieses System so funktionieren muss. Und ich finde, es funktioniert eigentlich ganz gut.

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Heike Borufka und Basti Red

Heike Borufka
ist seit Ende der neunziger Jahre die Gerichtsreporterin im Hessischen Rundfunk. Seither hat sie über viele Prozesse berichtet, darunter über die Hauptverhandlung gegen den "Kannibalen von Rotenburg", den Kindsmörder Magnus Gäfgen, den NSU-Prozess und den Mörder der achtjährigen Johanna Bohnacker aus der Wetterau. Über die Familie des getöteten Kindes hat sie 2012 ein langes Radio-Feature gemacht, das mit dem "Regino-Preis für herausragende Justizberichterstattung" ausgezeichnet wurde. 2014 ist ihr Buch "Tatort Frankfurt" über kleine und große Prozesse erschienen. Als Beteiligte des Multimedia-Projekts über das sensible Thema Kindesmisshandlung ist auch sie 2018 mit dem deutschen Reporterpreis ausgezeichnet worden.

Basti Red ist Podcaster ("drei90", "Fussball2000"). Er wurde von "11Freunde", dem Magazin für Fußballkultur, zum "Frankfurter Original" gekürt und mit dem Podcastpreis 2019 ausgezeichnet. Im Dezember wird er mit seinen Podcast-Kollegen von "drei90" in der Frankfurter Batschkapp auf der Bühne stehen.

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Das Gespräch führte Sonja Fouraté.