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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bistum Mainz: Mehr Fälle sexueller Gewalt als gedacht

Symbolbild: Ein Kreuz liegt auf einer offenen Buchseite, auf der das Wort "Missbrauch" hervorgehoben ist.

Viel mehr Opfer, viel mehr Beschuldigte: Das Ausmaß sexueller Gewalt im Bistum Mainz ist viel schlimmer als ohnehin befürchtet. Das Bistum erstreckt sich bis nach Süd- und Mittelhessen.

Im Bistum Mainz gab es deutlich mehr Fälle sexueller Gewalt als bisher angenommen. Das zeigt die erste Zwischenbilanz einer Studie, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Der Rechtsanwalt Ulrich Weber, der mit der Untersuchung beauftragt wurde, geht nach persönlichen Kontakten und intensiver Prüfung von Dokumenten und Archivdaten "Stand heute von 273 Beschuldigten und 422 Betroffenen aus".

Diese Zahl ist weitaus höher als das Ergebnis der enger gefassten Missbrauchs-Studie (MHG-Studie) aus dem Jahr 2018 zur sexuellen Gewalt in der katholischen Kirche. Sie hatte für das Bistum Mainz, das zu zwei Dritteln auf hessischen Gebiet liegt, 53 Täter und 169 Opfer ermittelt. Das Bistum hat 20 Dekante, 15 davon auf hessischem Gebiet.

Abschlussbericht erst 2022

Weber hob hervor, dass in der neuen Studie mit dem Titel "Erfahren. Verstehen. Vorsorgen" der Kreis der Beschuldigten, Betroffenen und der Vorfälle weiter gefasst sei. Die aktuelle Untersuchung beziehe sexualisierte Gewalt, sonstige sexuelle Übergriffe und Grenzverletzungen auch gegen erwachsene Männer und Frauen mit ein. Bei den Beschuldigten geht es neben Klerikern auch um Laien, kirchliche Angestellte oder Gruppenleiter.

Der Abschlussbericht, die die Zeit von 1945 bis 2019 umfasst, soll voraussichtlich Anfang 2022 vorgelegt werden. Das Bistum selbst hatte den unabhängigen Rechtsanwalt aus Regensburg mit der Untersuchung beauftragt.

Grafik Bistum Mainz

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf sagte, der Zwischenbericht helfe dabei, "in einen schrecklichen Abgrund im Bistum Mainz zu blicken". Weber und Kohlgraf riefen alle, die zur Aufklärung der Vorfälle beitragen können - insbesondere Betroffene, Angehörige, Freunde und Mitarbeiter des Bistums - dazu auf, sich mit dem Rechtsanwalt in Verbindung zu setzen.

Missbrauchsopfer sollen mehr Geld bekommen

Im Bistum Mainz sind bisher insgesamt rund 340.000 Euro an die Opfer sexueller Gewalt ausgeschüttet worden. Betroffene erhielten jeweils zwischen 1.000 und 13.000 Euro. Vor zwei Wochen hatten sich die katholischen Bischöfe auf ihrer Konferenz in Fulda darauf geeinigt, dass die Opfer künftig mehr Geld bekommen sollen - bis zu 50.000 Euro seien möglich. Zusätzlich können sie, wie auch jetzt schon, Kosten für Therapie- oder Paarberatung erstattet bekommen.

In den drei Bistümern Mainz, Limburg und Fulda, die auf hessischem Gebiet liegen, waren bisher zusammen gerade einmal etwas mehr als 600.000 Euro ausgeschüttet worden. Die Opfer haben durchschnittlich etwa 5.000 Euro erhalten.

Sendung: hr-info, 07.10.2020, 14.30 Uhr