Mubarak-Moschee der Ahmadiyya-Gemeinde in Wiesbaden-Dotzheim

In Anwesenheit ihres Kalifen Mirza Masroor Ahmad aus London hat die Wiesbadener Ahmadiyya-Gemeinde am Montag offiziell ihr neues Zentrum bezogen. Der Bau lief geräuschlos ab, die Moschee will sich auch den Nachbarn öffnen.

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Der Imam für die etwa 1.100 Angehörigen der Ahmadiyya-Gemeinde in Wiesbaden heißt Ferhad Ghaffar. Er ist 27 Jahre alt, kommt aus Babenhausen (Darmstadt-Dieburg) und hat in Kanada an einer Hochschule für Imame studiert. Nun zieht er mit seiner Familie in eine kleine Wohnung in der neugebauten Mubarak-Moschee in Wiesbaden-Dotzheim. Das Gotteshaus in schlichtem Weiß ist nach Angaben der Gemeinde die bislang größte Moschee von Ahmadiyya in Deutschland und wurde an diesem Montag feierlich eröffnet.

Ferhad Ghaffar hat auch Kalligrafie gelernt. Er konnte die großen, kunstvoll geschwungenen Schriftzüge in den Gebetsräumen selbst schreiben. "Das ist Standard in jeder Moschee", sagt Ghaffar: "Das Glaubensbekenntnis: Niemand ist anbetungswürdig außer Allah, Mohammed ist sein Gesandter."

Von anderen Muslimen wird die Ahmadiyya angefeindet

Am Montag besuchte der Kalif Mirza Masroor Ahmad aus London die neue Moschee in Wiesbaden. Die Bibliothek dort sei dem Oberhaupt der Ahmaddiya besonders wichtig, sagt Ghaffar, denn Bildung werde groß geschrieben in der Glaubensgemeinschaft. Der Imam will sie persönlich einrichten, mit Computer und Leseecke. Wie in fast jedem Raum hängen dort bereits Bilder vom Gründer der Ahmadiyya an der Wand und von seinen Nachfolgern, den fünf Kalifen.

Der Gründer ist ein Inder namens Mirza Ghulam Ahmad. Er lebte im 19. Jahrhundert und war, so glauben seine Anhänger, ein Messias und Prophet. Von anderen Muslimen wird die Ahmadiyya deshalb nicht anerkannt. In Pakistan und anderen Ländern werden ihre Angehörigen verfolgt, es gab schlimme Anschläge auf ihre Moscheen. Die Gemeinde in Wiesbaden wachse auch durch den Zuzug von Flüchtlingen, sagt Ferhad Ghaffar.

Auf dem Grundstück sollen auch Nachbarskinder spielen dürfen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Große Ahmadiyya-Moschee in Wiesbaden wird eröffnet

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Für die Mubarak-Moschee hat die Gemeinde ein Grundstück in Wiesbaden-Dotzheim gekauft. Auf der einen Seite des großen, zwei Millionen Euro teuren Gebäudes steht ein Umspannwerk. Auf der anderen Seite stehen recht nah Reihenhäuser, in denen sieben Familien wohnen. Doch es gab bislang kaum Probleme oder gar Ärger. "Solange alle in Frieden leben, habe ich nichts dagegen", sagt eine Anwohnerin. Es gebe ohnehin nur einen Gott, sagt sie: "Jeder betet auf seine Art und Weise, und das ist auch gut so."

Die Moschee hat ein Kuppeldach und ein recht kleines Minarett - das erste überhaupt in Wiesbaden. Dass der Muezzin von dort zum Morgengebet ruft, ist in Deutschland nicht erlaubt. Es würde aus Rücksicht auf die Nachbarn aber ohnehin nicht gemacht, versichert Ghaffar. Auf dem Grundstück dürften auch die Kinder der Nachbarn spielen. Am Montag will die Gemeinde eine Integrationsvereinbarung mit der Stadt Wiesbaden unterschreiben.

Jedes Jahr an Neujahr säubern Gemeindemitglieder die große Theodor-Heuß-Brücke über den Rhein vom Silvesterdreck. Die Gemeinde organisiert auch einen Charity Run.

"Liebe für alle, Hass für keinen"

Die Ahmaddiya-Gemeinde gilt als offen, angepasst und tolerant. Der Imam sagt dazu: "Wir bekommen Anweisungen von unserem Kalifen, unserem spirituellen Führer, und seine Anweisung ist ganz einfach: Liebe für alle und Hass für keinen."

In Hessen ist Ahmadiyya als Körperschaft öffentlichen Rechts offiziell den christlichen Kirchen gleichgestellt. Doch die Gemeinden sind auch traditionell. Männer und Frauen beten getrennt und haben auch in der neuen Moschee getrennte Eingänge. Riswane Rana ist die Vorsitzende der 350 Frauen der Wiesbadener Gemeinde und sagt über ihr neues Zentrum: "Wir alle sind sehr stolz. Alle Mädchen sind so gut vorbereitet." Die jungen Gläubigen singen beim Einweihungsgottesdienst.

Dass der Kalif aus London nach Wiesbaden kam, sei eine große Ehre für die Gemeinde, sagt Imam Ghaffar. Der Besuch mache alle sehr, sehr fröhlich, sagt Rana. Als käme der Papst zur Einweihung einer katholischen Kirche.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 14.10.2019, 16.45 Uhr