Bonnie L. Bassler und Michael R. Silverman

Der renommierte Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis geht in diesem Jahr an zwei Amerikaner. Sie haben erstmals beobachtet, dass auch Bakterien miteinander kommunizieren. Das könnte bahnbrechende Folgen für die Behandlung haben.

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Der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis geht in diesem Jahr an die beiden US-Amerikaner Bonnie L. Bassler und Michael R. Silverman. Das Duo werde für seine bahnbrechenden Entdeckungen zur Kommunikationsfähigkeit von Einzellern, dem sogenannten "Quorum Sensing", ausgezeichnet, teilte die Paul-Ehrlich-Stiftung am Mittwoch in Frankfurt mit.

Seit 1952 wird der Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Preis – nach der Vereinigung zweier zuvor getrennter Preise – jedes Jahr für wegweisende Forschungen in der Medizinwissenschaft vergeben. Die Auszeichnung ist mit 120.000 Euro dotiert.

Bakterien sprechen mehrere Sprachen

Silverman und Bassler haben herausgefunden, dass Bakterien Signale senden und empfangen. Die Mikroorganismen wollen wissen, ob sie allein oder mit vielen Artgenossen vor Ort sind. Um die Zahl an Bakterien zu messen, analysieren sie bestimmte Sprachmoleküle. Überschreitet die Konzentration einen bestimmten Schwellenwert, setzt ein gruppenspezifisches Verhalten ein.

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Die Preisträger

Bassler (53) lehrt an der Princeton University und dem Howard Hughes Medical Institute, Silverman (77) arbeitete vor seiner Emeritierung am Agouron Institute in La Jolla.

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Silverman hatte das Phänomen erstmals in den 1980er Jahren bei Zwergtintenfischen entdeckt, die nachts blau-grün leuchten - dank eines Bakterium. Bassler entdeckte Anfang der 1990er Jahre, dass es noch andere Sprachmoleküle gibt. Sie informieren die Bakterien, ob auch andere Arten vor Ort sind und wer in der Überzahl ist. Bakterien sind also nicht nur äußerst kommunikativ, so der Stiftungsrat, sie beherrschen sogar mehrere Sprachen.

Mögliche Hilfe im Krankheitskampf

"Auch Bakterien verständigen sich untereinander, belauschen sich gegenseitig, treffen Absprachen und koordinieren damit ihr Verhalten", heißt es in der Begründung des Stiftungsrats der Paul-Ehrlich-Stiftung. Die Einzeller handelten erst dann gemeinsam, wenn sie eine Zellzahl erreicht haben, die Aussicht auf Erfolg verspricht. Die nötige Information dazu tauschten Bakterien über die von den Preisträgern entdeckten Sprachmoleküle und deren Übermittlungswege aus.

Dieses Wissen könnte neue Perspektiven für den Kampf gegen Krankheiten eröffnen: "Statt Bakterien mit Antibiotika zu töten, können nun Substanzen entwickelt werden, die die bakterielle Kommunikation unterbinden. Die Forschung der Preisträger hat damit eine erhebliche Relevanz für die Medizin", teilte der Stiftungsrat mit.

Nachwuchspreis an Bonner Forscherin

Die Entwicklungsbiologin Elvira Mass vom Life and Medical Sciences Institut (LIMES) der Universität Bonn erhält zudem den mit 60.000 Euro dotierten Paul-Ehrlich-und-Ludwig-Darmstaedter-Nachwuchspreis 2021. Die 34-Jährige habe nachgewiesen, dass spezialisierte Immunzellen aus dem Dottersack die Entwicklung der Organe begleiten und zeitlebens zur Gesunderhaltung beitragen.

Bis vor wenigen Jahren galt die Auffassung, dass diese Aufgabe von Immunzellen aus dem Knochenmark übernommen wird.

Ausgezeichnete erhalten später oft Nobelpreis

Verliehen wird der Preis von einer in Frankfurt ansässigen Stiftung - traditionell am Geburtstag des Nobelpreisträgers Paul Ehrlich, dem 14. März. In diesem Jahr wird die Verleihung in der Frankfurter Paulskirche wegen der Corona-Pandemie aufgeschoben: Sie soll erst im kommenden Jahr stattfinden, dann zusammen mit den Preisträgern des Jahres 2022.

Der Preis gilt als eine der bedeutendsten Ehrungen in der medizinischen Grundlagenforschung. Viele Preisträger der vergangenen Jahrzehnte bekamen später den Medizin-Nobelpreis - so zuletzt auch die beiden Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna. Die Preisträgerinnen von 2016 wurden im vergangenem Jahr mit dem Chemie-Nobelpreis für ihre Entdeckung der Genschere CRISPR-Cas9 ausgezeichnet.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 27.01.2020, 16.45 Uhr