Jägerin Selina Hauptvogel aus Weilburg und die Jagdhunde der Familie
Jägerin Selina Hauptvogel aus Weilburg und die Jagdhunde der Familie. Bild © Benjamin Müller (hr)

Mit acht Jahren war sie das erste Mal bei einer Jagd, mit 18 machte sie den Jagdschein: Jägerinnen wie Selina Hauptvogel aus Weilburg sind eine Minderheit, doch ihre Zahl steigt stetig.

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Selina Hauptvogel steht mit ihrem Hund Fritz im Wald, ihr Gewehr mit dem pinkfarbenen Riemen im Anschlag. Dann drückt sie ab, dreimal. Sie schießt diesmal nicht auf ein Tier, sondern - zur Demonstration - auf einen Erdhügel. Es knallt, Fritz fiept kurz. Dann ist wieder Ruhe.

Mit acht Jahren ging Selina Hauptvogel das erste Mal zu einer Jagd - ein Onkel hatte sie mitgenommen. Mit 18 machte sie ihren Jagdschein. Danach schoss sie das erste Mal auf Tiere. "Das ist noch mal was anderes", sagt die inzwischen 25 Jahre alte Frau aus Weilburg-Hirschhausen.

Zuerst ein Frischling

Das erste Tier, das Selina Hauptvogel schoss, war ein Frischling - rund 15 Kilo schwer. "Das war bei einer Drückjagd", erzählt sie. Dabei treiben Jäger mit ihren Hunden das Wild aus dem Wald, andere warten im Versteck und schießen. "Man hat nur ein ganz kurzes Zeitfenster, um zu entscheiden: Schieß' ich jetzt oder schieß' ich nicht", sagt die junge Jägerin.

Jägerin Selina Hauptvogel, ihre Jäger-Onkel, ein erlegter Hirsch und zwei geschossene Wildschweine
Selina Hauptvogel und ihre ebenfalls jagenden Onkel. Bild © Benjamin Müller (hr)

Auf die Frage, ob ihr der Frischling leid tat oder ein anderes der Tiere, die sie erlegt, sagt Selina Hauptvogel: "Ich kenne das Tier ja nicht, daher habe ich damit eigentlich kein Problem." Aber sie sagt auch: "Ich könnte kein Tier schießen, das ich jeden Tag füttere, da bin ich ganz ehrlich."

Jäger haben viele Aufgaben

Aber die Jagd ist für Selina Hauptvogel nur ein Aspekt ihres Hobbys: "Dazu gehört sehr, sehr viel mehr als nur das Schießen." Ihr Onkel Christoph Knörr ergänzt: "Für uns steht eigentlich die Hege im Vordergrund, nicht das Tieretotschießen." Selina Hauptvogels Onkel ist seit vielen Jahren Jäger.

Gemeinsam laufen die beiden zum Beispiel vor dem Mähen Felder ab, damit keine Rehkitze sterben, die dort im hohen Gras oder Getreide versteckt liegen. Sie zäunen Felder ein, damit Wildtiere sie nicht aufwühlen oder kahl fressen. Sie legen Ruhezonen für das Wild an, wohin sich die Tiere zurückziehen können. Und die Jäger übernehmen die Fütterung, wenn im Winter oder bei extremer Trockenheit zu wenig Nahrung für das Rehe & Co. da ist.

"Ein bisschen Mädchen bleiben“

Die Jagd in Deutschland ist Männersache. Aktuell liegt die Frauenquote bei sieben Prozent, wie der Deutsche Jagdverband informiert. "Auch wenn die Jagd hauptsächlich von Männern ausgeübt wird, müssen wir doch ein bisschen Mädchen bleiben", sagt Selina Hauptvogel mit Blick auf ihre Jagdkleidung: Diese ist zum großen Teil pink - ebenso der Gewehrriemen und ihr Revolver auch.

Dumme Sprüche bekomme seine Nichte dennoch kaum zu hören, sagt Christoph Knörr: "Klar gibt es noch den einen oder anderen alten Jäger, der die Frauen lieber am Herd sehen würde. Aber die große Masse findet das gar nicht verkehrt, dass Frauen jagen."

Auf den Gemeinschaftsjagden trifft Selina Hauptvogel inzwischen immer mehr Frauen, wie sie erzählt. Auch eine ihrer Freundinnen ist Jägerin. Gemeinsam ziehen sie oft mit ihren Hunden los. "Immer mehr Frauen machen den Jagdschein, und ich finde, das ist eine feine Sache", sagt sie. Auch der Deutsche Jagdverband erkennt durchaus einen Trend. Und so heißt es vielleicht bald "Waidfrauheil" statt "Waidmannsheil".

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