Eine Gruppe von Kindern sitzt lächelnd auf einer Bank vor einem Baum.

Die meisten Kinder in Hessen fühlen sich wohl und blicken positiv in die Zukunft - wenn auch nicht uneingeschränkt. Das aktuelle Kinderbarometer ergab auch: Auf die Digitalisierung werden sie in der Schule kaum vorbereitet.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Kinderbarometer steht auf grün bis gelb

Kinder lachen in eine Kamera
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Wie geht es den Kindern in Hessen? Fühlen sie sich von den Eltern genug beachtet? Wie viele von ihnen haben schon unter Mobbing gelitten? Für das aktuelle LBS-Kinderbarometer wurden 621 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen neun und 14 Jahren befragt. Die Studie untersucht acht Lebensbereiche der Kinder, darunter ihr allgemeines Wohlbefinden, ihren Blick auf die eigene Zukunft, Umwelt, Familie und Mobbing. Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

Die meisten Kinder sind zufrieden

Rund drei Viertel der Kinder und Jugendlichen schätzten ihr allgemeines Wohlbefinden positiv ein, jeder Fünfte setzte sein Kreuzchen sogar bei "sehr gut". Sieben Prozent gaben an, sich eher schlecht bis sehr schlecht zu fühlen. Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen oder Schülern verschiedener Schulformen fanden die Forscher nicht. Unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit fühlten sich die Kinder im Allgemeinen ähnlich wohl.

Gehe es ihnen nicht gut, sähen ihre Eltern ihnen das sehr oft sofort an, sagten gut 40 Prozent der Kinder. Bei sechs Prozent der Kinder ist das laut der Umfrage selten oder nie der Fall. Dass die Eltern ihnen zu wenig zutrauen, erlebten die Kinder im Durchschnitt selten.

Fast jeder Zehnte wird regelmäßig gemobbt

Auch nach den eigenen Erfahrungen mit Mobbing wurden die Schüler befragt. Knapp 30 Prozent haben das bisher noch nicht erlebt, acht Prozent allerdings werden oft oder sehr oft von anderen Kindern beleidigt. Jungen mobben eigenen Angaben zufolge häufiger als Mädchen, Hauptschüler häufiger als Kinder anderer Schulformen.

Geringer sind die Zahlen beim Cybermobbing: Vier Prozent gaben an, oft oder sehr oft Opfer geworden zu sein. Das trifft vor allem Kinder mit Migrationshintergrund und Hauptschüler. Die Umfrage zeigte außerdem: Wer selbst Opfer von Mobbing auf dem Schulhof oder im Internet wurde, nimmt auch häufiger die Täterrolle ein.

Blick in die Zukunft: Karriere und Klimawandel

Der Blick auf die mögliche eigene Karriere fällt bei den meisten Befragten positiv aus: Mehr als ein Drittel ist überzeugt, es mit dem angestrebten Schulabschluss sehr wahrscheinlich zum Traumberuf zu schaffen, für weitere 40 Prozent erscheint das ziemlich wahrscheinlich.

Allerdings gab jedes zehnte Kind an, dass es nicht alles habe, was es brauche, um die eigenen Ziele zu erreichen. Vor allem Mädchen, Kinder mit Migrationshintergrund oder Arbeitslosigkeit in der Familie schätzten ihre Situation schlechter ein.

Sorge bereitet vielen Kindern der Klimawandel. Fast alle Schüler haben davon schon gehört (96 Prozent). Mehr als ein Drittel gab an, sich vor den Folgen zu fürchten, bei einem weiteren Drittel war die Angst "mittelmäßig" groß. Für die Mehrheit (zwei Drittel) ist es wichtig, etwas dagegen zu unternehmen. Auf die Frage, was sie zum Umweltschutz beitragen, antworteten die meisten: Müll vermeiden, Müll richtig entsorgen, Fahrradfahren.

Verantwortung zu übernehmen, scheint den Kindern und Jugendlichen auch an anderer Stelle wichtig: Zwei Drittel gaben an, sich an Entscheidungen in ihrer Stadt oder Gemeinde beteiligen zu wollen. Hessen liegt damit bundesweit auf Platz 3. Ernst genommen fühlen sich mehr als 40 Prozent mit ihrem Wunsch nach Mitsprache allerdings nicht - je älter die Befragten, desto größer die Zweifel.

Digitalisierung: In der Schule bei vielen kein Thema

Zum ersten Mal wurde beim Kinderbarometer nach der Digitalisierung in der Schule gefragt. Nur ein Viertel gab an, in der Schule oft oder sehr oft etwas über den Umgang mit "neuen Medien" zu lernen. Bei knapp der Hälfte der Schüler steht das eigenen Angaben zufolge selten oder nie auf dem Lehrplan. Hessen liegt damit bundesweit im unteren Mittelfeld.

In ihrer Freizeit nutzen die Kinder und Jugendlichen das Internet vor allem, um sich Videos anzuschauen und Nachrichten zu schreiben. Soziale Netzwerke wie Facebook dagegen sind in dieser Altersgruppe noch nicht so gefragt: Nur ein Viertel ist dort "sehr oft" aktiv, fast die Hälfte selten bis nie. Bilder oder Videos laden sie im Durchschnitt nur selten hoch.

Gegenüber den Informationen, die sie im Internet finden, sind 35 Prozent der Kinder skeptisch. Nur ein Viertel vertraut ihnen. Vor allem Mädchen und Kinder mit Migrationshintergrund sind der Umfrage zufolge kritischer im Umgang damit.

Weitere Informationen

LBS-Kinderbarometer

Die Studie ist ein Gemeinschaftsprojekt von hessenstiftung - familie hat zukunft und der LBS Hessen-Thüringen. Die Schirmherrschaft liegt bei Sozialminister Kai Klose (Grüne). Die 621 Schülerinnen und Schüler wurden im Sommer 2019 per Fragebogen befragt. Eigenen Angaben zufolge ist die Stichprobe im Blick auf die Verteilung der Jahrgangsstufen und Schulformen repräsentativ.

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Sendung: hr3, 16.09.2020, 18 Uhr