Gast steht am Tresen der Gießener Enjoy-Bar.

Ab Montag ist erst einmal Schluss mit Cafébesuch am Mittag, Essen im Restaurant am Abend und dem Absacker in der Lieblingsbar. Ein Besuch in zwei Bars zeigt, was Wirte und Gäste in Gießen an den letzten Abenden beschäftigt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Auf ein letztes Bier vor dem Teil-Lockdown

Inhaberin Sowieso Britta Prell spült ein Glas
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Abraham Tewolde steht hinter dem Tresen und mixt einen der vorerst letzten Cocktails in seiner Gießener Enjoy Bar. In bester Innenstadtlage wäre bei ihm eigentlich Platz für über 150 Gäste, aber nur vor Corona.

An diesem Abend sitzen gerade mal um die 20 Menschen an den Tischen, mit Abstand natürlich. Und ab Montag bleibt der Laden komplett leer. Abraham kann es zwar nachvollziehen, dass jetzt strenge Regeln nötig sind, traurig ist er aber trotzdem. "Man sitzt da und kann kein Geld verdienen."

Den Lockdown im Frühjahr hat er wie viele Gastronomen mit den Hilfen vom Staat überstanden. Darauf setzt er auch dieses Mal und ist auch dankbar dafür. Die Zeit, bis er seinen Laden wieder aufmachen darf, will er mit seiner Familie verbringen.

Harte Zeit für Aushilfen

Ein großes finanzielles Problem ist der Shutdown für Tewoldes Bedienungen, wie Katharina Ixmann. Sie ist Studentin und verdient sich mit dem Job einen Teil ihres Lebensunterhalts dazu. "Ich hatte extra noch einen zweiten Job in der Gastronomie angenommen. Aber da dort ja jetzt auch zu ist, wird das ziemlich hart." Immerhin: Die Zeit, die sie jetzt dazugewinnt, will sie für ihre Bachelorarbeit nutzen.

Barbesitzer und Bedienung stehen am Tresen

Das Soziale wird fehlen

Auch die Gäste der Bar müssen sich für ihre Abende wieder andere Beschäftigungen suchen. Der 22-jährige Yanis Carstens hat beim Lockdown Anfang des Jahres seine sozialen Kontakte ins Internet verlagert.

"Da haben wir dann über Skype unsere abendlichen Bierrunden oder auch das Kaffeetrinken gemacht. Aber es ist halt irgendwie nicht das gleiche Feeling."

Andere Bar, gleiches Problem. Ein paar Straßen weiter liegt die Kellerkneipe Sowieso. Gast Heiko hat keine Lust auf die nächsten Wochen ohne seine Stammbar. Was ihm am meisten fehlen wird, sind die anderen Bargäste und seine Freunde. Man werde wieder "auf das eigene Ich zurückgeschraubt", beschreibt er die Situation.

Gast sitzt an einem Tisch im Sowieso

Manche haben sich schon an die Situation gewöhnt

Andere haben sich dagegen schon damit abgefunden, dass 2020 für Feiern mit Freunden ein verlorenes Jahr ist. "Es ist jetzt weniger schlimm, als es Anfang des Jahres war. Man ist es ein bisschen gewohnt", sagt Tätowierer Lars Becker.

Dass wir klare Regeln brauchen, um die Corona-Zahlen in den Griff zu bekommen, finden alle Gäste, die am Abend in den Gießener Kneipen Enjoy und Sowieso sitzen. Aber Bars und Restaurants komplett dicht machen? Da sind sich nicht alle einig.

Angst vor den nächsten Monaten

"Ich finde das unmöglich, dass da jetzt so ein Lockdown gemacht wird", kritisiert Übersetzerin Patrycja Taranek. Die Gastronomie habe sich vorbereitet, mit Datenerfassung, mit Plexiglas und vielem mehr. Sie fürchtet für viele Betriebe jetzt die Pleite.

Sowieso-Inhaberin Britta Prell war nach der Verkündung des Lockdowns erst einmal sauer. Einen Tag später macht sie sich eher Sorgen darüber, ob es dabei bleibt, dass sie wirklich nur den November dicht machen muss. "Das sehe ich nicht. Ich sehe den Dezember auch noch zu und den Januar auch noch. Und das macht mir ein bisschen Angst."

Um Punkt 23 Uhr muss sie ihren Laden abschließen. Am Wochenende zum vorerst letzten Mal.

Sendung: hr-iNFO, 30.10.2020, 8.35 Uhr