Ein älterer Mann mit Glatze und Brille eilt an einem geschlossenen Lokal in Wiesbaden vorbei. Vor der Gaststätte sind Tische und Stühle zusammengeräumt und angekettet.

Alle Lokale geschlossen, nur noch Mini-Gruppen erlaubt: Im Kampf gegen die Ausbreitung des Corona-Virus gelten in Hessen noch strengere Vorschriften. Die allermeisten halten sich dran. Die Polizei kontrolliert trotzdem.

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In Hessen werden die strikteren Corona-Auflagen und Schutzmaßnahmen, die seit Samstagmittag punkt 12 Uhr in Kraft sind, bisher gut eingehalten. So lautet jedenfalls eine vorläufige Einschätzung der hessischen Polizeipräsidien. Auf hr-Nachfrage erklärten die zuständigen Polizeisprecher, dass sich Gaststätten-Betreiber und Ladenbesitzer, aber auch Privatpersonen weitgehend an die ausgesprochenen Regeln der Landesregierung hielten.

Demnach seien Geschäfte und Lokale seit dem Mittag geschlossen, an beliebten Hotspots in Innenstädten oder Parks seien kaum größere Menschenansammlungen unterwegs - anders als an den Tage davor.

Polizei kontrolliert Maßnahmen

Die schärferen Maßnahmen der Landesregierung sollen dafür sorgen, die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen. So dürfen sich nur noch maximal fünf Personen, die nicht in einem gemeinsamen Haushalt leben, an einem öffentlichen Platz versammeln. Gastronomen mussten ihre Lokale am Samstag um 12.00 Uhr bis auf Weiteres schließen. Thekenverkauf zur Mitnahme bleibt allerdings vorerst erlaubt.

Vorerst nur noch zum Mitnehmen: Ein Restaurant im Frankfurter Nordend informiert seine Kunden.

Polizeibeamte kontrollieren im Zuge ihrer regulären Streifen, dass Gruppen aus nicht mehr als fünf Personen bestehen. Andernfalls würden diese ermahnt. Nach Einschätzung der Polizeidienststellen könnte auch das kühle Wetter dazu beigetragen haben, dass es draußen ruhiger geworden ist.

Vereinzelt wurden Bürger heute auch per Lautsprecher-Durchsagen über die neuen Regelungen informiert – so war etwa die Feuerwehr im südhessischen Weiterstadt (Darmstadt-Dieburg) mit Einsatzwagen unterwegs und appellierte an die Bewohner, zum Schutz vor Corona zuhause zu bleiben.

Sozialminister appelliert an Bevölkerung

Corona: Leere Straßen im Bahnhofsviertel

Mehrere Polizeisprecher aus Hessen bestätigten der Nachrichtenagentur dpa auch, dass die Zahl der Einsätze insgesamt spürbar zurückgegangen sei. Das Polizeipräsidium in Offenbach etwa hatte - ungewöhnlich für einen Freitagabend - am Samstag keine größeren Einsätze zu vermelden.

Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) appellierte am Samstag auf Twitter noch einmal an die Hessen, sich an die Maßnahmen und Abstandsregeln zu halten. Das sei nötig, um die Risikogruppen wie etwa alte oder geschwächte Menschen zu schützen. "Treffen Sie so wenig Menschen wie möglich", erklärte Klose eine wichtige Grundregel. "Und wenn Sie sich dort dann begegnen, halten Sie einen Abstand von mindestens 1,5 Metern zueinander."

Ab heute Mittag gelten in #Hessen weitere Einschränkungen. Das ist notwendig, um die Verbreitung des SARS-CoV-2-Virus möglichst rasch zu verlangsamen. Viele Menschen fragen sich in dieser Situation, was sie selbst tun können. Minister @StM_Klose gibt Antworten. #COVIDー19 #Corona

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Auf eine noch weiterreichende Ausgangssperre und Restriktionen wie zum Beispiel in Bayern hat Hessen zunächst noch verzichtet. Ausgeschlossen ist ein solcher völliger "Lockdown" aber nicht. Am Sonntagnachmittag wollen sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und seine Amtskollegen in einer Telefonschalte mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) beraten.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.03.2020, 19.30 Uhr