Finn Hedderich und seine Schwester Lisa aus Ebsdorfergrund

Im vergangenen Jahr erkrankte der siebenjährige Finn aus Ebsdorfergrund an Blutkrebs. Auf die nötige Stammzellenspende musste er nicht lange warten. Andere Familien haben nicht so viel Glück.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Siebenjähriger erhält Knochenmarkspende von Schwester

Finn Hedderich und seine Schwester Lisa aus Ebsdorfergrund
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Der sieben Jahre alte Finn und seine neunjährige Schwester Lina spielen Fangen auf dem Sofa, sie toben und lachen zusammen. Ab und zu zanken sie sich auch mal. Ganz normal eigentlich.

Für Familie Hedderich aus Ebsdorfergrund im Kreis Marburg-Biedenkopf waren die letzten Monate allerdings alles andere als normal. Im vorigen Sommer hatte Finn wiederholt Nasenbluten und blaue Flecken, die nicht rasch verschwanden. Er fühlte sich oft schwach, seine Beine taten weh. Seine Mutter Melanie Hedderich entschied deshalb im September, einen Bluttest zu machen. "Es hätte ja sein können, dass er einen Zeckenbiss hatte, den wir übersehen haben. Das wollte ich abklären lassen", erinnert sie sich.

Ein Wunder, dass Finn noch laufen konnte

Am darauffolgenden Tag dann der schockierende Anruf vom Hausarzt: Finn müsse sofort in die Notaufnahme, die Blutwerte seien schlecht.

Die Pflegerinnen und Ärzte der Marburger Uniklinik seien verwundert gewesen, dass der Siebenjährige mit derart schlechten Blutwerten überhaupt noch laufen habe können, berichtet die Mutter. Nach einer ersten Untersuchung dann die Vermutung: Leukämie.

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Blutkrebs

Blutkrebs ist der Oberbegriff für bösartige Erkrankungen des Knochenmarks bzw. des blutbildenden Systems. Eine Art davon ist Leukämie. Bei diesen Krankheiten wird die normale Blutbildung gestört, weswegen das Blut seine lebensnotwendigen Aufgaben nicht mehr ausführen kann, zum Beispiel Infektionen bekämpfen, Sauerstoff transportieren und Blutungen stoppen.

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Sofort war klar: Finn braucht eine Stammzellenspende. Die ganze Familie wurde daraufhin getestet. Finns Mutter und sein Vater Jens Hedderich schieden als Spender aus. Das ist nicht ungewöhnlich. Nach Angaben der Organisation DKMS, die Stammzellenspenden vermittelt, findet nur ein Drittel aller Blutkrebspatienten innerhalb der eigenen Familie einen passenden Spender. Seine Schwester Lina passte demnach immerhin zu 60 Prozent.

100-prozentige Übereinstimmung mit Schwester

Dann gab es weitere Untersuchungen, denn noch immer war nicht ganz klar, welche Bluterkrankung genau Finn hatte. Im Oktober stand dann fest: Finn hatte zwar keine Leukämie - jedoch eine andere Art von Blutkrebs, weswegen sein Knochenmark versagte. Die gute Nachricht: Mit seiner Schwester Lina gab es nun eine 100-prozentige Übereinstimmung. Sie konnte ihrem Bruder Knochenmark spenden. Finns Mutter hat noch heute Tränen in den Augen, wenn sie davon erzählt.

Im Dezember, nach einer vierwöchigen Chemotherapie und eine Woche vor Weihnachten, folgte die Stammzellenspende. Finn war voller Vorfreude, die Eltern waren besorgt: beide Kinder im Krankenhaus. "Alles verlief reibungslos. Am 17. Dezember begann sein neues Leben", erzählt Melanie Hedderich.

Viele warten vergeblich auf eine Spende

Finns Körper nahm die Spende sehr gut an, seine Blutwerte stabilisierten sich. Nach fünf Wochen konnte er aus der Klinik nach Hause. Finn sei erst mal durch die komplette Wohnung gelaufen, berichten die Eltern. Er war überglücklich, ebenso seine Schwester Lina.

Die Familie hat nach eigener Einschätzung großes Glück gehabt. Auf der Onkologiestation trafen die Hedderichs andere Familien, die keinen passenden Spender fanden. Deshalb werben die Hedderichs dafür, dass sich mehr Menschen als Stammzellenspender registrieren lassen. "Das tut nicht weh, und das müssen sich die Leute immer wieder ins Gedächtnis rufen. Vielleicht ist man mal zwei Tage krankgeschrieben, aber man kann damit Menschenleben retten. Oder Kinderleben", sagt Finns Mutter.

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Stammzellenspender

Nach Angaben des zentralen Knochenmarksspenderegisters sind in Deutschland rund 9,1 Millionen Menschen als Knochenmark- oder Stammzellenspender registriert - davon allein rund 6,5 Millionen bei der DKMS. Wie viele Patienten auf eine Spende warten, ist nicht bekannt. 2019 spendeten laut DKMS etwa 5.600 Menschen Knochenmark. Jeder zehnte Bedürftige wartet vergeblich auf eine Spende.

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Sendung: hr1, 13.03.2020, 12.42 Uhr