Das Jerusalemer Tor in Büdingen. Davor stehen im Außenbereich einer Gastronomie Tische, an denen Menschen sitzen.

Die Inzidenz ist stabil unter 50, die Wetterau lockert. Ein Rundgang durch Büdingen zeigt: Die Menschen genießen die neuen Freiheiten, bleiben aber vorsichtig.

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Süchtig durch Corona | hessenschau vom 21.05.2021
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Geöffnete Mode-Geschäfte und Innengastronomie, Sport ohne Testpflicht, alle Schüler wieder im Unterricht: Die Wetterau hat die zweite Stufe des hessischen Lockerungsplans erreicht. Doch von "normal" ist das Leben in Büdingen noch ein Stück entfernt - was nur zum Teil an der Corona-Pandemie liegt. Denn einige Geschäfte und Gaststätten in der Altstadt können noch nicht öffnen, sie kämpfen weiter mit den Folgen des Jahrhunderthochwassers am 29. Januar. Und doch: Es läuft langsam an. Die Menschen flanieren durch die Innenstadt, stöbern nach Kleidung, genießen die Sonne. Auch eine vorsichtige Spontaneität ist wieder möglich, wie diese Beispiele zeigen.

"Endlich Leben in der Stadt"

Giovanni Infurna in seinem Lokal La Locanda an einem Tisch sitzend, das Buchungsbuch und ein Telefon vor sich und seinen Daumen nach oben hebend.

Einer, der den Innenraum seiner Pizzeria am Freitag öffnen konnte, ist Giovanni Infurna. Sein Restaurant liegt oberhalb des Bereichs, den die Fluten im Januar verwüstet haben. Regelrecht euphorisch ist er: "Es ist so schön. Endlich kommt wieder Leben in die Stadt." Es sei deprimierend gewesen, wie ausgestorben sie monatelang gewesen war. Sein Restaurant habe die Pandemie nur durch die staatliche Hilfen überleben können, "der Umsatz nur durch die Bestellungen hätte nicht gereicht".

Seit er am Mittwoch den Außenbereich seines kleinen "La Locanda" öffnen konnte, steht sein Telefon nicht mehr still: "Ich kann das Ding bald nicht mehr hören", sagt er lachend. Für den Mittag habe er einige Innen-Reservierungen, dass die Gäste draußen keine Tests mehr brauchen, helfe bei der Laufkundschaft: "Jetzt können sich die Leute auch spontan wieder zum Essen hinsetzen." Für den Abend geht ein Tisch nach dem anderen weg: "Die Leute wollen einfach raus - sich frei fühlen."

"Mussten uns einfach verabreden"

Drei sitzende und zwei stehende Frauen in Büdingen in einem Café.

Zwanzig Meter weiter sitzen drei Freundinnen in "Fanny's Café" am Büdinger Wahrzeichen, dem Jerusalemer Tor. Es ist das erste Mal seit acht Monaten. "Als klar war, dass die Innengastronomie wieder öffnen darf, mussten wir uns einfach verabreden", erzählen sie (ihren Namen wollen sie nicht im Internet lesen). Seit fast 40 Jahren sind sie befreundet. Normalerweise treffen sie sich jeden Freitag auf ein Pläuschen in ihrem Stammcafé - bis Corona kam.

"Da mussten wir aufs Telefon ausweichen", sagen sie, "aber unsere Freundschaft hat uns durch die Pandemie getragen." Jetzt seien sie geimpft, weswegen sie ohne Test in den Innenraum konnten: "Draußen wäre es uns noch zu kalt gewesen." Die Lockerungen sehen sie mit gemischten Gefühlen: "Wir sind generell noch sehr vorsichtig, auch aus Solidarität mit den Jüngeren, die noch nicht geimpft werden konnten."

Außerdem treibt sie um, dass die Inzidenzen bei zu viel Sorglosigkeit wieder steigen könnten. In den vergangenen Tagen sei schon recht viel los gewesen in Büdingen: "Es waren viele Kennzeichen aus Gelnhausen, Aschaffenburg oder anderen Städten zu sehen - die Menschen bleiben ja nicht in ihrem Landkreis."

"Singles sind vereinsamt"

Zwei Frauen im Fitnessstudio in Büdingen. Eine sitzt an einem Trainingsgerät und trainiert. Die andere steht daneben und lächelt mit Maske in die Kamera.

Als "dramatisch" beschreibt Alexandra Maisch, Leiterin des Büdinger Fitnessstudios Injoy, die Schließung vieler Sportstätten im Lockdown: "Viele unserer Mitglieder fangen jetzt wieder bei Null an." So klagten sie über Schmerzen, die sie vorher im Griff hatten, auch Dampf ablassen ging nicht, "Singles sind vereinsamt, diese Funktion haben Fitnessstudios ja auch", ergänzt sie augenzwinkernd. Umso größer war die Freude, als die Studios im Wetteraukreis vergangene Woche wieder öffnen durften - wenn auch erst einmal nur mit Terminbuchung, dafür seit Freitag ohne Test.

Bei Mitglied Claudia Lehr etwa hatte zuletzt massive Rückenprobleme, wie sie berichtet. "Ich bin sofort nach der Öffnung wieder hergekommen." Spazierengehen sei ein netter Ausgleich, helfe aber auf Dauer nicht. Auch sie bleibt ansonsten lieber noch vorsichtig: "Man will zwar raus. Ins Restaurant hat es mich aber noch nicht gezogen. Da gehe ich lieber ins Studio."

Weitere Informationen

Stufe 2 des hessischen Lockerungs-Plans

Laut Stufe 2 des hessischen Lockerungsplans dürfen sich bei einer stabilen Inzidenz von unter 50 wieder zwei Haushalte treffen (Geimpfte/Genesene/Kinder unter 14 zählen nicht mit). Geschäfte dürfen öffnen - mit Zugangsbeschränkungen und Maskenpflicht, ein aktueller Test wird nur noch empfohlen. Gastronomische Innenbereiche dürfen mit Testpflicht, Abstand und Kontakterfassung öffnen; Außenbereiche mit Auflagen und Testempfehlung. Hotels und Freizeitangebote sind ebenfalls unter Auflagen geöffnet. Mannschaftssport ist möglich, für Fitnessstudios gibt es nur noch eine Testempfehlung. Die einzelnen Regelungen finden Sie in unserer Übersicht.

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Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 21.05.2021, 19.30 Uhr