Schule in Corona-Zeiten

Hessens Landesregierung hat über weitere Maßnahmen in der Corona-Pandemie informiert. Wichtigster Beschluss: Mit Beginn des neuen Schuljahres gilt eine Maskenpflicht in Schulen außerhalb des Klassenzimmers. Zum Thema Schnupfen gab es eine Klarstellung.

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hessenschau vom 14.08.2020
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Am Montag starten Hessens Schulen erstmals seit Mitte März im Normalbetrieb - soweit das unter Corona-Bedingungen möglich ist. Kultusminister Alexander Lorz (CDU) informierte am Donnerstag darüber, wie dieser Betrieb gestaltet werden soll. Vieles sei schon bekannt, sagte Lorz, viele Fragen habe es aber zum Umgang mit einfachen Schnupfensymptomen gegeben.

Die Landesregierung wolle dazu nun klarstellen, dass ein alleiniger Schnupfen kein Grund sei, ein Kind nach Hause zu schicken. Dazu müssten Symptome wie Fieber, trockener Husten und allgemeine Abgeschlagenheit kommen. Dann sei das Kind nach Hause zu schicken, zu beobachten und eventuell ein Test zu veranlassen.

Ähnliches gelte für den Umgang mit einfachen Erkältungssymptomen in Kitas. Da hier Abstände nicht eingehalten werden könnten, hätten alle Erzieherinnen und Erzieher wie auch die Lehrerinnen und Lehrer die Möglichkeit, sich zwischen dem 17. August bis 8. Oktober kostenlos testen zu lassen.

Landesweite Maskenpflicht

Schon am Mittwoch hatte die Regierung bekannt gegeben, dass in allen Schulen außerhalb des Klassenzimmers Maskenpflicht herrscht. In Einzelfällen könne davon abgewichen werden, sagte Lorz. Im Unterricht sehe das Land davon ab: "Das reduziert die pädagogische Interaktion und Lernmöglichkeiten." Auch hier könne in Einzelfällen davon abgewichen werden.

Das bedeute auch nicht, dass es verboten wäre, im Unterricht eine Maske zu tragen, bekräftigte Lorz. "Natürlich wissen wir, dass das Ansteckungsrisiko nicht an der Klassentür Halt macht." Vor diesem Hintergrund könne jeder selbst entscheiden, die Maske im Unterricht anzubehalten. Auch eine ganze Schule könne das für sich entscheiden - das sei aber eine freiwillige Lösung.

"Wir verfolgen alle sehr intensiv die Debatten, die wir in unserem Land haben", sagte Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) gleich zu Beginn der Pressekonferenz am Donnerstagmorgen. Die Frage, wie mit den Schulöffnungen umgegangen wird, sei intensiv beraten worden. Die Landesregierung nehme den Bildungsanspruch sehr ernst, es sei bei über 2.000 Schulen aber gleichzeitig "weltfremd zu glauben, dass nicht irgendwo jemand infiziert ist", sagte Bouffier. Ziel der Landesregierung sei es, gezielt auf Neuinfektionen zu reagieren.

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Die Regelungen in der Übersicht

Mund-Nasen-Schutz

Hessische Schüler und Lehrer müssen mit Beginn des neuen Schuljahres am Montag außerhalb der Klassenzimmer einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das Land macht den Schulen damit einheitliche Vorgaben wegen der Corona-Pandemie, wie Staatskanzlei und Kultusministerium schon am Mittwoch (12. August) in Wiesbaden mitteilten.

Für den Schulstart seien den Schulen unter anderem eine Million Mund-Nase-Schutzmasken, eine Million FFP2-Masken und 17.000 Liter Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt worden, berichtete das Kultusministerium am Freitag (14. August).

Mindestabstand

Die 1,5-Meter-Abstand-Regel gilt zwischen Lehrern, Schülern und Betreuern innerhalb des Klassenverbandes für den Präsenzunterricht nicht mehr. Der Mindestabstand soll jedoch beispielsweise bei Konferenzen oder Schulveranstaltungen nach wie vor eingehalten werden.

Umgang mit Krankheitssymptomen

In einem Elternbrief hat die Landesregierung den Umgang mit Krankheitssymptomen präzisiert. Demnach ist ein Schnupfen ohne weitere Krankheitszeichen genauso wenige ein Grund, ein Kind vom Unterricht auszuschließen wie leichter Husten oder Halskratzen. Hinzukommen müssten Symptome wie Fieber, trockener Husten und eine Störung des Geschmacks- oder Geruchssinns. In diesem Fall sollten Eltern Kontakt mit dem Kinder- oder Hausarzt aufnehmen und das weitere Vorgehen besprechen.

Tests

Seit Montag (10. August) können sich Lehrer, Refendare, sozialpädagogische Mitarbeiter und Erzieher kostenlos auf Corona testen lassen – verpflichtend sind die Tests allerdings nicht. Wer möchte, kann den Test alle 14 Tage wiederholen. Die Regelung gilt vorerst bis zu den Herbstferien.

Sportunterricht

Sport darf wieder in allen Schulformen und Jahrgangsstufen unterrichtet werden - es gelten jedoch Schutzmaßnahmen. Zuletzt waren Kontaktsportarten nur mit maximal zehn Personen möglich. Künftig wird unter anderem jeder Schülergruppe ein festgelegter Bereich innerhalb der Sportstätte zugewiesen, die Gruppen dürfen sich nicht mischen. Der direkte körperliche Kontakte sollte auf das "sportartspezifisch notwendige Maß" reduziert werden, heißt es in einer Anlage zum Hygieneplan. Überörtliche schulsportliche Wettbewerbe bleiben verboten.

Musikunterricht

Musikunterricht ist unter Einhaltung von Vorgaben möglich. Gemeinsames Singen und gemeinsames Musizieren mit Blasinstrumenten bleibt aber bis Ende Januar 2021 im Klassenraum untersagt - die Lehrer müssen dafür mit den Schülern ins Freie gehen.

Hygieneregeln

Menschen mit Krankheitssymptomen, die auf Covid-19 hindeuten, dürfen die Schulen nicht betreten. Auf Körperkontakte wie Umarmungen und Händeschütteln soll weiter verzichtet werden. Mindestens alle 45 Minuten muss ein Klassenraum gründlich gelüftet werden. Das Ministerium empfiehlt, die Corona-Warn-App zu nutzen.

Risikogruppen

Wer wegen einer Grunderkrankung oder Immunschwäche zur Risikogruppe zählt, kann sich gegen Vorlage eines Attests vom Unterricht freistellen lassen. Das gilt sowohl für Schüler als auch für Lehrer. Von der generellen Schul- bzw. Dienstpflicht seien Betroffene damit aber nicht entbunden, wie das Kultusministerium erklärte. Schüler sollen, wenn möglich, digital zum Unterricht zugeschaltet werden.

Verlegung der schriftlichen Abi-Prüfungen

Ab diesem Schuljahr finden die schriftlichen Abitur-Prüfungen zum ersten Mal nach den Osterferien statt. Diese Verlegung war schon länger in Planung, sollte eigentlich aber erst ab 2022 greifen. Wegen der Corona-Pandemie ist sie nun vorgezogen worden. Dadurch sollen die Abiturienten die notwendige Zeit erhalten, Unterrichtsstoff nachzuarbeiten und sich auf die Prüfungen vorbereiten zu können, so Kultusminister Lorz.

Elterntelefon

Das Hessische Kultusministerium bietet gemeinsam mit den 15 Staatlichen Schulämtern zum Start des neuen Schuljahrs wieder ein "Elterntelefon" an. In den ersten beiden Schulwochen vom 17. bis 28. August 2020 stehen nach Angaben des Ministeriums montags bis freitags in der Zeit von 9 bis 16 Uhr sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatlichen Schulämter als auch Ansprechpartner des Ministeriums bei allen Fragen rund um das Thema Schule zur Verfügung. Die Nummern sind auf der Webseite des Ministeriums aufgelistet.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 14.08.2020, 19.30 Uhr