"Löwen im Herz" und den Doppeladler vor der Brust: Shkodran Mustafi auf der Seite des Sozialministeriums
"Löwen im Herz" und den Doppeladler vor der Brust: Shkodran Mustafi auf der Seite des Sozialministeriums Bild © Kampagnenseite "Löwen im Herz" des Sozialministeriums (Screenshot)

Für seine Integrationskampagne "Löwen im Herz" wirbt das Land Hessen mit Fotos von Prominenten mit Migrationshintergrund. Bis vor kurzem war auch Fußball-Weltmeister Shkodran Mustafi auf der Internetseite der Kampagne zu sehen. Jetzt ist das Foto von der Seite verschwunden - wegen einer umstrittenen Geste des Profis.

Shkodran Mustafi ist ohne Zweifel ein hessisches Integrationsvorbild. In Bad Hersfeld als Sohn albanisch-mazedonischer Einwanderer geboren, hat er es 2014 zum Fußball-Weltmeister gebracht. Das Sozialministerium stellte Mustafi deshalb mit einem Foto auf seiner Kampagnenseite "Löwen im Herz" aus, im DFB-Dress, den goldenen Pokal auf dem Schoß - und mit der umstrittenen Doppeladlergeste.

Seit einer hr-Anfrage am vergangenen Mittwoch ist das Foto verschwunden. Mustafi ahmt darauf mit den Handflächen Adlerschwingen nach. Die überkreuzten Daumen stehen für die zwei Köpfe eines Doppeladlers. Ein Doppeladler schmückt auch die Flagge Albaniens. Diese Geste werde deshalb mit dem albanischen Nationalismus in Verbindung gebracht, sagt Bruno Schoch von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. Erst kürzlich hat Mustafi sie auch beim Torjubel für Arsenal London gezeigt und wurde dafür in England kritisiert.

Geste bringt Serben in Rage

Weltweit bekannt wurde die Geste bei der Fußball-WM. Die Schweizer Nationalspieler Granit Xhaka und Xherdan Shaqiri, die beide kosovo-albanische Wurzeln haben, formten im Spiel gegen Serbien beim Torjubel mit den Händen den Doppeladler. Serbische Fans fühlten sich provoziert und schäumten vor Wut. Viele Serben schmerzt immer noch, dass der Kosovo unabhängig und kein Teil Serbiens mehr ist. Viele Albaner dagegen sehen den Kosovo ethnisch und kulturell eher bei Albanien.

Xhaka, Shaqiri und der Schweizer Mannschaftskapitän Stephan Lichtsteiner, der auch die Geste gezeigt hatte, wurden von der FIFA mit jeweils 5.000 Franken Geldstrafe belegt und mussten viel öffentliche Kritik einstecken. Und auch das Mustafi-Foto in Hessen erregt Anstoß. Der Zentralrat der Serben in Berlin erklärt: Das Bild sei "völlig ungeeignet für eine Integrationskampagne". Mustafi sende ein Code-Zeichen: "'Schaut mal, ich spiele für euch, mein Herz schlägt für euch, für alle Albaner!'" Es sei eine Geste, die alle anderen ausschließe.

Mustafi-Vater: "Schwachsinn!"

Ist Mustafi also ein albanischer Nationalist? Sein Berater und Vater Kujtim Mustafi wollte sich auf telefonische Anfrage des Hessischen Rundfunks nicht auf die Frage einlassen. Diese Debatte sei Schwachsinn. "Wer sich auf den Schlips getreten fühlt, soll sich auf den Schlips getreten fühlen", so Vater Mustafi wörtlich.

Das Hessische Sozialministerium, das die Kampagne initiierte, hat auf jeden Fall schnell reagiert. Kaum hatte der hr wegen des umstrittenen Fotos angefragt, war das Bild auch schon von der Internetseite verschwunden und durch ein Porträt der Fußball-Nationalspielerin Saskia Bartusiak ersetzt. Das Ministerium erklärt dazu, es sei erst durch die hr-Anfrage auf die Symbolik des Doppeladlers aufmerksam geworden. Jetzt wolle man die Hintergründe klären, auch im direkten Gespräch mit Mustafi.

Özil lässt grüßen

Wissenschaftler Schoch von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung findet diese Reaktion des Landes verständlich. Die Auswahl des Fotos für eine Integrationskampagne sei ungeschickt gewesen, da die Geste zumindest einen nationalistischen Beigeschmack habe. "Andererseits macht das Foto deutlich, was viele Menschen mit Migrationshintergrund empfinden: Sie haben eine zweifache Identität. Mesut Özil lässt grüßen", sagt Schoch.

Sendung: hr-iNFO, 21.09.2018, 14 Uhr