Eine Frau zündet ein Grablich an. Vor einer Mauer sind die Portraitfotos der Opfer des Anschlags vom 19. Februar aufgestellt.

Drei Monate nach dem rassistisch motivierten Anschlag in Hanau haben rund 150 Menschen an den Tatorten der Opfer gedacht. Der Schmerz bei den Angehörigen sitzt noch tief.

Am 19. Februar erschoss Tobias R. in Hanau neun Menschen aus rassistischen Motiven und anschließend auch seine Mutter und sich selbst. Drei Monate später haben Angehörige, Freunde und Unterstützer der Opfer des Anschlags am Dienstag an den Tatorten der Toten gedacht.

In Hanau-Kesselstadt, wo am 19. Februar in und vor einem Kiosk fünf Menschen erschossen wurden, legten die Teilnehmer vor den Portraits der Ermordeten Blumen ab und entzündeten Kerzen. Ein orthodoxer Geistlicher sprach auf Wunsch der Familie Gebete für eines der Opfer - den 23-jährigen Vili Viorel Păun.

Angehörige nach wie vor erschüttert

Hinterbliebene zeigten sich drei Monate nach der Tat immer noch schwer erschüttert: "Die Leute sind immer noch seelisch kaputt", sagte Filip Kierpacz, dessen Tochter Mercedes in Kesselstadt erschossen wurde. "Es ist hart. Da kommt alles wieder hoch", erklärte Cetin Gültekin, Bruder des ermordeten Gökhan Gültekin. "Aber schön, dass immer noch so viele Menschen da sind."

Nach der Gedenkkundgebung in Kesselstadt zogen die Teilnehmer zum rund zwei Kilometer entfernten ersten Tatort, einer Shisha-Bar in der Hanauer Innenstadt. Auch dort sowie vor dem Brüder-Grimm-Denkmal wurden Blumen niedergelegt und Kerzen entzündet. An der Veranstaltung nahmen auch Robert Erkan, der Operbeauftragte der Stadt Hanau und Edgar Franke, der Opferbeauftragte des Bundes, teil.

Gemeinsames Fastenbrechen

Im Anschluss lud das "Institut für Zivilcourage und Toleranz - 19. Februar" zum gemeinsamen Fastenbrechen in den Congress Park ein. Der überwiegende Teil der Opfer stammte aus muslimischen Familien, die derzeit den Fastenmonat Ramadan begehen.

Am 19. Februar hatte der Attentäter Tobias R. an den beiden Tatorten gezielt Menschen mit Migrationshintergrund ins Visier genommen. Anschließend tötet er in seiner Wohnung unweit des zweiten Tatortes sich selbst und seine Mutter. Zuvor hatte er im Internet ein Pamphlet mit rassistischen und verschwörungstheoretischen Inhalten veröffentlicht. Die Ermittlungsbehörden stufen die Tat als rechtsextremen Terroranschlag ein.