Ankathrin Förster zeigt die Wurmkiste auf ihrem Balkon.

Würmer auf dem Balkon, kaum Plastik in der Wohnung: Jeder kann im Alltag Beiträge zum Klimaschutz leisten. Dazu mahnt der Earth Day. Auch das Land hat Klimaschutzziele - ein paar hat es schon umgesetzt.

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zum Video Earthday, auch Hessen macht mit

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Ankathrin Förster hat sich Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben beziehungsweise ins Instagram-Profil: Dort und auf ihrem Blog versucht die Frankfurterin anderen Menschen Klimaschutz und die Natur näher zu bringen. "Mir ist wichtig, dass die Leute nicht denken, sie sind ein Tropfen auf den heißen Stein. Mit den ganz vielen kleinen Dingen, die man ändert und vorlebt, verändert man auch etwas im Gegenüber und in seiner Denkweise." Und das an jedem Tag des Jahres, auch am Earth Day am 22. April.

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Earth Day

Der Earth Day findet seit 1970 jedes Jahr am 22. April statt. Er wird in über 175 Ländern begangen und soll die Wertschätzung für die natürliche Umwelt stärken, aber auch dazu anregen, das Konsumverhalten zu überdenken. Das Motto in Deutschland 2021 lautet: "Jeder Bissen zählt. Schütze, was Du isst."

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In Ankathrin Försters Wohnung findet man viele Pflanzen, viel Selbstgemachtes, sehr wenig Plastik - und Würmer. Diese kleinen Haustierchen, wie die Kinder sie auch bezeichnen, leben in einer Holzkiste auf dem Balkon. "Die Wurmkiste dient dazu, den Biomüll zu Wurmhumus zu machen, also zu Erde", erklärt Ankathrin Förster. Diese könne man ernten und als Pflanzendünger verwenden, genau wie den sogenannten Wurmtee, die aufgefangene Flüssigkeit in der Schublade unter der Kiste.

Jeder noch so kleine Schritt zählt

Seit über drei Jahren besitzt Familie Förster dieses hochfunktionale Balkonmöbel. Gut die Hälfte des Biomülls kann sie nach eigenen Angaben damit verwerten. Dass solche kleinen Eigeninitiativen einen Nutzen für den Planeten haben, bestätigt Immanuel Stieß vom Frankfurter Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE): "Unsere Alltagsentscheidungen haben erhebliche Auswirkungen auf das Klima. Ein großer Anteil der Emissionen entsteht in den Bereichen Wohnen, Mobilität und Ernährung."

In Befragungen hat der Wissenschaftler herausgefunden, dass sehr viele Menschen bereits dabei sind, etwas in ihrem Alltag zu verändern: "Der Klimawandel und seine Dringlichkeit sind im Bewusstsein der Bevölkerung inzwischen sehr präsent." Häufig und auch effektiv sei ein reduzierter Konsum von Fleisch. "Durch eine fleischarme Ernährung und den maßvollen Konsum von Milchprodukten kann ich meine ernährungsbedingten Klimaemissionen um gut 40 Prozent verringern."

Ebenso könne beispielsweise die Wahl der Wohnung eine Rolle spielen. "Je größer die Wohnung ist, desto mehr Energie benötige ich zum Heizen oder Kühlen." Grundsätzlich gelte: Jeder Schritt zählt.

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Hessische Klimaziele

Der integrierte Klimaschutzplan Hessen will bis 2025 die Treibhausgasemissionen um 40 Prozent im Vergleich zum Jahr 1990 reduzieren, bis 2030 um rund 55 Prozent. 2050 will das Land klimaneutral sein und die Emissionen um 90 Prozent reduziert haben. Von 140 geplanten Maßnahmen hat das Land nach eigenen Angaben 103 begonnen und zehn vollständig abgeschlossen. Damit müssten bis 2025 noch 130 Maßnahmen vollendet werden. Die tatsächliche Emissionsminderung lag 2019 nach einer Schätzung des Öko-Instituts bei 24 Prozent und 2020 womöglich bei 29 Prozent.

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Nach und nach das Verhalten verändern

Mit Veränderungen in ihrem Alltag wie der Wurmkiste oder dem Verzicht auf Plastik versucht Ankathrin Förster, so viel wie möglich für den Klimaschutz zu tun und den eigenen CO2-Fußabdruck zu verringern. Die stärkste Motivation bekommt sie von ihren Kindern, für die sie sich eine "schöne, friedvolle Zukunft und die Möglichkeit, die Erde in ihrer Schönheit und Vielfalt zu erleben", wünscht.

Mittlerweile falle ihr dieser Lebensstil leicht, das sei aber nicht von Anfang an so gewesen. Sie habe Stück für Stück ihr Verhalten verändert und mit einem Lebensbereich angefangen: weniger Plastik im Alltag. "Das zeigt den ersten großen Erfolg, den man auch wirklich sehen kann, nämlich an der Müllmenge in der gelben Tonne", sagt Ankathrin Förster: "Niemand kann perfekt sein. Wir brauchen auch nicht nur perfekte Menschen, sondern wir brauchen viele Menschen, die viele Kleinigkeiten ändern."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 22.04.2021, 19.30 Uhr