Wartezimmer in einer Arztpraxis

Aus Angst vor Ansteckung mit dem Coronavirus meiden viele Patienten den Besuch beim Arzt. Sie schieben selbst nötige Eingriffe im Krankenhaus auf. Die Mediziner reagieren mit einer Aufklärungskampagne.

Die Fallzahlen bei den niedergelassenen Ärzten in Hessen sanken zwischen Januar und März um bis zu 30 Prozent, wie die Kassenärztliche Vereinigung Hessen (KV) am Mittwoch in Frankfurt mitteilte. Das zweite Quartal zeige einen ähnlichen Trend. Das gelte auch für die Krankenhäuser, erklärte die Hessische Krankenhausgesellschaft.

Krankenhäuser aktuell nur zu 60 Prozent ausgelastet

KV-Vorstandschef Frank Dastych sagte, selbst Menschen mit Schmerzen oder ernsthaften Erkrankungen wie Herzinfarkten und Schlaganfällen hielten sich derzeit fern. Doch die Arztpraxen seien sicher. Es gebe genügend Schutzausrüstung. Es gälten Abstandsregeln und Hygienestandards, die Wartezeiten würden kurz gehalten. Die wenigen Covid-19-Patienten, die es derzeit gebe, würden in eigenen Sprechstunden oder speziellen Schwerpunkt-Praxen behandelt.

Auch der Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft, Christian Höftberger, berichtete von freien Betten und Ressourcen. Normal sei eine Auslastung von etwa 85 Prozent in Hessen, derzeit liege sie bei rund 60 Prozent. Man habe die Lage aber anders als etwa in Teilen Italiens immer im Griff gehabt. Das Risiko einer Ansteckung sei keinesfalls höher als das bei einer aufgeschobenen Behandlung.

Appell an Patienten

Eine Aufklärungskampagne unter der Überschrift "Sicher für Sie da - Ihre Arztpraxen und Krankenhäuser in Hessen" soll nun gegensteuern - unter anderem mittels großer Plakate. Es sei höchste Zeit, "mit allen notwendigen Hygiene- und Abstandsgeboten die Regelversorgung wieder aufzunehmen", erklärten die Verbände.

Das Corona-Virus sei noch da, sagte Sozialminister Kai Klose (Grüne). Doch Ärzte und Krankenhäuser seien gut vorbereitet. Es gebe keinen Grund, Termine zur Früherkennung etwa von Krebserkrankungen nicht wahrzunehmen. Dies könne im Ernstfall schlimme Folgen haben. Auch verschobene operative Eingriffe könnten nun nachgeholt werden.

Der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Hessen hatte bereits an die Patienten appelliert, wichtige Vorsorgetermine und Impfungen wahrzunehmen. "Die Sorge vor einer Infektion mit dem Covid-19-Erreger ist nachvollziehbar. Aber gerade in den Arztpraxen sind die Abläufe durch Hygienestandards so sicher gestaltet, dass Untersuchungen und Impfungen problemlos durchgeführt werden können", erklärte dazu die Leiterin der vdek-Landesvertretung, Claudia Ackermann.

Suche nach Konzepten für Alten- und Pflegeheime

Zugleich wird an Konzepten gearbeitet, wie sich etwa Besuche in den Krankenhäusern und in Alten- und Pflegeheimen auf Dauer regeln lassen. Und ob und inwieweit dabei die neue Corona-Warn-App eine Rolle spielen könnte. Es ergebe wenig Sinn, Krankenhausmitarbeiter und Patienten zu testen, um dann das Virus über die Besucher hereinzuholen, sagte Höftberger.

Auf den Erreger Sars-CoV-2 getestet wird derzeit von verschiedenen Einrichtungen, darunter Schwerpunkt- und Facharztpraxen sowie 15 Koordinierungscenter, die zuvor Testcenter hießen. Sie sollen bis nach den Sommerferien aufrechterhalten bleiben.

Man müsse sich auf eine größere Nachfrage im Herbst einrichten, sagte Minister Klose. Wenn es kälter werde, würden sich mehr Menschen testen lassen wollen - allein, um abzuklären, ob sie an einer Erkältung oder Covid-19 erkrankt sind.