Zeynep Kallmayer (l), Pflegegruppenleiterin COVID-Intensivstation C1 am Uniklinikum, schaut nach ihrer Impfung zu Prof. Sabine Wicker, Betriebsärztin des Klinikums und Mitglied der Ständigen Impfkommission am Robert Koch Institut, die ein Pflaster auf die Einstichstelle drückt.

Vor genau einem Jahr sorgte der Start für die Corona-Impfungen für große Euphorie. Doch die Hoffnung auf ein schnelles Ende der Pandemie hat sich bisher nicht erfüllt. So ist die Lage derzeit in Hessen.

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Ein Jahr Corona-Impfungen

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Sie war die erste Hessin, die vor einem Jahr gegen das Coronavirus geimpft wurde. Am 27. Dezember 2020 erhielt Krankenschwester Zeynep Kallmayer im Frankfurter Uniklinikum ihre Immunisierung. "Für mich ist es eine Ehre, die Erste sein zu dürfen", sagte Kallmayer damals stolz in die Kameras und krempelte den Ärmel hoch.

Große Hoffnungen waren mit dem Start der Immunisierungen verbunden: "Heute ist ein besonderer Tag", freute sich Klinikdirektor Jürgen Graf. "Wir verbinden damit die Hoffnung, dass wir in sechs bis neun Monaten zu einem geregelten Leben zurückfinden werden."

Hoffnung auf schnelles Ende der Pandemie enttäuscht

Diese Hoffnung sollte sich so nicht erfüllen. Ein Jahr später ist die Pandemie weder beendet noch haben wir das Leben von vorher zurück. Angesichts der hochansteckenden Omikron-Variante wurden gerade wieder die Regeln verschärft. Es gibt neue Kontaktbeschränkungen, Clubs müssen wieder schließen, Tanzveranstaltungen sind verboten. Die Inzidenz liegt bei 167,6, die Gesamtzahl der Toten im Zusammenhang mit Corona liegt in Hessen bei 8.509 (Stand 27.12.)

Zuletzt waren 69,7 Prozent der Menschen in Hessen zweimal geimpft. 73,6 Prozent hatten mindestens eine Dosis bekommen, 32,4 Prozent waren bereits geboostert. Auch Kallmayer ist seit Oktober ein drittes Mal geimpft "und es geht mir gut". Doch sie ist enttäuscht, dass sich die Situation für ihre Kolleginnen und Kollegen auf den Intensivstationen und für die gesamte Gesellschaft nicht besser geworden ist.

Noch immer arbeitet die 51-Jährige auf der Intensivstation des Frankfurter Universitätsklinikums, auf der die Covid-19-Fälle betreut werden. "Im Frühjahr dachte ich, es wird auf jeden Fall nicht so schlimm werden in diesem Herbst."

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Fortschritte und Rückschläge

Die Impfkampagne war geprägt von Fortschritten und Rückschlägen. Zu Beginn war der Impfstoff knapp - er war besonders gefährdeten Menschen vorbehalten. Zuerst wurden Menschen in medizinischen Berufen wie Zeynep Kallmayer oder pflegebedürftige Menschen in Altenheimen versorgt. Die breite Masse musste warten.

Im Januar wurden landesweit 28 Impfzentren errichtet, am 19. Januar gingen die ersten sechs in Betrieb, am 9. Februar folgte der Rest. Wer einen Termin wollte, musste sich über ein Internetportal oder telefonisch registrieren. Es wurden sogenannte Priorisierungsgruppen aufgerufen, abhängig von Alter oder Beruf. Anfangs ging es wegen der noch geringen Impfstoffmenge langsam voran. Ende Januar waren erst 180.000 Dosen verabreicht worden.

Im Impfzentrum in Hanau warten mehrere Menschen vor den Kabinen.
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Bilanz nach einem Jahr Corona-Impfungen in Hessen

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Im März war der Lieferengpass größtenteils überwunden - auch wegen des neuen Biontech-Werks, das am 10. Februar in Marburg in Betrieb genommen worden war. Nach den Osterferien halfen dann auch die Hausärzte mit beim Impfen. Am 7. Juni wurde die Priorisierung aufgehoben - jetzt durfte jeder, der wollte, sich immunisieren lassen.

Im Sommer Plateau erreicht

Die Zahl der Impfungen stieg bis Juli schnell an, aber etwa mit Beginn der Sommerferien war ein Plateau erreicht. Kallmayer wundert sich darüber: Die Impfbereitschaft schien ihr zunächst sehr hoch zu sein - bis die Priorisierung aufgehoben wurde "und sich eine große Unsicherheit in der Bevölkerung zeigte". Ende September wurden die meisten Impfzentren geschlossen. Mehr als ein Viertel der Menschen in Hessen war weiter nicht geschützt. Fahrt nahm die Impfkampagne erst im Herbst wieder auf, als klar wurde, dass eine dritte Dosis nötig ist, die Inzidenzen stiegen und die Krankenhäuser Alarm schlugen.

Für Kallmayer waren die vergangenen zwölf Monate konstant "sehr arbeitsintensiv", selbst in den Sommermonaten, die vermeintlich entspannter sein sollten. "Wir haben im Prinzip ohne jegliche Regenerationsphase zwischen der dritten und vierten Welle weitergemacht", berichtet sie. "Das macht müde und manche bringt das natürlich auch an seine absolute Belastungsgrenze."

Intensivpflegerin Kallmayer: Mehr Aufklärungsarbeit nötig

Bis zuletzt gab es Rückschläge beim Impfen: Der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) limitierte im November die Lieferung des Biontech-Impfstoffs, Sonderaktionen wie eine Impf-Tram in Frankfurt mussten abgesagt werden, vor eilig wieder aus dem Boden gestampften Impfstellen bildeten sich lange Schlangen. Am 14. Dezember verkündete Sozialminister Kai Klose (Grüne) die zehnmillionste Covid-Impfung in Hessen.

Kallmayer hofft "auf die Vernunft und Zuversicht der Menschen, die noch skeptisch gegenüber der Impfung sind. Ich denke nach wie vor, dass man noch viel mehr Aufklärungsarbeit leisten müsste, um alle Bevölkerungsgruppen zu erreichen." Die Intensivkrankenschwester ist überzeugt: "Die Impfung ist das einzige Mittel, die Pandemie zu brechen."

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