Er versteht sich als Teamplayer und als gemäßigter Reformer: Am Sonntag wird Michael Gerber in sein Amt als Bischof von Fulda eingeführt. Was hat sich Deutschlands jüngster Oberhirte vorgenommen? Und worauf freut er sich besonders?

Videobeitrag

Video

zum Video Fuldas neuer Bischof erklärt die Bedeutung seines Bischofsstabs

Ende des Videobeitrags

Gut hinhören – das ist Michael Gerber ganz wichtig. Das ist dem neuen Fuldaer Bischof auch ganz wichtig bei seiner Amtseinführung im Rahmen eines Festgottesdienstes im Dom am Sonntag: Er freue sich am meisten darauf, jene Menschen zu treffen, die für die unterschiedlichen Gruppen in seinem Bistum stehen: "Das wird ein ganz kleiner Moment der persönlichen Begegnung sein", sagt er im hr-Interview.

Spirituelle Prägung

Glaubwürdigkeit und Spiritualität sind zwei weitere Punkte, die für den 49-Jährigen ganz weit im Vordergrund stehen. "Wir leben in einer Zeit, in der sich unglaublich viel verändert, wo Parameter in der großen Politik verschoben werden." Kirche könne einen wesentlichen Beitrag zur Orientierung leisten.

Weitere Informationen

Live im hr

Am Sonntag, 31. März wird der neue Fuldaer Bischof Michael Gerber in sein Amt eingeführt. Das hr-fernsehen überträgt den Festgottesdienst ab 15 Uhr. Zu sehen auch im Livestream auf hessenschau.de.

Ende der weiteren Informationen

Spirituell geprägt ist Gerber durch die Schönstatt-Bewegung, einer kirchlichen Reformbewegung, in der inneres Erleben eine große Rolle spielt. Sie helfe Menschen, ihre Persönlichkeit auszuprägen. Die Gemeinschaft kenne ein starkes Miteinander von Priestern und Laien. "Auch ein Bischof braucht Menschen, mit denen er einen Austausch hat, wo er das zur Sprache bringen kann, was ihn bewegt", sagt Gerber.

Frauen in Entscheidungsprozesse einbinden

Dem neuen Bischof ist es auch wichtig, Frauen einzubeziehen. Er denke da etwa an Dozentinnen in der Priesterausbildung oder als Entscheiderinnen bei der Zulassung von Priester-Kandidaten. In dem von seinem Vorgänger Algermissen angestoßenen Reformprozess "Bistum 2030“ zur künftigen Struktur der Diözese seien in der Steuerungsgruppe bereits Männer und Frauen in entscheidenden Positionen vertreten. Allerdings sei bei der Einbindung von Frauen noch "Luft nach oben". Auf den Reformprozess werde er in den kommenden Monaten schauen und fragen: Wo stehen wir? Wo müssen wir nachsteuern?

Videobeitrag

Video

zum Video Interview mit neuem Fuldaer Bischof Gerber

Ende des Videobeitrags

Möchte er eines Tages gerne selbst Frauen zu Priestern weihen? Das sei kein vorrangiges Thema, sagt der neue Bischof. Es komme darauf an, Frauen in ihrer Kompetenz ernst zu nehmen und entsprechende Leitungsstrukturen zu schaffen. Als Bischof stehe er in der katholischen Tradition, und so große Fragen könnten nur in einem "umfassenden geistlichen Prozess" geklärt werden. Ähnlich beim Thema Zölibat: Das werde auf Weltebene diskutiert, eventuelle Änderungen würden neue Herausforderungen bringen. Er sei aber überzeugt, dass die Kirche auch in Zukunft den zölibatären Priester brauche.

Pilgerweg zur Amtseinführung

Gerber sieht sich selbst im Mittelfeld zwischen Bewahrern der Tradition und reformerischen Erneuerern. Auf einer gedachten Skala von 1 bis 10 ordnet er sich bei 6 ein. Die Kirche habe heute Aufgabenstellungen, die sie in den vergangenen 2000 Jahren nicht gehabt habe, betont Bischof Gerber.

Videobeitrag

Video

zum Video Neuer Bischof in Fulda

Ende des Videobeitrags

In seiner bisherigen Tätigkeit sei er viel mit jungen Menschen unterwegs gewesen, insbesondere auf Pilgerwegen habe er gute Erfahrungen gemacht, sagt Gerber: "Das Pilgern hat mein Selbstverständnis als Priester und Bischof geprägt." Da ist es konsequent, dass er sich auch sein neues Amt "erwandert": Auf der Bonifatiusroute ist er ab diesem Freitag unterwegs, der Pilgerweg führt ihn am Sonntag direkt zur Amtseinführung in den Fuldaer Dom.

Weitere Informationen

Fuldas neuer Bischof

Michael Gerber wurde am 15. Januar 1970 im badischen Oberkirch geboren. Nach dem Studium in Freiburg und Rom folgte 1997 die Priesterweihe. Von 2001 bis 2011 war er stellvertretender Leiter im Priesterseminar Collegium Borromaeum in Freiburg, 2007 promovierte er. 2011 bis 2014 war Gerber Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars in Freiburg. 2013 ernannte ihn Papst Franziskus zum Weihbischof, und nach der Wahl durch das Fuldaer Domkapitel schließlich am 13. Dezember 2018 zum neuen Bischof von Fulda als Nachfolger des emeritierten Heinz Josef Algermissen.

Ende der weiteren Informationen
Das Wappen des neuen Fuldaer Bischofs Michael Gerber mit der lateinischen Inschrift "Tecum in foedere" (zu Deutsch: Mit Dir im Bund).
Gerbers Bischofswappen: "Tecum in foedere" (Mit Dir im Bund) Bild © picture-alliance/dpa