Paula auf einer Wiese von hinten fotografiert
Paula lebt ihr Leben als Mädchen, auch in der Schule klappt das inzwischen gut. Bild © Anna Dangel

Unsicherheit im Kindergarten, Mobbing in der Schule: Trans-Kind Paula hat einen steinigen Weg hinter sich. Dabei ist für sie die Welt ganz klar: Sie ist ein Mädchen - und das bald auch formal.

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Zwei Kinder schreiben die Worte Mädchen/ Jungs an eine Schultafel

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Paula ist ein Mädchen - das ist inzwischen allen klar.

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"Hör auf mich zu ärgern, sonst bin ich nicht mehr deine Freundin", hat Paula (Name von der Redaktion geändert) mit zweieinhalb Jahren gesagt, erzählt ihre Mutter. Schon ganz früh habe das Kind angefangen, ihr Hinweise zu geben, dass sie sich selbst als Mädchen wahrnimmt. Biologisch wurde die heute Zehnjährige als Junge geboren. Im Alter von vier habe Paula sie gefragt: "Mama kann ich später mal eine Frau sein, so wie du?"

Das falsche Geschlecht: Keine Phase, sondern Realität

Jungen, die Mädchen sein wollen - und umgekehrt: Für Trans-Kinder wie Paula fühlt sich ihr biologisches Geschlecht elementar falsch an. Für Eltern ist das oft schwer zu begreifen. Anfangs, erzählt Paulas Mutter, dachte sie, dass ihre Tochter sich ausprobiere, "eine Phase habe". Doch Paula hörte nicht auf, sich als Mädchen wahrzunehmen und das auch so zu kommunizieren. Im Schultheater wollte sie weibliche Rollen spielen, zur Einschulung suchte sie sich einen rosa Schulranzen mit Koalas aus. Ganz früh will sie nur Mädchenkleider tragen.

Nach und nach macht sich ihre Mutter deswegen mit der Thematik von Trans-Kindern vertraut und tauscht sich mit anderen betroffenen Familien in einem Verein aus.

Nichts geht mehr – Eltern nehmen Paula von der Schule

An ihrer ersten Grundschule lief es für Paula nicht gut: Sie wird von Mitschülern gemobbt und eckt bei Lehrern an. "Schon am Tag der Einschulung haben Kinder auf dem Schulhof mit dem Finger auf sie gezeigt und gelacht", sagt ihre Mutter. Das habe daran gelegen, dass Paula ein Kleid getragen habe. Und auf dem Rücken den Schulranzen mit den Koalas. Und die Probleme wurden mit der Zeit nicht weniger. Mitschüler tuschelten über sie und gaben ihr immer wieder das Gefühl, dass sie nicht dazu gehört. Von der Schulleitung und den anderen  Eltern habe es habe es zu wenig Rückhalt gegeben, sagt die 48-Jährige Mutter. Sie vermutet, dass es viele weitere Vorfälle gab über die Paula heute nicht mehr spricht.

Für Paula eine große Belastung, die Streits mit Mitschülern und auch Lehrern nehmen zu, sie kann sich immer schlechter auf die Schule konzentrieren. Im September 2017 eskaliert eine Situation mit einer Lehrerin - Paulas Eltern sehen sich gezwungen, ihre Tochter von der Schule zu nehmen.

Schon im Kindergarten keine Unterstützung

Die Wurzeln dieser Probleme liegen nach der Wahrnehmung von Paulas Mutter schon im Kindergarten. Die Leitung der Einrichtung habe den Erziehern keine Linie vorgegeben, wie mit der kleinen Paula umzugehen sei. Soll sie als Junge oder als Mädchen angesprochen werden? Schließlich konnte das jeder Erzieher für sich entscheiden. Der Großteil hätte zwar versucht, mit der Abkürzung des Jungennamens zu arbeiten und Pronomen zu vermeiden. Einige Erzieherinnen hätten sich aber geweigert und den alten Namen weiter verwendet. Im Schnitt hätten es die Kinder schneller hinbekommen, als die Erzieherinnen.

Lehrer: "Es geht um Toleranz und Akzeptanz"

Die Entscheidung, Paula von der Grundschule zu nehmen, hat zwar die Probleme dort beendet. Neue Schwierigkeiten bereitete jedoch die Suche nach einer neuen Schule. Von einer Einrichtung hieß es etwa, schwierige Kinder gebe es schon genug.

Ist Paula als Trans-Kind also ein schwieriges Kind? Ihr jetziger Klassenlehrer sagt "Nein!". Er und der Schulleiter der Schule, die die Familie schließlich aufgenommen hat, hätten Paula mit offenen Armen empfangen und Ideen entwickelt, wie es für Paula gut laufen könnte. Er informierte die Eltern an einem Elternabend, bevor das Mädchen in die Klasse kam. Ihren neuen Mitschülern zeigte er eine Folge der Kinderserie die "Pfefferkörner", in der ein Trans-Kind vorkommt. "Es geht darum, dass alle junge Menschen zu Toleranz und Akzeptanz erzogen werden", beschreibt er seine Haltung.

Als nächstes wird Paulas Pass angeglichen

Für Paula hat das funktioniert, sie fühlt sich auf ihrer Schule sehr wohl. Sie selbst sagt, das Thema sei für sie erledigt, ihre neuen Mitschülerinnen und Mitschüler akzeptierten sie wie sie ist. "Sie wissen schon, dass ich ein Mädchen und trans bin, aber sie wissen auch, dass das im Prinzip keine Rolle spielt", erklärt sie.

Und wie soll es nun weiter gehen, mal abgesehen von der Schule? Im Moment läuft noch ihre "Namens-und Personenstandsänderung“. Damit wird bald auch in ihrem Pass nicht mehr "männlich", sondern "weiblich" stehen. Von einer geschlechtsangleichenden Operation will Paula derzeit noch nichts wissen. Erst zuletzt hat sie ihrer Mutter erklärt: "Ich bin ja noch nicht sexuell". Auch für Paulas Mutter ist Paula inzwischen ein Mädchen und kein Junge, der ein Mädchen sein will. "Sie fühlt, sie denkt und artikuliert sich wie ein Mädchen".