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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eine Million Euro Soforthilfe für Hanauer Opferfamilien

Angehörige er Opfer von Hanau stehen mit Fotos der Toten vor dem Landtag

Knapp drei Monate nach dem rassistischen Attentat in Hanau haben die Familien der Opfer insgesamt über eine Million Euro finanzielle Unterstützung bekommen. Die Traumabewältigung gestaltet sich in der Corona-Krise allerdings schwierig.

Zur finanziellen Unterstützung der Hinterbliebenen des Hanauer Attentats sind Soforthilfen in Höhe von mehr als einer Million Euro geleistet worden. Die Zahlungen seien rasch geflossen, sagte die städtische Opferbeauftragte Silke Hoffmann-Bär der Nachrichtenagentur dpa.

Die Hilfen stammten aus einem Fonds des Bundesjustizministeriums für Opfer von extremistischer Gewalt. Ehepartner, Kinder und Eltern von Getöteten bekommen nach Antrag 30.000 Euro und Geschwister 15.000 Euro.

Corona erschwert die Traumabewältigung

Hoffmann-Bär berichtet zudem von Erfolgen bei der Traumabewältigung - aber auch von Problemen bei der Aufarbeitung. "Die Corona-Krise macht uns einen Strich durch die Rechnung und erschwert die weiteren Schritte", sagte die Leiterin der städtischen Stabstelle für Gesundheit.

Wegen der Kontaktbeschränkungen seien etwa therapeutische Behandlungen stark eingeschränkt. "Die Patienten sind im Vakuum gefangen." Nur vereinzelt gelinge die Betreuung über Bildtelefonie oder Videokonferenzen.

Erschwert werde die Begleitung der Angehörigen zusätzlich durch eine vorhandene "psychotherapeutische Unterversorgung", wie Hoffmann-Bär beurteilte. "Es ist generell schwer, einen Therapeuten zu finden".

"Manch einer wird zeitlebens Unterstützung benötigen"

Die Medizinerin rechnet damit, dass die psychologische Betreuung noch über Jahre nötig sein werde. "Manch einer wird wahrscheinlich zeitlebens Unterstützung benötigen." Andere hätten sich noch gar nicht gemeldet. "Da gibt es wohl kulturelle Unterschiede." Angebote zur Betreuung hätten aber auch weitere Verletzte und Augenzeugen bekommen, erklärte die Stadt.

Die Stadt Hanau hatte kurz nach dem rassistischen Anschlag am Abend des 19. Februar mehrere Opferbeauftragte zur Traumabewältigung eingesetzt, um die Familien der Opfer mit ihrer Wut, der Trauer und ihren Ängsten nicht alleine zulassen.

Ein 43 Jahre alter Deutscher hatte am Abend des 19. Februar neun Menschen mit Migrationshintergrund erschossen. Er soll auch seine Mutter umgebracht haben, bevor er sich selbst tötete. Die Ermittler gehen von einer Tat aus rassistischen Motiven aus. Vor der Tat hatte der Täter Pamphlete und Videos mit Verschwörungstheorien und rassistischen Ansichten im Internet veröffentlicht.

Pläne für Gedenkstätte ruhen

Derweil ruhen derzeit nach Angaben der Stadt die Pläne für eine Gedenkstätte in Hanau. Treffen mit den Angehörigen zur Abstimmung über offene Fragen seien wegen des Corona-Kontaktverbots noch nicht möglich gewesen. Dabei solle geklärt werden, wo die Entstehung einer Erinnerungsstätte denkbar ist und wie sie gestaltet werden soll. Ebenso unklar ist die Frage nach Gedenktafeln, die an den Tatorten angebracht werden sollen.

Sendung: hr-iNFO, 17.05.2020, 12 Uhr