Ein Mädchen meldet sich im Unterricht in einer Grundschule in Eltville

Seit Montag gibt es an den Grundschulen wieder so etwas wie Alltag. Die Zwischenbilanz fällt unterschiedlich aus - und das Corona-Damoklesschwert schwebt weiter über den Köpfen.

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hessenschau kompakt von 16:45 vom 26.06.2020
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Seit einer Woche wird der überwiegende Teil der 216.000 hessischen Grundschüler wieder in den Klassen unterrichtet. Die Zwischenbilanz fällt unterschiedlich aus. Schulleiter berichten von einem weitgehend reibungslosen Alltag. Die Gewerkschaft hält die Öffnungen für pädagogisch sinnlos. Das Kultusministerium ist sicher: Es ist der richtige Weg. Auch in der nächsten Woche gehen die Grundschüler noch zur Schule - dann beginnen die Ferien.

"Es ist wieder Leben spürbar, die richtige Schule wie vor Corona", freut sich Matthias Doebel vom Interessenverband hessischer Schulleitungen. Eine Kollegin habe gesagt: "Es ist, als wäre es Frühling und die Vögel würden wieder aus den Winterquartieren zurückkehren. Es ist wunderschön. Das entschädigt für alles." Bei den Kindern spüre man, "welches riesige Nachholbedürfnis" sie bei Sozialkontakten hatten.

"Corona-Damoklesschwert bleibt über den Häuptern"

Abstandsregeln etwa auf den Gängen vor den Toiletten funktionierten "entgegen vieler Sorgen auch bei den Erstklässlern und auch in voller Klassenstärke tadellos". Die Doppelbelastung von Regelunterricht und Homeschooling belaste Lehrer sehr. "Das Corona-Damoklesschwert bleibt über unseren Häuptern: Wir hoffen und bangen gleichzeitig."

Mit Verspätung war eine Schule in Kassel in die Woche gestartet. Nach einem positiven Test bei einem Kind kurz vor der Schulöffnung blieb sie bis einschließlich Donnerstag geschlossen. Nach Angaben des hessischen Kultusministeriums gab es in der ersten Woche keine neuen Infektionsfälle an den 1.159 hessischen Grundschulen.

Nach hr-Informationen hat das Gesundheistamt des Main-Kinzig-Kreises jedoch an diesem Freitag die Grundschule in Biebergemünd wegen mehrerer positiv auf Corona getesteter Schüler geschlossen. Vorher waren nach hr-Recherchen mehrere Bewohner der Ortsteile Wirtheim und Lanzingen positiv getestet worden.

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Rund zehn Prozent der Lehrer gehören zur Risikogruppe

Die Meldung des Kultusministeriums sei aber auch unabhängig von den Geschehnissen in Biebergemünd kein Grund zur Entwarnung, findet die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Birgit Koch. Dass sich in der ersten Woche niemand offiziell infiziert habe, "das kann man nicht seriös sagen, das zeigt sich erst später".

Für die GEW Hessen macht die Schulöffnung für nur zwei Wochen "pädagogisch keinen Sinn". Rund zehn Prozent der Lehrer stehen als Risikogruppe nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung.

Für die beiden Abschlusswochen wurde die Schulbesuchspflicht in Hessen aufgehoben, die Schüler dürfen auch zu Hause lernen, wenn die Eltern das wollen. Landesweit seien rund 90 Prozent der Schüler zurückgekehrt, schätzt das Kultusministerium. Allerdings gebe es starke Unterschiede zwischen den Schulen. Laut GEW kam in manchen Schulen nur die Hälfte der Schüler zum Unterricht.

Lehrer fordern mehr Schutz

"Die überwiegende Mehrzahl der Eltern hatte den dringenden Wunsch, dass die Schulen wieder öffnen", sagte Ministeriumssprecher Philipp Bender. Auch die Kinder seien sehr dankbar, dass das Schuljahr einen richtigen Abschluss finde. Das Ministerium ist sicher: Die Grundschulen für zwei Wochen zu öffnen, war "der richtige Weg" und ein wichtiger Schritt, um im kommenden Schuljahr vorbereitet zu sein.

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"Die Arbeit in den Kleinklassen war bis zu den Sommerferien geplant, und dabei hätte es bleiben sollen", findet hingegen der Landesvorsitzende des Verbands der Lehrer Hessen, Jörg Leinberger. Das Wechselmodell habe individuelles Arbeiten in kleineren Gruppen zugelassen. Im nächsten Schuljahr müssten die Lehrer besser geschützt werden, fordert der Verband. Neben Masken und Visieren für Lehrkräfte brauche man Plexiglas-Schutzwände für die Pulte und Desinfektionsspender in jedem Klassenraum.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau kompakt, 26.06.2020, 16.45 Uhr