Der Andrang am ersten Tag des Corona-Modellversuchs in Alsfeld hält sich in Grenzen.

Erst zum Testzentrum, dann zum Einkaufsbummel in die Innenstadt. Am Donnerstag ist der erste Modellversuch zur Öffnung des Einzelhandels in Alsfeld gestartet. Zwei weitere Kommunen zögern noch.

Erst zum Coronatest und dann zum Einkaufsbummel in die Innenstadt. In drei hessischen Kommunen soll dieses "Tübinger Modell" bis Ende April in der Praxis erprobt werden. So zumindest sehen es die Pläne der Landesregierung von Ende März vor. Am Donnerstag nun fiel in Alsfeld (Vogelsberg) der Startschuss. Mit Baunatal (Kassel) und Dieburg stehen zwei weitere "Modellkommunen" in den Startlöchern, zögern aber noch mit der Umsetzung.

Alsfeld: Shoppen aber keine Gastronomie

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Auch in der Alsfelder Innenstadt war am Donnerstag von Einkaufstrubel noch wenig zu spüren. Als einzige der drei ausgewählten Kommunen ist die Vogelsberg-Gemeinde am Donnerstag tatsächlich in den Modellversuch gestartet. Rund 30 Einzelhändler warteten auf Kunden, die sich zuvor in einem der drei örtlichen Testzentren einem Corona-Schnelltest unterziehen müssen. Der große Ansturm blieb vorerst aus - auch wenn in zwei der drei Testzentren alle Termine vergeben waren.

Bereits im Vorfeld hatte die Lokalpolitik klar gemacht, dass sich Alsfeld nicht zum innerhessischen Shopping-Tourismus-Zentrum entwickeln soll. Die Zahl der Tagestickets für den Einkauf im Ortskern ist zunächst auf 600 begrenzt. Im weiteren Verlauf des Versuchs könnte das Kontingent auf bis zu 2.000 erhöht werden. Die Gastronmie - auch auf den Außenflächen - bleibt hingegen geschlossen. Auch Kulturveranstaltungen finden vorerst nicht statt.

Für Bürgermeister Stephan Paule (CDU) ist der maßgebliche Sinn des Experiments, nachvollziehen zu können, ob der Einzelhandel ein "Infektionstreiber" ist. "Deshalb haben wir gesagt: Einzelhandel und nicht noch weitere Branchen. Um zu sagen: Klappt es oder klappt es nicht."

Baunatal: Kein Einkauf für Auswärtige

Immerhin aber können in Alsfeld auch Auswärtige einkaufen, sofern sie eines der Tagestickets ergattern. In Baunatal sehen die Planungen vor, dass nur Einwohner der Kommune selbst in den Genuss des Modellprojekts kommen. Das soll dafür umso üppiger ausfallen. Denn in Nordhessen sollen neben dem Einzelhandel auch Gastronomie und sogar Kinos öffnen dürfen.

Einen genauen Starttermin hat Baunatal derweil noch nicht festgelegt. Geplant ist nach Aussagen von Susanne Bräutigam, Pressesprecherin der Stadt, kommende Woche loszulegen. Eine letzte Abstimmungsrunde war für Donnerstagabend vorgesehen. Am Freitag soll dann die Staatskanzlei in Wiesbaden grünes Licht geben - coronakonform per Videokonferenz. Details der Planung - inklusive eines möglichen Starttermin - will die Stadt im Anschluss auf einer Pressekonferenz bekanntgeben.

Dieburg: Konzept genehmigt, Start ungewiss

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In Dieburg ist derweil erst am Donnerstagvormittag die endgültige Entscheidung über die Teilnahme an dem Modellprojekt gefallen. Der Magistrat billigte ein Konzept, das die Öffnung sowohl von Einzelhandel als auch Gastronomie vorsieht. Voraussetzung auch hier: ein negativer Corona-Schnelltest.

Dieburg war unter den drei ausgewählten Kommunen so etwas wie ein Überraschungssieger. Denn die Gemeinde selbst hatte sich gar nicht als Modellkommune beworben. Stattdessen hatte ursprünglich der Kreis Darmstadt-Dieburg einen entsprechendes Antrag gestellt. Die Landesregierung erteilte aber dann den Zuschlag der Kreisstadt.

Allerdings ist auch in Südhessen noch unklar, wann es mit dem Modellversuch losgehen kann. Die aktuelle Corona-Ausbreitung erlaube keinen unmittelbaren Start, erklärte Bürgermeister Frank Haus (parteilos) dem hr. "Die derzeitige sehr dynamische Infektionslage macht eine zeitnahe Kontaktnachverfolgung Stand heute nicht möglich", sagte auch Landrat Klaus Peter Schellhaas (SPD). Am Freitag lag die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner im Kreis Darmstadt-Dieburg bei 84,6.

Der ursprünglich ins Auge gefasste Start Mitte April sei somit nicht umsetzbar, bekräftigte Bürgermeister Haus. Jedoch befinde sich die Stadt in engem Kontakt mit den Gesundheitsämtern. Sollte sich die Lage bessern, ließe sich der Modellversuch mit einer Vorlaufzeit von zwei bis drei Tagen umsetzen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 08.04.2021, 19.30 Uhr