Limburg Schiede Fahrverbot

Die Stickstoffdioxid-Werte sind zu hoch: In Limburg droht deshalb schon bald ein Fahrverbot für ältere Diesel und Benziner. Für eine Kleinstadt wäre das ein Novum. Limburg wehrt sich jetzt sehr deutlich gegen die Pläne der Landesregierung.

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Audioseite Limburger Stadtverordnete gegen drohende Fahrverbote

Die Schiede-Kreuzung in Limburg
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Es ist schon lange im Gespräch, nun könnte es tatsächlich bald kommen: In der Limburger Innenstadt droht ein Fahrverbot, weil die Stickstoffdioxid-Messwerte immer wieder überschritten werden.

Die Stadtverordnetenversammlung will dies allerdings nicht hinnehmen und legt Einspruch bei der Landesregierung ein. Limburgs Bürgermeister Marius Hahn (SPD) erklärte, das Fahrverbot sei seiner Ansicht nach widersinnig, weil es in Limburg nur dazu führen würde, dass die Autofahrerinnen und Autofahrer stattdessen Umwege nehmen.

Neben dem Einspruch prüft die Stadt gemeinsam mit dem Landkreis weitere rechtliche Schritte, so der Bürgermeister. Seine Botschaft an die Landesregierung: "Wir werden uns gegen ein Dieselfahrverbot mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln wehren."

Erste Kleinstadt mit Fahrverbot

Konkret geht es in Limburg um ein Fahrverbot an der B8, der Hauptverkehrsachse der Stadt, zwischen der Schiede/Ecke Diezer Straße und der Frankfurter Straße/Ecke Wiesbadener Straße. Dieselfahrzeuge bis Euronorm 5 und Benziner bis Euronorm 2 dürften dann nicht mehr durch den Schiedetunnel fahren. Dort sind die Messwerte für Stickstoffdioxid in der Luft trotz zahlreicher von Stadt und Kreis ergriffener Maßnahmen noch immer zu hoch.

Als eine von inzwischen nur noch sechs Städten in Deutschland überschreitet Limburg weiterhin den Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. 2018 waren es noch 57 Städte. In Hessen ist ansonsten nur noch Darmstadt betroffen, das bereits seit 2019 Dieselfahrverbote hat. Frankfurt kam dieses Jahr erneut um Fahrverbote drum herum, wohl hauptsächlich, weil die Werte durch weniger Verkehr in der Pandemie sanken.

Fahrverbot in Darmstadt

Bisher war auch Limburg verschont geblieben. Doch das hessische Umweltministerium stellte im August den Entwurf für seinen neuen Luftreinhalteplan vor, nach dem Fahrverbote sehr nahe rücken. Sie könnten voraussichtlich schon ab April nächsten Jahres kommen. In einer 33.600-Einwohner-Stadt wäre das ein Novum: Bisher gelten solche Einschränkungen deutschlandweit nur in größeren Städten.

Stadt fühlt sich alleine gelassen

Bürgermeister Hahn meint, in Limburg schütte man damit das Kind mit dem Bade aus und verlagere die Problematik nur: "Wenn Autos eine längere Strecke durch eine Stadt fahren auf Straßen, die dafür nicht ausgelegt sind, vorbei an Kindertagesstätten und Senioreneinrichtungen, werden wir zweieinhalbmal so viel Verkehr haben", so Hahn. "Das kann nicht im Sinne des Erfinders sein."

Es gebe seiner Ansicht nach bessere Lenkungsmaßnahmen, etwa durch Beschilderung, ÖPNV-Ausbau oder mehr Radwege. Auch eine Ortsumgehung schlägt die Stadt vor. "Wir sind bereit, die extra Meile zu gehen - auch dahin, wo es wehtut", so der Bürgermeister mit Verweis auf die zuletzt teilweise massiv erhöhten Parkgebühren in der Innenstadt.

Hahn betont: Limburg habe schon Millionen investiert, um die Luft zu verbessern und ein Dieselfahrverbot zu verhindern. Man fühle sich nun vom Land mit dem Problem allein gelassen und bekomme vor den Latz geknallt, untätig zu sein.

Grüne in Limburg: Maßnahmen reichen nicht

Die Limburger Stadtverordnetenversammlung stimmte dem Einspruch am Montagabend mit großer Mehrheit von SPD und CDU zu. Jedoch wurden in der emotional aufgeladenen Debatte auch andere Stimmen laut, etwa von Seiten der Grünen.

Zwar wollen auch sie kein Dieselfahrverbot. Sie sind jedoch überzeugt, dass die von der Stadt vorgeschlagenen Alternativmaßnahmen nicht weit genug gehen, um die Luft zu verbessern. So müsse etwa die vorgeschlagene Südumgehung erst gebaut werden und würde frühestens in zehn Jahren ihre Wirkung entfalten.

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