Mutter mit Kind im Supermarkt

Nach der Schließung von Schulen und Kitas haben Eltern bei der Betreuung ihrer Kinder mit Schwierigkeiten zu kämpfen. In Marburg wissen viele nicht, wohin mit den Kleinen. Ein Ort ist aber doch besonders beliebt.

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Die Flure im Marburger Kindergarten "Badestube" sind ungewohnt still am Montagmorgen, nur vereinzelt hängen Rucksäcke und Jacken an bunten Haken. In einem der Gruppenräume trifft sich eine kleine Auswahl an Kindern, die Erzieherinnen stehen zusammen und diskutieren, wie es jetzt weitergeht. Es ist der erste Tag der landesweit beschlossenen Schul- und Kita-Schließungen zur Eindämmung des Coronavirus.

Kindergartenleiterin Hilka Kronstedt wird über WhatsApp schon seit Tagen mit Fragen von Eltern überhäuft: Was ist mit Kindern von Arzthelferinnen oder freiwilligen Feuerwehrleuten? Werden jetzt Gruppen oder sogar ganze Einrichtungen zusammengelegt? "Bis halb elf abends habe ich am Telefon gehangen", erzählt sie.

Weil es die Notbetreuung nur gibt, wenn beide Elternteile in "systemkritischen Berufen" arbeiten, betreffe das in der "Badestube" nach aktuellem Stand lediglich drei von 50 Kindergartenkindern. Wie die Betreuung dieser Kinder genau abläuft, soll in weiteren Beratungen mit der Stadt entschieden werden.

Ungutes Gefühl auf dem Spielplatz

Alle anderen Klein- und Schulkinder müssen mindestens bis zum Ende der Osterferien zu Hause bleiben. Für ausreichend Bespaßung und Aktivität sind – im Rahmen der Corona-Maßgaben - jetzt in den meisten Fällen die Eltern zuständig. So genießen am Montag auf einem Spielplatz am Marburger Lahnufer ein paar Familien das gute Wetter. Es sind nicht viele, und die meisten halten Abstand zueinander.

"Wir kommen noch her auf den Spielplatz, aber jeden Tag mit einem weniger guten Gefühl", berichtet ein Pärchen, das mit seiner einjährigen Tochter spielt. "Wenn mehr losgewesen wäre, wären wir auch direkt wieder gegangen", meinen die Eltern. Den Plan der Landesregierung, auch Spielplätze zu schließen, halten sie für "keine schlechte Idee". Jeder müsse seine Verhaltensweisen überdenken: "Wir werden jetzt wohl öfter spazieren gehen."

"Wir müssen auf Sicht fahren"

Auf der Schaukel nebenan schubst ein Vater seine zweijährige Tochter an. "Wir müssen uns irgendwie mit der Betreuung abwechseln. Ich bin heute zu Hause geblieben, aber ich habe eigentlich beruflich gerade sehr viel zu organisieren", sagt er. Als Psychotherapeut falle er nicht in die systemrelevante Berufsgruppe. "Trotzdem stehe ich ja meinen Patienten gegenüber in Verantwortung - und außerdem bekomme ich als Selbstständiger keine finanzielle Kompensation."

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Er mache sich selbst wenig Sorgen um eine Ansteckung, insbesondere weil das Coronavirus die Kinder ja offenbar wenig treffe. "Es ist eher so eine generelle Überforderung gerade. Wir müssen momentan einfach auf Sicht fahren", sagt der Vater.

Supermarkt statt Schule

Deutlich mehr Familien mit Kindern trifft man an diesem Montag nicht im Park, sondern auf dem Parkplatz vor dem Supermarkt. In den Einkaufswägen sitzen Kleinkinder neben Klopapierpackungen, Schulkinder helfen ihren Müttern dabei, Paletten mit H-Milch in den Kofferraum zu hieven.

Vor einem Marburger Discounter belädt die eine junge Frau gerade ihren Fahrradanhänger - "nur mit dem, was wir für an Alltag brauchen", betont sie: "Keine Hamsterkäufe." Ihre dreijährige Tochter springt ihr dabei um die Beine. Die Mutter seufzt: "Tja, ab jetzt machen wir halt alles mit Kindern."

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 16.03.2020, 13.00 Uhr